Der Fall Jeffrey Epstein zieht weiterhin Kreise bis in die obersten Etagen internationaler Organisationen. Nun trifft es mit Børge Brende den Präsidenten und CEO des Weltwirtschaftsforums. Der langjährige norwegische Spitzenpolitiker, der das Treffen der politischen und wirtschaftlichen Elite in Davos maßgeblich mitgestaltete, erklärte seinen Rücktritt. Offiziell spricht das Forum von einem Schritt aus eigenem Entschluss, Alois Zwinggi übernimmt interimistisch die Führung. Brende selbst dankte für die Zusammenarbeit der vergangenen Jahre und erklärte, der Zeitpunkt sei gekommen, damit das Forum seine Arbeit ohne Ablenkung fortsetzen könne.
Er schont die eigene Organisation!
Auslöser sind Details, die im Rahmen einer internen Überprüfung publik wurden. Demnach nahm Brende an mehreren Abendessen mit Jeffrey Epstein teil. Zudem tauschten beide zwischen 2018 und 2019 E Mails und Textnachrichten aus. In einer Nachricht aus dem April 2018 schrieb Brende „Missing you, Sir. Borge.“ Diese Formulierung sorgt für Irritationen, weil sie deutlich über eine formale Anrede hinausgeht und ein persönliches Verhältnis nahelegt.
Brende hatte zuvor betont, er habe keine Kenntnis von Epsteins krimineller Vergangenheit gehabt. Diese Darstellung steht im Kontrast zu öffentlich zugänglichen Informationen. Epstein wurde 2006 in Florida festgenommen und bekannte sich 2008 in zwei Fällen der Prostitution schuldig, darunter in einem Fall mit minderjährigem Opfer. Die Verurteilung und die anschließende Debatte waren international Thema.
Der Rücktritt des WEF Chefs verdeutlicht, wie stark die Affäre weiterhin nachwirkt. Kontakte zu Epstein, selbst wenn sie als geschäftlich deklariert werden, entfalten Jahre später politische Sprengkraft. Für das Weltwirtschaftsforum bedeutet der personelle Wechsel eine Zäsur in einer Phase, in der Transparenz und Glaubwürdigkeit besonders sensibel wahrgenommen werden.