Die aktuellen Entwicklungen rund um die Energieversorgung rücken ein zentrales Risiko der Weltwirtschaft erneut in den Fokus. Auf einer Tagung des Internationalen Währungsfonds machte Weltbankpräsident Ajay Banga deutlich, dass selbst eine Entspannung der Lage keine schnelle wirtschaftliche Erholung garantieren würde. Seine Einschätzung basiert auf der Annahme, dass die Folgen der jüngsten Eskalation deutlich länger nachwirken als das eigentliche Ereignis.
Im Mittelpunkt steht eine der wichtigsten Transportrouten für Energie. Etwa 20 Prozent des global gehandelten Erdöls passieren täglich die Straße von Hormus. Wird dieser Korridor gestört, betrifft das nicht nur einzelne Regionen, sondern nahezu alle energieabhängigen Volkswirtschaften. Steigende Preise für Rohstoffe wirken sich unmittelbar auf Produktion, Transport und letztlich auch auf Konsum aus. Die Auswirkungen verteilen sich dabei über zahlreiche Branchen hinweg.
Das kann dauern
Banga betont, dass selbst nach einer möglichen Wiederaufnahme des Verkehrs durch die Meerenge keine unmittelbare Rückkehr zur Ausgangslage zu erwarten sei. Die wirtschaftlichen Abläufe müssten sich erst neu einpendeln, was nach seiner Einschätzung mehrere Monate in Anspruch nehmen dürfte. In dieser Zeit könnten betroffene Länder mit instabilen Rahmenbedingungen konfrontiert bleiben.
Um auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet zu sein, hat die Weltbank ein gestuftes Unterstützungskonzept entwickelt. Bereits kurzfristig stehen Mittel in einer Größenordnung von 20 bis 25 Milliarden Dollar zur Verfügung, die ohne zusätzliche Verfahren aktiviert werden können. Sollte sich die Situation über fünf bis sechs Monate hinziehen, lässt sich dieses Volumen auf etwa 60 Milliarden Dollar ausweiten. Für einen längeren Zeitraum von bis zu 15 Monaten sieht das Konzept eine weitere Aufstockung auf bis zu 100 Milliarden Dollar vor.
Diese Dimensionen verdeutlichen die Einschätzung der Lage. Während der Covid-19-Pandemie belief sich der Einsatz der Weltbank auf rund 70 Milliarden Dollar. Die aktuelle Planung liegt deutlich darüber und signalisiert eine entsprechend hohe Risikobewertung.
Inhaltlich setzt Banga klare Prioritäten. Staaten sollten sich zunächst auf die Eindämmung von Preissteigerungen konzentrieren, bevor sie Maßnahmen zur Wachstumsförderung in den Vordergrund stellen. Hintergrund ist die Erwartung, dass steigende Energiekosten unmittelbar auf die Inflation wirken und damit die wirtschaftliche Stabilität gefährden können.