Die Lage auf dem deutschen Wohnungsmarkt hat sich bis Ende 2024 weiter zugespitzt und erreicht inzwischen eine Dimension, die sich kaum noch relativieren lässt. Nach den vorliegenden Berechnungen fehlten zu diesem Zeitpunkt rund 1,4 Millionen Wohnungen. Diese Zahl steht nicht für eine kurzfristige Delle, sondern für ein strukturelles Defizit, das sich über Jahre aufgebaut hat und nun offen zutage tritt.
Die Analyse macht deutlich, dass Angebot und Bedarf immer weiter auseinanderdriften. Während der Bedarf an Wohnraum kontinuierlich wächst, bleibt die Neubautätigkeit deutlich zurück. Für die kommenden Jahre wird lediglich mit etwa 200.000 neu errichteten Wohnungen pro Jahr gerechnet. Damit entsteht nur rund die Hälfte dessen, was rechnerisch notwendig wäre, um die bestehende Lücke zu schließen oder zumindest nicht weiter anwachsen zu lassen. Die Folge ist eine dauerhafte Verknappung, die den Markt zunehmend unter Druck setzt.
Diese Entwicklung beschränkt sich längst nicht mehr auf einzelne Großstädte. Zwar zeigen die bevölkerungsreichen Bundesländer besonders hohe absolute Fehlzahlen, doch auch mittelgroße Städte und ländliche Regionen geraten zunehmend in den Sog steigender Mieten und sinkender Verfügbarkeit. Nordrhein-Westfalen verzeichnet mit mehreren hunderttausend fehlenden Wohnungen den höchsten Wert, gefolgt von Bayern. Bis zum Jahr 2030 summiert sich der rechnerische Bedarf auf bis zu 2,4 Millionen zusätzliche Wohneinheiten.
Ob die Politik dies in den Griff bekommt?
Der Wohnungsmangel wirkt dabei weit über den Wohnungsmarkt hinaus. Unternehmen finden immer schwerer Personal, wenn neue Beschäftigte keinen bezahlbaren Wohnraum finden. Die angestrebte Zuwanderung von Fachkräften stößt an praktische Grenzen, sobald Wohnen zur kaum lösbaren Hürde wird. Damit verstärkt der Wohnraummangel die ohnehin bestehende Wachstumsschwäche.
Besonders deutlich zeigen sich die sozialen Folgen. Junge Menschen stehen am Beginn ihres Berufslebens vor einem verschlossenen Markt und verbleiben notgedrungen länger im Elternhaus. Ältere Menschen geraten nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben unter finanziellen Druck und müssen ihre vertrauten Wohnviertel verlassen. Ganze Lebensentwürfe geraten dadurch ins Wanken.
Die Ursachen liegen in einer Kombination aus hohen Baukosten, langwierigen Genehmigungsverfahren und politischen Rahmenbedingungen, die Investitionen erschweren. Der Mangel an Wohnraum ist damit weniger ein überraschendes Ereignis als das Ergebnis jahrelanger Untätigkeit. Ohne grundlegende Veränderungen droht sich diese Entwicklung weiter zu verfestigen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zusätzlich zu belasten.