Die Energiemärkte in Europa reagierten zu Wochenbeginn mit massiven Preissprüngen auf neue Entwicklungen im Nahen Osten. Auslöser war ein Drohnenangriff auf eine zentrale Flüssigerdgasanlage in Katar. In der Folge sprang der europäische Referenzpreis am niederländischen TTF Handelsplatz zeitweise um bis zu 45 % nach oben und erreichte rund 46 Euro je Megawattstunde. Der abrupte Anstieg verdeutlicht, wie empfindlich das System auf Störungen bei einzelnen Lieferquellen reagiert.
Im Zentrum steht das North Field Gasfeld in Katar, das als größte LNG Quelle weltweit gilt. Der staatliche Konzern QatarEnergy stoppte nach dem Angriff die gesamte Produktion. Angaben zum Ausmaß möglicher Schäden an der Ras Laffan Anlage liegen bislang nicht vor. Fest steht jedoch, dass Katar zu den wichtigsten LNG Exporteuren zählt. Nach den USA und Australien rangiert das Land auf Platz drei. Zwischen 12 % und 14 % der europäischen LNG Importe stammen aus Katar. Seit dem Wegfall großer Teile russischer Pipeline Lieferungen gewann dieser Bezugskanal stark an Gewicht.
LNG hat aktuell keine positiven Auswirkungen!
Zusätzlich verschärft sich die Lage auf den Transportwegen. Die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Anteil des globalen Öl und LNG Handels läuft, geriet in den Fokus, nachdem der Iran den Schiffsverkehr dort einschränkte. Berichte sprechen von deutlich reduziertem Tankerverkehr. Reedereien kalkulieren hohe Risiken, da Versicherer ihre Deckung für Fahrten im Persischen Golf teilweise aussetzen. Mehr als die Hälfte der großen Schiffsversicherer will keine Kriegsrisiken mehr absichern. Ohne Versicherungsschutz unterbleiben viele Transporte.
Für Deutschland entsteht daraus eine heikle Situation. Die Gasspeicher in der EU liegen aktuell unter 30 %. In Deutschland beträgt der Füllstand lediglich 20,5 %, Frankreich erreicht rund 21 %. Diese Werte gelten zum Ende der Heizperiode als niedrig. Jeder Ausfall zusätzlicher Liefermengen erhöht damit den Druck auf Beschaffung und Preisbildung. Der jüngste Preissprung am TTF zeigt, wie schnell sich die Kostenbasis verändern kann, sobald ein zentraler Lieferant ausfällt und gleichzeitig ein Engpass bei den Transportwegen droht.