Der Westen sieht das Problem, ist aber ratlos

Der US-Dollar droht seinen Status als Weltreservewährung zu verlieren, während gleichzeitig der chinesische Yuan und das Gold an Bedeutung gewinnen. Den westlichen Notenbanken ist diese Entwicklung natürlich nicht verborgen geblieben. Echte Lösungsansätze für diese Herausforderung haben die Zentralbanken in Japan, Europa und den USA aber derzeit nicht zu bieten.

Christine Lagarde, die Chefin der Europäischen Zentralbank, erklärte beispielsweise: „Die Fragmentierung der internationalen Währungsordnung ist eine Realität, die wir nicht ignorieren können.“ Sie zieht aus dieser Erkenntnis den Schluss, dass auch Europa seinen Platz innerhalb der neuen Währungsordnung finden muss: „Der Euro muss seine Rolle als glaubwürdige Alternative stärken.“

Auch Jerome Powell, der Vorsitzende der mächtigen US-Notenbank, ist sich des Problems und seiner Tragweite nur zu bewusst. „Der Dollar bleibt die dominante Reservewährung, aber wir beobachten die strukturellen Veränderungen im internationalen Zahlungsverkehr mit Sorge“, erklärte er. In Klartext übersetzt ist insbesondere die Aussage des FED-Vorsitzenden, Jerome Powell, das Eingeständnis, dass man das Problem zwar sehr wohl sieht, aber immer noch ratlos ist, wie man ihm denn nun am besten begegnen soll.

Die Notenbanken des globalen Südens haben hingegen ein klares Ziel vor Augen

Ganz anders ist hingegen die Situation im globalen Süden. Insbesondere die BRICS-Staaten machen keinen Hehl daraus, dass sie die Dominanz des US-Dollars beenden und zu einer multipolaren Finanzordnung übergehen wollen. Pan Gongsheng, ein Gouverneur der Peoples Bank of China, erklärte beispielsweise, dass die Internationalisierung des Yuans ein natürlicher Prozess sei, der Chinas wirtschaftliche Rolle und die Bedürfnisse des Welthandels getrieben sei.

Noch deutlicher wurde Elvira Nabiullina, die Chefin der russischen Zentralbank. Sie erklärte, die Sanktionen im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine hätten bewiesen, dass die Abhängigkeit von den westlichen Zahlungssystemen ein strategisches Risiko darstellt. Die Beseitigung dieses strategischen Risikos hat deshalb oberste Priorität. Oder wie Elvira Nabiullina es ausdrückte: „Unsere De-Dollarisierung ist irreversibel.“

In klares Deutsch übertragen heißt dies, Länder wie China und Russland kennen nicht nur das Problem, sie arbeiten auch bereits mit Nachdruck an seiner Lösung. Besonders verstörend für den Westen ist dabei, dass die BRICS-Staaten nicht nur intensiv an der Lösung des Problems arbeiten, sondern sie wissen auch, dass ihre Lösung funktionieren wird und welche langfristigen Konsequenzen dies für den US-Dollar haben wird.

Während die Masse der Amerikaner noch schläft und alten Großmachtträumen nachhängt, ziehen weitsichtige Hedgefondsmanager wie Ray Dalio von Bridgewater Associates bereits die Konsequenzen: „Wir befinden uns in einem klassischen Muster des Niedergangs einer Reservewährung. Es folgt historischen Mustern: Überschuldung, Gelddrucken, Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und schließlich Währungsverschiebung. Der Dollar ist in Phase drei von fünf.“