Deutschland mit weniger Gas: Der geniale Katar-Deal von Habeck

Als Deutschland im Frühjahr 2022 fieberhaft nach neuen Energiequellen suchte, wurde die Reise von Robert Habeck nach Katar als mutiger Schritt verkauft – als diplomatischer Kraftakt in einer historischen Ausnahmesituation. Die Botschaft war klar: Deutschland handelt, Deutschland sichert seine Energiezukunft, Deutschland macht sich unabhängig. Zwei Jahre später wirkt diese Erzählung wie ein sorgfältig inszeniertes Bühnenstück, dessen Kulissen inzwischen bröckeln.

Denn jenseits der Fotos, Händedrucke und wohlformulierten Absichtserklärungen ist von der viel beschworenen Energiepartnerschaft kaum etwas übriggeblieben. Katar liefert kein LNG nach Deutschland, langfristige Lieferverträge existieren nicht, und die erhoffte strategische Absicherung ist ausgeblieben. Was bleibt, ist ein politisches Narrativ, das mehr Hoffnung als Ergebnis produziert hat.

Doch kein Gas

Besonders irritierend ist dabei die Argumentation aus dem Wirtschaftsministerium. Man verweist auf Marktmechanismen, auf die Verantwortung von Unternehmen, auf die globale Verfügbarkeit von Flüssiggas. Das klingt sachlich, fast technokratisch – blendet aber die politische Realität aus. Wenn der Staat zentrale Energieunternehmen kontrolliert, wenn er milliardenschwere Rettungspakete schnürt und Infrastruktur beschleunigt durchwinkt, dann kann er sich nicht gleichzeitig hinter der Rolle des neutralen Beobachters verstecken.

Währenddessen mahnt die Bundesnetzagentur zur Vorsicht, die Speicherstände sinken, und Verbraucher wie Industrie bleiben in Unsicherheit zurück. Die Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und praktischer Wirkung wird immer offensichtlicher. Statt greifbarer Entlastung erleben viele Bürger eine Politik der Vertröstung – mit Verweisen auf langfristige Transformation, Nachhaltigkeitsdialoge und internationale Workshops.
Niemand bestreitet die Bedeutung von Klimaschutz oder den Wert internationaler Kooperation. Doch in einer akuten Versorgungskrise erwarten Menschen Lösungen, keine PowerPoint-Präsentationen. Die Katar-Reise hätte ein Baustein realer Energiesicherheit sein können. Heute steht sie sinnbildlich für ein Regierungsverständnis, das Symbolik mit Substanz verwechselt.

Am Ende bleibt die unbequeme Frage: Wie glaubwürdig ist eine Energiepolitik, die große Versprechen macht, aber kaum messbare Resultate liefert? Solange darauf keine überzeugende Antwort folgt, wird das Vertrauen weiter schwinden – ganz unabhängig davon, wie viele Workshops noch organisiert werden.