Das Silber hat seine im Oktober gestartete Korrektur wesentlich schneller beendet als das Gold. Es konnte deshalb auch deutlich früher als der große Bruder an seine früheren Allzeithochs vordringen und diese überwinden. Dies ist allerdings nicht die einzige Auffälligkeit, die die Edelmetalle in den letzten Wochen des Jahres 2025 für uns bereit hielten.
Eine weitere Auffälligkeit dürfte gerade von vielen Privatanlegern übersehen worden sein: Die Menge des Silbers, das an den Terminmärkten gekauft und physisch geliefert werden soll, hat sich im Vergleich zu den Vormonaten drastisch erhöht und bewegt sich derzeit auf einem Niveau, das um den Faktor zwei über dem „normalen“ Niveau liegt, das an der COMEX in New York oder der LMBA in London zur Auslieferung angemeldet wird.
Wichtige Signale!
Diese Beobachtung ist um so bemerkenswerter als sie mit neuen Allzeithochs einhergeht. Normalerweise schrecken hohe Preise die Käufer tendenziell ab. Wer nicht unbedingt kaufen muss, der verschiebt seinen Kauf in die Zukunft in der Hoffnung, dann wieder etwas günstigere Kaufpreise für sich realisieren zu können.
Beim Silber agieren die Käufer aktuell jedoch genau entgegengesetzt. Obwohl die Preise nahe am Allzeithoch liegen bzw. ständig neue Rekorde ausgebildet werden, liegt auch der Wunsch, das gekaufte Silber geliefert zu bekommen, auf einem ungewöhnlich hohem Niveau. An den Terminmärkten, an denen wesentlich mehr Papiersilber als echtes Silber gehandelt wird, war es früher üblich, dass sich die Spekulanten ihre Gewinne auszahlen lassen und nicht auf einer physischen Auslieferung der gekauften Ware bestehen.
Schon Tage vor dem finalen Termin, an dem Auslieferungswünsche der COMEX angezeigt werden müssen, verzeichnete die Börse in der Woche vor Weihnachten eine Rekordzahl von 11.578 Lieferanzeigen. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Lieferwünsche damit um 100 Prozent an. Die Käufer machten damit zwei Aspekte deutlich. Auf ihrer persönlichen Ebene zeigten sie, dass sie Barren, also echtes Silber, und kein Geld erhalten wollen.
Auf der Ebene der Terminbörsen machen sie deutlich, wie begrenzt das noch zur Verfügung stehende echte Silberangebot bereits ist. Die Lagerbestände waren schon vor dem Auslaufen des Dezemberkontrakts äußerst niedrig und sie sinken mit jeder neuen Auslieferungsanfrage immer weiter ab.
Silber, das kurzfristig geliefert werden muss, ist derzeit teurer als Silber mit längeren Lieferfristen. Der Fachausdruck für diese ungewöhnliche Situation an den Terminmärkten ist Backwardation. Die übergeordnete Bedeutung ist, dass der Markt mit diesem Ausnahmezustand andeutet, wie gespannt und explosiv die Lage beim Silber derzeit ist. Daran dürfte sich auch in den ersten Wochen des neuen Jahres zunächst nicht viel ändern.