Diese Steuererleichterung zeigt, wie viele Menschen von der EZB leichtfertig zur Altersarmut verdammt werden

Im vergangenen Jahr hat die Ampel-Regierung ihren Koalitionsvertrag ausgehandelt und in diesem festgelegt, dass der jährliche Sparerfreibetrag auf Zinseinnahmen, Aktiendividenden und Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren von derzeit 801 Euro für Ledige zum 1. Januar 2023 auf zukünftig 1.000 Euro erhöht werden soll. Für Verheiratete gilt weiterhin der doppelte Satz, sodass die Freibeträge von derzeit 1.602 Euro auf zukünftig 2.000 Euro ansteigen werden.

In der Zwischenzeit liegen Berechnungen vor, was diese Steuersenkung kosten und wie viele Steuerzahler von ihr profitieren werden. Das Ergebnis ist durchaus mager und weist auf einige der Probleme im Land. Beginnen wir mit den Kosten für den Staat. Sie werden vom Bundesfinanzministerium im ersten Jahr auf 320 Millionen Euro taxiert.

Auf den Bund werden dabei Steuermindereinnahmen von 160 Millionen Euro zukommen. Weitere 140 Millionen Euro werden den Ländern und 20 Millionen den Städten und Gemeinden fehlen. Das klingt im ersten Augenblick nach viel Geld, ist aber im Gesamtkontext der Ausgaben dennoch wenig.

Nur 4,7 Millionen Steuerzahler profitieren und …

Ausgesprochen gering ist auch die Zahl der zu erwarteten Begünstigten. Sie wird vom Bundesfinanzministerium mit lediglich 4,7 Millionen Steuerzahlern angegeben. Diese geringe Zahl im Vergleich zu den 83,2 Millionen Einwohnern, die alle, wenn sie über Kapitaleinkünfte verfügen, potentielle Steuerzahler sind, lässt aufhorchen. Leicht kann der Eindruck entstehen, dass es sich bei der geplanten Änderung nur um eine weitere Begünstigung für besonderes reiche Bürger handelt.

So naheliegend dieser Eindruck ist, so unzutreffend ist er zugleich, denn er lässt unberücksichtigt, dass die Regelung dank der jahrelangen Zinspolitik der Europäischen Zentralbank fast nur noch die Aktienbesitzer treffen kann, denn positive Zinserträge gibt es in der Eurozone so gut wie nicht mehr. Wer sie erzielt und in seiner Steuererklärung anzugeben hat, ist entweder in hochgefährliche Ramschanleihen investiert oder bezieht Dividenden von Bayer, BMW und Co.

In früheren Jahren war das anders. Damals wurden auch die Sparbücher noch ordentlich verzinst und selbst auf so manchem Girokonto zahlte die Hausbank einen kleinen Zins von 0,5 Prozent auf die Einlagen. So kamen auch kleinere Leute schnell in die Verlegenheit, ihren Sparerpauschbetrag ausgeschöpft zu haben.

78,5 Millionen Bundesbürger haben ein gewaltiges Problem

Das zum 1. Januar 2023 nur noch 4,7 Millionen deutsche Steuerzahler von der Neuregelung profitieren werden, zeigt damit zum einen, wie niedrig in Deutschland immer noch die Aktienquote ist, und es zeigt zum anderen, wie groß die Gefahr einer zukünftigen Altersarmut ist. Diese zu vermeiden, ist schon mit Aktien und ihren mehr oder weniger hohen Dividenden eine Herausforderung.

Wer allerdings keine Aktien hat und auf dem Sparbuch und bei Staatsanleihen sogar mit negativen Zinsen beglückt und gleichzeitig von einer Inflationsrate von über sieben Prozent zerrissen wird, der steht bezüglich seines finanziellen Überlebens im Alter nicht nur vor einer Herausforderung, sondern vor einem fast unlösbaren Problem.