Debatte zwischen CNN-Moderatorin und Kennedy über Berichterstattung eskaliert

Eigentlich sollte das Interview aktuelle Fragen zur Masernlage in den USA behandeln. Am Ende dominierte jedoch ein anderes Thema: die Rolle der Medien während der Corona-Pandemie.

In der CNN-Sendung State of the Union traf Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. auf Moderatorin Dana Bash. Ausgangspunkt des Gesprächs waren die Masernausbrüche in mehreren US-Bundesstaaten. Bash forderte Kennedy mehrfach auf, Eltern zur Impfung ihrer Kinder aufzurufen. Der Minister kam dieser Aufforderung nach und sprach sich vor laufender Kamera für Impfungen aus.

Damit war das Thema für die Moderatorin allerdings nicht beendet.

Sie griff anschließend frühere Aussagen Kennedys auf, in denen dieser die Corona-Politik der ersten Trump-Regierung kritisiert hatte. Dabei ging es insbesondere um die Lockdowns und die damalige Rolle des ehemaligen Präsidenten Donald Trump. Bash hielt Kennedy entgegen, letztlich habe Trump als Präsident die politische Verantwortung getragen. Kennedy widersprach dieser Darstellung. Nach seiner Auffassung habe Trump auf ein Ende der Lockdowns gedrängt, während maßgebliche Gesundheitsberater eine andere Linie verfolgt hätten.

Im weiteren Verlauf verlagerte sich die Diskussion zunehmend auf die Berichterstattung während der Pandemie.

Auslöser war der Vorwurf der Moderatorin, Kennedy trage mit seinen öffentlichen Äußerungen zu einer wachsenden Impfskepsis bei. Der Gesundheitsminister reagierte darauf mit einer grundsätzlichen Gegenfrage. Er wollte wissen, ob Journalisten in erster Linie den Auftrag hätten, Skepsis gegenüber Impfungen zu bekämpfen oder die Bevölkerung möglichst umfassend über den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu informieren.

Dana Bash entgegnete, genau darin bestehe die Aufgabe des Journalismus. Sie verwies darauf, dass Impfungen zu den am intensivsten untersuchten medizinischen Themen gehörten. Kennedy hielt dagegen, seiner Ansicht nach würden viele Medien wissenschaftliche Aussagen übernehmen, ohne sich mit den zugrunde liegenden Studien auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang warf er der Moderatorin vor, Positionen lediglich zu wiederholen, anstatt sie kritisch zu hinterfragen.

An diesem Punkt verließ das Gespräch endgültig den ursprünglichen Anlass.

Im Mittelpunkt stand nun die Frage, wie Medien während der Corona-Pandemie mit wissenschaftlichen Einschätzungen und Regierungsvertretern umgegangen sind. Kennedy kritisierte, zahlreiche Redaktionen hätten die Aussagen offizieller Experten weitgehend übernommen und abweichende Positionen kaum zugelassen. Aus seiner Sicht hätten spätere Erkenntnisse gezeigt, dass einzelne Aussagen aus der Pandemiezeit – etwa zu Masken, natürlicher Immunität oder anderen Aspekten der Pandemiebekämpfung – inzwischen differenzierter bewertet würden.

Die Moderatorin hielt dagegen, dass sich wissenschaftliche Erkenntnisse im Verlauf einer Pandemie weiterentwickeln könnten und Entscheidungen stets auf dem damaligen Wissensstand beruhten.

Damit entwickelte sich das Interview zu einer grundsätzlichen Diskussion über den Umgang mit wissenschaftlicher Unsicherheit, die Rolle staatlicher Experten und die Verantwortung journalistischer Berichterstattung in Krisenzeiten. Das eigentliche Thema der Sendung – die Masernausbrüche – rückte dagegen zunehmend in den Hintergrund.