Die Gaskrise ist eine Stromkrise

Ein bisschen frieren für die Ukraine und die Dusche seltener und weniger lange aufdrehen, das sind die vermeintlichen Lösungen, die uns die Politik anbietet, wenn es um die durchaus existenzielle Frage geht, ob im Winter noch genügend Gas zur Verfügung steht.

Zwar steht das Heizen in der öffentlichen Diskussion derzeit im Vordergrund, doch auch das ist eine Nebelkerze, die vom eigentlichen Problem mehr ablenkt als eine Lösung zu bieten, denn das deutsche Gasproblem ist im Kern ein Stromproblem. Geschaffen hat sich Deutschland dieses, als es die Energiewende einleitete und beschloss, zuerst seine Kernkraftwerke und später auch seine Kohlekraftwerke abzuschalten.

Wie der Kernenergieexperte Manfred Haferburg am 30. Juni bei einer Anhörung im Sächsischen Landtag ausführte, kann Deutschland grundsätzlich nur aus drei Energieformen wählen, der Umweltenergie, der fossilen Energie und der Kernenergie. Ihr Ressourcenverbrauch, aber auch ihre Verfügbarkeit und ihre Energiedichte sind sehr unterschiedlich.

Deutschland setzt bei der Stromversorgung auf die Energieformen mit der geringsten Energiedichte und der unsichersten Verfügbarkeit

Nutzen will Deutschland in Zukunft nur noch die Umweltenergie, also den Strom, der über Solaranlagen, Windräder, Wasserkraftwerke und Biomasse erzeugt wird. Diese Formen der Stromerzeugung weisen die geringste Energiedichte auf. Zudem ist die Verfügbarkeit eingeschränkt, weil insbesondere die Solaranlagen und die Windräder stark wetterabhängig sind.

Fossile Kraftwerke, die Öl, Gas und Kohle verfeuern, um damit Strom zu erzeugen, weisen eine hohe Verfügbarkeit und auch eine hohe Energiedichte auf. Die höchste Verfügbarkeit und Energiedichte weisen die Kernkraftwerke auf. Auf sie will Deutschland ab Dezember aber vollständig und auf Öl und Kohle immer mehr verzichten.

Dabei wird gerne übersehen, dass Solar- und Windenergie derzeit zwar mit 46 Prozent zur Stromerzeugung beitragen, ihr Anteil an der gesamten Primärenergieversorgung aber nur bei bescheidenen sechs Prozent liegt. Strom ist zudem das Produkt mit der geringsten Haltbarkeit. Es muss zur Verfügung stehen, wenn es gebraucht wird. Geschieht das nicht, weil beispielsweise Nacht oder Flaute ist, bricht das Netz schnell zusammen.

Fällt die Umweltenergie aus, weil es dunkel ist oder gerade Flaute herrscht, müssen andere Kraftwerke einspringen. Dazu waren, solange das Gas noch preiswert war, vor allem Gaskraftwerke vorgesehen. Steht für sie im Winter nicht genügend Gas zur Verfügung, besteht eine Abhilfe nur noch aus französischen Kernkraftwerken und polnischen Kohlekraftwerken. Macht das wirklich Sinn?