1997 begannen die Planungen für den Ausbau der S-Bahn zwischen Bonn und Köln. Die Strecke sollte Pendlern eine leistungsfähige Verbindung zum Flughafen Köln/Bonn und in die Domstadt bieten. Nach heutiger Planung wird das Projekt seine vorgesehene Leistungsfähigkeit jedoch erst in den 2040er-Jahren erreichen. Für weniger als 15 Kilometer zusätzlicher Infrastruktur vergeht damit nahezu ein halbes Jahrhundert.
Die außergewöhnliche Dauer lässt sich nicht allein mit langwierigen Genehmigungen oder schwierigen Bauarbeiten erklären. Im Zentrum des Projekts steht der Bahnknoten Troisdorf. Dort treffen die Strecken aus Bonn, Köln, dem Siegtal und vom Flughafen aufeinander. Erst im Verlauf der Planungen wurde deutlich, dass ein Überwerfungsbauwerk erforderlich ist, damit sich die verschiedenen Zugverkehre nicht gegenseitig blockieren. In der ursprünglichen Planung war dieses Bauwerk jedoch nicht vorgesehen.
Engpass bleibt bestehen
Die Folge ist bis heute sichtbar. Obwohl große Teile der Strecke fertiggestellt werden, bleibt der entscheidende Engpass bestehen. Neue Gleise allein schaffen noch keinen stabilen Betrieb, wenn sich die Züge weiterhin niveaugleich kreuzen müssen.
Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 soll deshalb zunächst nur ein Teil des vorgesehenen Angebots umgesetzt werden. S27, S12 und RB27 werden zusätzliche Verbindungen schaffen, die eigentliche Zielstruktur mit der S13 im dichten Takt setzt jedoch den weiteren Ausbau des Knotens Troisdorf und zusätzliche Kapazitäten im Kölner S-Bahn-Netz voraus. Der Ausbau wird also teilweise genutzt, obwohl seine volle Wirkung noch über viele Jahre ausbleibt.
Hinzu kommt eine weitere Besonderheit. Während die neue S-Bahn noch nicht vollständig zur Verfügung steht, soll die Schnellbuslinie SB60 zwischen Bonn und dem Flughafen Köln/Bonn entfallen. Für zahlreiche Fahrgäste bedeutet das künftig zusätzliche Umstiege, obwohl die Schienenverbindung ihre eigentliche Leistungsfähigkeit noch nicht erreicht hat. Bestehende Direktverbindungen verschwinden damit, bevor der Ersatz vollständig funktioniert.
Auch südlich von Bonn-Beuel wird der Ausbau noch Jahre in Anspruch nehmen. Erst nach 2030 sind umfangreiche Arbeiten auf dem weiteren Streckenabschnitt vorgesehen. Parallel werden Bahnhöfe modernisiert, Stellwerke erneuert und Lärmschutzanlagen errichtet. Jeder einzelne Bauabschnitt verfolgt ein nachvollziehbares Ziel. Das Gesamtprojekt entfernt sich dennoch immer weiter von dem Zeitrahmen, der bei seinem Beginn einmal angenommen wurde.
Gerade darin liegt das eigentliche Problem. Die Finanzierung wurde über Jahrzehnte gesichert, gebaut wird ebenfalls. Trotzdem entsteht keine Infrastruktur, die innerhalb eines überschaubaren Zeitraums vollständig genutzt werden kann. Stattdessen folgen aufeinander abgestimmte Zwischenlösungen, neue Bauphasen und weitere Voraussetzungen, bevor das ursprünglich geplante Angebot überhaupt erreicht werden kann.
Der Ausbau zwischen Bonn und Köln zeigt damit weniger ein Bauproblem als ein Planungsproblem. Nicht fehlende Schienen oder mangelnde Investitionen prägen das Bild, sondern ein Verfahren, das zentrale Voraussetzungen erst im Laufe des Projekts erkennt, Planungen immer wieder erweitert und die eigentliche Fertigstellung über Jahrzehnte verschiebt. Für die Fahrgäste macht dieser Unterschied kaum einen Unterschied. Sie erleben vor allem eines: Eine Verbindung, die seit den 1990er-Jahren versprochen wird, bleibt auch nach Jahrzehnten unvollendet.