Die Preisentwicklung in Deutschland bleibt ein Dauerproblem – trotz gegenteiliger Beteuerungen aus Politik und Finanzwelt. Während offiziell von „Normalisierung“ gesprochen wird, erleben viele Menschen im Alltag etwas völlig anderes. Die Inflation ist nicht verschwunden, sie hat sich vielmehr festgesetzt. Monat für Monat liegen die Teuerungsraten oberhalb dessen, was früher als stabil galt. Die Zahl von gut zwei Prozent mag technisch unspektakulär klingen, doch sie verdeckt, wie stark die reale Kaufkraft in den vergangenen Jahren ausgehöhlt wurde.
Wahrnehmung und Statistik klaffen auseinander
Besonders auffällig ist die enorme Lücke zwischen amtlichen Messungen und dem Empfinden der Bevölkerung. Viele Bürger gehen davon aus, dass die Preise sehr viel stärker gestiegen sind, als es die Statistik ausweist. Dieser Eindruck kommt nicht von ungefähr. Wer regelmäßig einkauft, vergleicht nicht abstrakte Warenkörbe, sondern konkrete Rechnungen. Gerade bei Lebensmitteln zeigt sich die Teuerung besonders deutlich – und sie betrifft genau jene Güter, denen man kaum ausweichen kann.
Ein Blick auf typische Produkte genügt: Obst, Kaffee, Fleisch oder Süßwaren haben sich innerhalb kurzer Zeit massiv verteuert. Für Familien und Menschen mit niedrigem oder mittlerem Einkommen summieren sich diese Preissteigerungen zu einem spürbaren Einschnitt. Einzelne Preisrückgänge bei ausgewählten Produkten wirken dabei wie Tropfen auf den heißen Stein. Sie ändern nichts daran, dass der Wocheneinkauf heute deutlich mehr kostet als noch vor wenigen Jahren.
Neben Lebensmitteln ziehen auch Dienstleistungen kräftig an. Restaurantbesuche, Versicherungen, Reisen oder Mobilität werden zunehmend teurer. Begründet wird dies häufig mit höheren Löhnen und Personalmangel. Faktisch aber verstärken diese Preissteigerungen das Gefühl, dass fast jeder Lebensbereich teurer geworden ist – unabhängig davon, ob die eigene Einkommenssituation Schritt halten kann.
Auch führende Stimmen aus der Wirtschaft räumen ein, dass der Rückgang der Inflation langsamer verläuft als erhofft. Joachim Nagel sprach zuletzt von einer zähen Entwicklung. Prognosen, etwa vom ifo Institut, gehen weiterhin von Inflationsraten oberhalb der Zielmarke aus. Eine echte Rückkehr zur Preisstabilität ist damit nicht in Sicht.
Unterm Strich bleibt für viele Haushalte das Gefühl, dass ihr Geld immer weniger wert ist. Die Inflation mag statistisch gezähmt erscheinen – im Alltag ist sie es noch lange nicht.