Ein einzelner Tankvorgang am vergangenen Sonntag in Eschborn liefert ein eindrückliches Bild der aktuellen Entwicklung: An einer AVIA-Station wurden für Super E5 3,06 Euro pro Liter verlangt, während Diesel sogar bei 3,16 Euro lag. Damit wurde erstmals die Marke von 3 Euro sichtbar überschritten. Für viele Autofahrer bedeutete das eine neue Dimension der Kostenbelastung im Alltag.
Parallel dazu hat sich seit dem 1. April eine neue Regelung auf den Markt ausgewirkt. Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich anheben, und zwar exakt um 12 Uhr. Preissenkungen bleiben weiterhin jederzeit möglich. Diese Struktur hat jedoch eine spürbare Verschiebung im Tagesverlauf erzeugt: Der Zeitpunkt der Anpassung konzentriert sich nun auf einen festen Moment, während tatsächliche Reduzierungen kaum sichtbar sind.
Regierung hilflos
Die Entwicklung lässt sich auch an den Durchschnittswerten ablesen. Bundesweit lag der Preis für Super zuletzt bei 2,30 Euro pro Liter, während Diesel im Schnitt 2,49 Euro kostete. Noch am 29. März waren es 2,12 Euro für Super und 2,27 Euro für Diesel gewesen. Innerhalb weniger Tage ergibt sich damit ein Anstieg von nahezu 20 Cent pro Liter.
Neben den Marktmechanismen spielt auch die steuerliche Struktur eine entscheidende Rolle. Ein erheblicher Anteil des Endpreises entfällt auf staatliche Abgaben. Bei E10-Benzin beträgt dieser Anteil rund 55 %, bei Diesel etwa 44 %. Diese Zusammensetzung führt dazu, dass steigende Preise automatisch höhere Einnahmen generieren. Für den März wird ein zusätzlicher Umsatzsteuerertrag von bis zu 320 Millionen Euro genannt, verglichen mit einem Szenario auf Basis niedrigerer Preise.
Ohne diesen Steueranteil läge das Preisniveau deutlich niedriger. Schätzungen gehen davon aus, dass sich der Literpreis dann in einer Spanne zwischen 1,40 Euro und 1,50 Euro bewegen würde. Ein Vergleich mit anderen Ländern verdeutlicht die Unterschiede zusätzlich: In Österreich lag der Dieselpreis zuletzt bei etwa 1,60 Euro, während Super in Polen bei rund 1,44 Euro notierte.