Grönland: EU würde uach Deutschland verpflichten!

Die Auseinandersetzung um Grönland entwickelt sich zunehmend von einer diplomatischen Irritation zu einer handfesten sicherheitspolitischen Belastungsprobe für Europa. Während US-Präsident Donald Trump unbeirrt an seinem Anspruch auf die arktische Insel festhält, zieht die Europäische Union nun erstmals eine klare sicherheitspolitische Linie. Brüssel macht deutlich: Sollte es zu einem bewaffneten Angriff auf Grönland kommen, könnte Dänemark die militärische Unterstützung sämtlicher EU-Mitgliedstaaten verlangen – auch die Deutschlands.

Die EU verlässt die Grauzone

Über Monate hinweg hatten sich europäische Vertreter um eine eindeutige Position gedrückt. Nun hat eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas unmissverständlich klargestellt, dass Grönland trotz seines Sonderstatus unter den Schutzmechanismus der Europäischen Union fällt. Entscheidend ist dabei nicht die frühere Entscheidung der Grönländer, die Europäische Gemeinschaft zu verlassen, sondern die Tatsache, dass die Insel weiterhin Teil des Königreichs Dänemark ist. Damit gilt Grönland völkerrechtlich als Hoheitsgebiet eines EU-Mitgliedstaates.

Besonders brisant ist die rechtliche Tragweite dieser Festlegung. Die Beistandsklausel des EU-Vertrags verpflichtet die Mitgliedstaaten zu umfassender Hilfe im Angriffsfall. Anders als bei der NATO gibt es hier keinen politischen Interpretationsspielraum. Für Kopenhagen ist das von enormer Bedeutung, denn ein Konflikt mit Washington ließe sich über das NATO-Bündnis kaum regeln – die USA wären dort zugleich Partei und Entscheidungsträger.

Die jüngsten diplomatischen Gespräche zwischen dänischen, grönländischen und amerikanischen Vertretern endeten ohne Annäherung. Von „grundlegenden Differenzen“ war die Rede – ein diplomatischer Ausdruck für festgefahrene Fronten. Trump bleibt bei seiner Linie und verweist auf strategische und sicherheitspolitische Interessen, die aus seiner Sicht weder durch bestehende Bündnisse noch durch Kooperationen ausreichend abgesichert seien.

Mit der neuen Klarstellung stellt sich die EU erstmals offen hinter Dänemark und Grönland. Damit wird deutlich, wie ernst die Lage inzwischen eingeschätzt wird. Was lange als rhetorisches Muskelspiel galt, zwingt Europa nun, sich mit einem Szenario auseinanderzusetzen, das man bisher für undenkbar hielt: einem sicherheitspolitischen Konflikt mit dem eigenen transatlantischen Partner. Grönland ist damit nicht mehr nur eine entfernte Eislandschaft, sondern zum Symbol einer tiefen strategischen Verschiebung geworden.