Die Reaktion des Westens kommt spät, aber sie kommt

der Westen ist sich seiner misslichen Position im Ringen um die strategischen Rohstoffe inzwischen schmerzlich bewusst. Die Jahre der sorglosen Selbstzufriedenheit sind vorbei. Es wird nicht mehr nur davor gewarnt, dass China zu viele kritische Rohstoffe kontrollieren könnte, sondern man bemüht sich, es den Chinesen gleich zu tun und sich ebenfalls den Zugriff auf gute Projekte in Afrika und Südamerika zu sichern. Auch administrativ ändert sich derzeit einiges.

Das Gesetz der Europäischen Union über kritische Rohstoffe und das Abkommen zwischen der EU und den USA über kritische Mineralien zielen beispielsweise darauf ab, die Versorgung zu diversifizieren, die langen Genehmigungsverfahren zu straffen und die Produktion im Inland bzw. innerhalb von befreundeten Staaten zu fördern. Um dies zu erreichen und mehr Unabhängigkeit von China zu erlangen, werden neue Finanzmittel bereitgestellt, steuerliche Anreize gegeben und Genehmigungsverfahren beschleunigt.

Die Europäische Union stellt Mittel in Höhe von schätzungsweise 22,5 Milliarden Euro zur Verfügung, um 47 Rohstoffprojekte, die als „strategisch“ eingestuft werden, in den nächsten Jahren in Produktion zu bringen. In den USA geht die Regierung unter Donald Trump den gleichen Weg. Auch hier werden Projekte inzwischen schneller genehmigt und das Verteidigungsministerium nimmt viel Geld in die Hand, um die Versorgung der US-Rüstungsunternehmen mit Antimon und den Seltenen Erden sicherzustellen.

Die Zeit drängt, denn die Nachfrage ist hoch und steigt weiter an

Der sich verschärfende geopolitische Wettbewerb um die endliche Mineralvorkommen vollzieht sich jedoch in einer Zeit, die von einer steigenden Nachfrage gekennzeichnet ist. Die hohe Nachfrage und das neu entfachte geopolitische Ringen wirken damit gleichzeitig auf die Preisfindung ein, was mittel- bis langfristig zu weiter steigenden Preisen führen sollte.

So geht die Internationale Energieagentur inzwischen davon aus, dass sich der Markt der für die Energiewende wichtigen Mineralien in den nächsten fünf Jahren verdoppeln wird. Für das Lithium wird sogar eine Verdreifachung des heutigen Bedarfs erwartet. S&P Global warnt davor, dass die Kupfernachfrage bis zum Jahr 2040 verglichen mit dem heutigen Niveau um etwa 50 Prozent höher sein könnte.

2040 ist dabei aus Sicht des Bergbaus nicht mehr weit weg, denn um eine kleinere oder mittelgroße Mine in Betrieb zu nehmen sind heute bereits 15 Jahre notwendig. Bei größeren Projekten steigt der Zeitbedarf leicht auf 20 bis 25 Jahre an. Wer als Anleger von diesem Trend profitieren möchte, der wirft deshalb heute schon einen intensiven Blick auf die möglichen Produzenten von morgen.