Seit dem 28. Februar 2026 befinden sich die USA und Israel in einem offenen Krieg mit dem Iran. Mit Überraschungsangriffen auf mehrere Städte und Anlagen töteten sie den Obersten Führer Ali Chamenei und weitere hochrangige Regierungsvertreter. Doch anders als im Zwölftagekrieg vom Juni 2025, der mit einer Waffenruhe endete, fehlen dieses Mal jedoch klare diplomatische Auswege. Der Krieg droht sich deshalb zu einem offenen Zermürbungskonflikt auszuweiten. Zwei Szenarien stehen dabei einander gegenüber.
Mehrere Faktoren sprechen dafür, dass der Konflikt zeitnah eingedämmt werden könnte. Erstens ist Irans militärische Schlagkraft erheblich geschwächt. Trotz milliardenschwerer Investitionen war das iranische Militär in kurzen Konfrontationen im April und Oktober 2024 sowie im Zwölftagekrieg 2025 vollkommen chancenlos. Das Land ist israelischen und amerikanischen Luftangriffen deshalb heute weitgehend schutzlos ausgeliefert.
Ein weiterer Grund, der für ein schnelles Ende des Krieges spricht, ist, dass der Konflikt massiv auf den US-Ressourcen lastet. Der Politikwissenschaftler Frank Sauer wies auf den hohen Verbrauch amerikanischer Raketen hin und schätzte, dass im US-Arsenal noch rund 2.000 Patriot-Abfangraketen verfügbar seien. Bei dem hohen Tempo, mit dem diese Raketen aktuell verbraucht werden, drohen binnen Wochen Engpässe.
Als dritter Grund, der für ein rasches Kriegsende spricht, sind die hohen finanziellen Kosten anzuführen. Allein die ersten 100 Stunden der Operation kosteten die USA rund 3,7 Milliarden US-Dollar. Diese Ausgaben sind größtenteils nicht im Haushalt eingeplant. Der Krieg destabilisiert zudem die Weltwirtschaft dramatisch, was auch die Börsen weltweit unter Druck setzt und Experten eine globale Rezession befürchten lässt. Dies ist ein Umstand, der Washington und seine Verbündete zu einem raschen Ende drängen könnte.
Den Iran hingegen schwächen nicht nur die massive Luftschläge. Auch die innenpolitischen Proteste destabilisieren das Regime von innen. Die Demonstrationen gegen die Regierung wurden zu den größten seit der Revolution 1979, was die Handlungsfähigkeit der Führung in Teheran weiter einschränkt.
Aber was, wenn der Wille zum Frieden dauerhaft fehlt?
Mindestens ebenso viele Faktoren deuten jedoch darauf hin, dass ein schnelles Ende illusorisch sein könnte. Das entscheidende Problem ist das Fehlen eines Verhandlungsrahmens. Der Enthauptungsschlag gegen Irans Führung hat die früheren Regeln des Konflikts zerstört und jeden diplomatischen Ausweg blockiert. Der Iran hat seitdem die Angriffe auf neun Länder ausgeweitet. Seine Raketen trafen und treffen noch immer US-Stützpunkte und die zivile Infrastruktur in allen Golfstaaten.
Hinzu kommt die Kontrolle der Straße von Hormus durch den Iran. Mit ihrer Sperrung setzt die Führung in Teheran vor allem auf wirtschaftlichen Druck über den Ölmarkt, und die Straße von Hormus gilt hierbei als der entscheidende Hebel. Als Folge der Unpassierbarkeit der Meerenge ist der Ölpreis zeitweise auf 115 US-Dollar pro Barrel gestiegen.
Auch das Atomprogramm bleibt ein ungelöster Kern des Konflikts. Die meisten Fachleute gehen davon aus, dass die Zerstörungen das iranische Atomprogramm nur um ein bis zwei Jahre zurückgeworfen haben. Das heißt, ohne weitere Angriffe könnte sich der Iran schon in der zweiten Jahreshälfte 2026 erneut dem Bau einer Atombombe zuwenden.
Schließlich zeigt sich die iranische Machtstruktur trotz allem als sehr widerstandsfähig. Innerhalb der Machtelite und ihrer Basis in den Revolutionsgarden, den Basij-Milizen und den Geheimdiensten gibt es aktuell keine Anzeichen für Brüche. Solange dieser Komplex einig und entschlossen bleibt, wird er in der Lage sein, den Widerstand fortzuführen.
Der Irankrieg 2026 ist damit ein Konflikt, dessen Ende weder militärisch noch diplomatisch klar absehbar ist. Die wirtschaftlichen und militärischen Kosten drängen auf ein rasches Ende. Doch das Fehlen von Verhandlungskanälen und die Entschlossenheit beider Seiten sprechen für einen langen, zermürbenden Krieg mit ungewissem Ausgang.