Die finanzielle Lage zahlreicher Städte und Kreise hat sich im Jahr 2025 deutlich zugespitzt und wirkt bis in das Jahr 2026 hinein fort. Das Defizit von 31,9 Milliarden Euro steht dabei nicht isoliert, sondern ist Ausdruck einer Entwicklung, die sich über Jahre aufgebaut hat. Viele Kommunen stehen inzwischen vor der Herausforderung, ihre Haushalte überhaupt noch genehmigungsfähig aufzustellen.
Kommunen teils wie pleite!
Im Kreis Siegen-Wittgenstein ist diese Entwicklung Ende März konkret sichtbar geworden. Der Kreistag hat den Haushalt für 2026 abgelehnt, nachdem sich die Finanzierungslücke nicht mehr schließen ließ. Der Landrat hat daraufhin erklärt, dass ab dem darauffolgenden Montag laufende Verpflichtungen nicht mehr vollständig bedient werden könnten. Geplant waren Ausgaben von 648 Millionen Euro bei Einnahmen von 642 Millionen Euro. Eine Erhöhung der Umlage von 36 auf nahezu 42 Prozent hätte die kreisangehörigen Kommunen zusätzlich belastet. Gleichzeitig haben steigende Umlagen, zusätzliche Sozialausgaben sowie geringere Zuweisungen die Situation weiter verschärft.
Die gesamtwirtschaftlichen Daten bestätigen diese Entwicklung. Die kommunalen Ausgaben sind im Jahr 2025 auf 423,3 Milliarden Euro gestiegen. Dem steht ein Einnahmenwachstum von 4,1 Prozent gegenüber, während die Ausgaben um 5,6 Prozent zugenommen haben. Ein Anteil von 7,5 Prozent der Ausgaben ist nicht gedeckt gewesen. Parallel dazu hat sich die kurzfristige Verschuldung erhöht, erkennbar an einem Anstieg der Kassenkredite um 16,5 Prozent. Besonders ins Gewicht fallen Sozialleistungen in Höhe von 90 Milliarden Euro sowie Personalkosten von 113,4 Milliarden Euro.
Auch andere Städte haben vergleichbare Entwicklungen verzeichnet. In Karlsruhe hat ein Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen um mehr als 51 Millionen Euro unmittelbare Einsparmaßnahmen ausgelöst. Dresden hat für 2026 mit einer Verschlechterung des Ergebnisses um 144 Millionen Euro gerechnet und Einsparungen von 38 Millionen Euro vorgesehen, ohne das Defizit vollständig ausgleichen zu können. Chemnitz hat Maßnahmen umgesetzt, um 23 Millionen Euro einzusparen, während gleichzeitig ein strukturelles Minus von 100 Millionen Euro besteht. Weitere Regionen berichten ebenfalls von erheblichen Finanzierungslücken.
Die Auswirkungen sind in vielen Kommunen bereits spürbar. Investitionen werden verschoben, Projekte verzögert und freiwillige Leistungen eingeschränkt. Gleichzeitig verweisen kommunale Vertreter auf ein strukturelles Ungleichgewicht zwischen Aufgaben und Einnahmen, das sich unter den bestehenden Rahmenbedingungen weiter verschärft.