China arbeitet wieder an seiner Drohkulisse gegenüber Taiwan

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Die chinesische Marine hat in den letzten Wochen im südchinesischen Meer wieder Manöver abgehalten und dabei Raketen in Richtung Taiwan abgeschlossen. Dieses Vorgehen ist nicht neu. Schon seit Jahren versucht die Volksrepublik mit dieser Form der militärischen Einschüchterung, Druck auf die Regierung in Taipeh auszuüben.

Geändert hat sich in den letzten Jahren ein wenig der Charakter dieser Manöver. Lag bei früheren Übungen der Schwerpunkt noch auf einer amphibischen Anlandung von Truppen, werden in den neueren Manövern vorwiegend Taktiken geübt, die auf eine Blockade der Insel hinauslaufen. Dieser Strategiewechsel überrascht nicht, denn eine Landung auf Taiwan ist für die Volksbefreiungsarmee alles andere als ein Spaziergang.

Als historisches Vorbild könnten die Landungen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg dienen, vor allem jene vom 6. Juni 1944 in der Normandie. Doch die Ausgangslage war damals eine ganz andere. Der Weg der Alliierten über den Kanal war anders als am Pas de Calais zwar deutlich länger, aber im Vergleich zur Entfernung Taiwans vom chinesischen Festland immer noch ein „Katzensprung“.

Taiwans Geographie lässt Chinas Generälen nicht viele Möglichkeiten

Die deutsche Seite war 1944 mit der Notwendigkeit konfrontiert, eine extrem lange Küstenlinie mit sehr vielen potentiellen Landungsmöglichkeiten verteidigen zu müssen. Entsprechend zersplittert waren die der Wehrmacht zur Verfügung stehenden Truppen. Dieses Problem wird die taiwanesische Armee nicht haben, denn die Geographie der Insel erlaubt Landungen von See her nur an einigen wenigen Stränden.

Auf sie und ihre Verteidigung kann sich der taiwanesische Generalstab bei der Planung seiner Abwehr konzentrieren. Hinzu kommt, dass die Flotte der Volksrepublik, obwohl sie inzwischen zahlenmäßig die größte der Welt darstellt, nur in der Lage ist, in der ersten Welle 25.000 Mann in Taiwan anzulanden. Danach müssen die Schiffe kehrt machen, um mit einer zweiten Welle zurückkehren zu können.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass es auf dem Transport, während der Anlandung und auch während der Rückfahrt keine Verluste gibt, wird die zweite Welle deutlich weniger als die 25.000 Mann der ersten Welle umfassen, da zusätzlich zur zweiten Welle auch der Nachschub für die bereits angelandete erste Welle transportiert werden muss.

Ist China bereit, diesen hohen Preis zu bezahlen?

Eine Anlandung ganz ohne Verluste ist allerdings sehr unwahrscheinlich und der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, dass es einem zahlenmäßig weit unterlegenen Gegner dennoch gut möglich ist, den Angreifer im Zaum zu halten, wenn dieser auf gut vorbereitete Stellungen trifft und der Nachschub empfindlich gestört werden kann. Beides sollte den Taiwanesen möglich sein.

Für eine amphibische Invasion könnte das Reich der Mitte daher militärisch, politisch und auch wirtschaftlich einen sehr hohen Preis bezahlen. Er könnte selbst für ein Land wie China, in dem ein einzelnes Leben nicht allzu viel zählt, viel zu hoch sein. Von daher ist naheliegend, dass eine Invasion Taiwans nicht mehr das bevorzugte Szenario der Volksbefreiungsarme darstellt.