Die jüngste INSA-Umfrage im Auftrag der „BILD“ wirft ein ernüchterndes Licht auf die Stimmung im Land – und zwar weniger als Abrechnung mit einer einzelnen Regierung, sondern als generelles Misstrauensvotum gegenüber der politischen Führung insgesamt. Knapp ein Jahr nach dem Regierungswechsel zeigt sich: Weder die aktuelle noch die vorherige Bundesregierung kann die Bürger mehrheitlich überzeugen.
Zwischen dem 13. und 16. Februar 2026 wurden 1.001 Wahlberechtigte befragt. Im direkten Vergleich attestieren lediglich 22 Prozent der Befragten Bundeskanzler Friedrich Merz eine bessere Arbeit als seinem Vorgänger Olaf Scholz. 35 Prozent halten hingegen Scholz für den besseren Regierungschef. Ein weiteres Drittel erkennt keinen nennenswerten Unterschied zwischen beiden Amtszeiten. Gerade dieser letzte Wert dürfte politisch besonders schwer wiegen: Wenn ein Drittel der Bevölkerung keinen Unterschied zwischen zwei inhaltlich unterschiedlich angetretenen Regierungen wahrnimmt, spricht das für eine tiefe Enttäuschung über die politische Gesamtentwicklung.
Scholz beliebter als Merz!?
Dabei ist bemerkenswert, dass Scholz’ Amtszeit im Herbst 2024 mit historisch schlechten Zufriedenheitswerten endete – nur noch 14 Prozent der Deutschen waren damals mit seiner Regierung zufrieden. Dass sich nun dennoch ein signifikanter Teil der Befragten positiver an diese Phase erinnert, lässt weniger auf eine nachträgliche Verklärung schließen als auf Unzufriedenheit mit der aktuellen Lage. Offenbar sind viele Bürger nicht überzeugt, dass der versprochene Politikwechsel tatsächlich stattgefunden hat.
Ein differenzierter Blick auf die Ministerien verstärkt diesen Eindruck. In mehreren Ressorts schneiden frühere Amtsinhaber besser ab als ihre Nachfolger. So wird Robert Habeck von 27 Prozent der Befragten als besserer Wirtschaftsminister bewertet als Katherina Reiche (19 Prozent). Auch Hubertus Heil liegt im Arbeitsressort mit 24 Prozent vor Bärbel Bas (14 Prozent). Karl Lauterbach erreicht im Gesundheitsvergleich 23 Prozent gegenüber 17 Prozent für Nina Warken. Selbst Christian Lindner kommt im Duell mit Lars Klingbeil auf einen knappen Vorsprung von 24 zu 22 Prozent.
Zwei Ausnahmen stechen hervor: Im Innenministerium liegt Alexander Dobrindt mit 25 zu 20 Prozent vor Nancy Faeser, und im Auswärtigen Amt erreicht Johann Wadephul 29 Prozent gegenüber 19 Prozent für Annalena Baerbock. Hier scheint der Wechsel tatsächlich als Verbesserung wahrgenommen zu werden.
Insgesamt zeichnet die Umfrage weniger ein Bild von „Ampel-Nostalgie“ als von einer verbreiteten Skepsis gegenüber der politischen Klasse. Die Daten deuten darauf hin, dass viele Bürger das Gefühl haben, zentrale Probleme – wirtschaftliche Stagnation, soziale Unsicherheit, internationale Herausforderungen – blieben unabhängig vom Regierungslager ungelöst. Gewinner dieser Entwicklung ist bislang niemand.