Kann das Gold die hohen Staatsschulden bezahlen?

Viele wissen um die hohen Goldbestände der Deutschen Bundesbank und den noch weit aus größeren Goldbesitz der USA. Sie sehen das Gold, sie sehen die extrem hohen Staatsschulden und stellen sich zwangsläufig die Frage, ob es möglich ist den staatlichen Schuldenberg ganz oder zumindest in großen Teilen abzutragen, indem man das Staatsgold am Markt verkauft.

An dieser Stelle lohnt ein Blick auf die vielen Rechenspiele, die unter den Goldanlegern kursieren. Die USA besitzen mit 261,5 Millionen Unzen, rund 8.133 Tonnen, den größten Goldschatz der Welt. In den Büchern steht er mit dem 1971 gesetzlich fixierten Preis von 42,22 Dollar je Unze. Alle Unzen zusammen kommen so auf einen Gegenwert von gut elf Milliarden US-Dollar. Zum aktuellen Marktpreis von etwa 4.130 US-Dollar ist dieses Gold jedoch gut 1,08 Billionen US-Dollar wert, das entspricht 2,7 Prozent der Staatsschulden.

Würde man den Preis per Dekret auf 20.000 US-Dollar anheben, ergäbe die Rechnung gut fünf Billionen, also etwa 13 Prozent der Schulden. Rechnerisch könnte man auf diese Art und Weise zwar das Verhältnis des Goldbesitzes zu den Schulen spürbar verbessern. Doch eine vollständige Rückzahlung der Schulden durch das Gold ist ebenso illusorisch wie der Versuch, das angeschlagene Vertrauen in die US-Währung wieder zu stärken.

Denn auch eine Deckung von 13 oder vielleicht sogar 20 Prozent ist am Ende immer noch eine vergleichsweise schwache Deckung, wenn ihr die Sorge gegenübersteht, dass die immensen Schulden nicht mehr zurückgezahlt werden können. Zudem handelte es sich um buchhalterisch geschaffenes Geld, das die Defizite der kommenden Jahre nicht beseitigt.

Gold schützt und bewahrt auch ohne Zinsen abzuwerfen

Befürworter sehen im Gold eine Versicherung gegen eine schleichende Entwertung: Wo Schulden nicht zurückgezahlt werden können, wirkt die Inflation wie ein stiller Schuldenschnitt. Tatsächlich ist die weltweite Schuldenquote seit dem Höchststand von Anfang 2021 um rund 25 Prozentpunkte gesunken, aber laut IIF geschah dies vor allem deshalb, weil die Inflation die Wirtschaftsleistung vor allem in den Preisen aufgebläht hat.

Gold gleicht im Lauf der Zeit diesen Kaufkraftverlust wieder aus und schützt damit langfristig vor Inflation und Kaufkraftverlust. Gegen eine einfache Gleichung spricht allerdings der Preisverlauf. Gold erreichte Ende Januar mit rund 5.590 US-Dollar einen Rekord und kostet jetzt etwa ein Viertel weniger. Dieser Wertverlust hat viele Anleger irritiert.

Im Hintergrund standen die gestiegenen Zinsen vor allem in den USA aber auch in Europa. Die Realzinsen in Europa sind nach wie vor negativ. Aber in den USA sind sie gestiegen und die Rendite zehnjähriger inflationsgeschützter US-Anleihen lag zuletzt bei 2,9 Prozent und damit nahe dem Rekord aus dem Jahr 2008. Da das Gold keine Zinsen zahlt, wird sein Halten bei hohen Realzinsen teurer.

Die weltweite Verschuldung liegt aktuell bei 365 Billionen US-Dollar. Ihr steht weltweit ein Goldvorrat gegenüber, der insgesamt lediglich einen Wert von rund 29 Billionen US-Dollar darstellt. Oder anders ausgedrückt: Das Gold könnte sich im Preis über Nacht verzehnfachen, doch sein Wert würde anschließend immer noch nicht ausreichen, um alle Schulden zu tilgen.

Damit wird deutlich: Gold ist kein Zahlungsmittel für Staatsschulden. Aber es ist ein Gradmesser für das Vertrauen in Schuldner. Dass Zentralbanken es in Rekordmengen kaufen, sagt somit etwas über die Sorgen der Profis. Es sagt allerdings nichts darüber aus, ob der Goldpreis morgen steigen oder fallen wird.