Nun will auch die Türkei einen Flugzeugträger bauen

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Besitz von Schlachtschiffen gleichbedeutend mit dem Anspruch, eine international agierende Seemacht zu sein. In den Seeschlachten des Zweiten Weltkriegs verlor das Schlachtschiff seine dominierende Stellung jedoch an den Flugzeugträger. Er gilt seitdem als das Symbol für eine global agierende Seemacht.

Flugzeugträger sind nicht nur kostspielig, sondern auch herausfordernd in Planung, Bau, Betrieb und Wartung. Länder, die einen Flugzeugträger unterhalten und diesen auch regelmäßig auf den Weltmeeren einsetzen, dokumentieren damit nicht nur ihren maritimen Anspruch, eine Seemacht zu sein, sondern betonen gleichzeitig auch ihre technologische Kompetenz und ihre wirtschaftliche Macht.

Ein Flugzeugträger ist zwar eine beeindruckende Waffenplattform mit weitreichenden Möglichkeiten, er ist aber zugleich auch ein sehr verwundbares Schiff, das durch Torpedos oder Marschflugkörper leicht beschädigt und möglicherweise sogar versenkt werden kann. Es reicht damit nicht aus, nur einen Flugzeugträger zu bauen und diesen unterhalten, sondern um ihn herum muss eine Kampfgruppe konzipiert werden, die in der Lage ist, U-Boote zu bekämpfen und Raketenangriffe auf den Träger abzuwehren.

Eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen

Die Entscheidung, einen Flugzeugträger zu bauen, hat damit eine enorme Tragweite, denn sie bindet nicht nur auf Dauer große personelle, wirtschaftliche und finanzielle Ressourcen, sondern ist auch politisch heikel, denn kann der Anspruch, eine international bedeutende Seemacht zu sein, nicht durch eine funktionierende Trägergruppe bestätigt werden, verkehrt sich das angestrebte positive Image schnell in sein Gegenteil.

Russland ist an dieser Stelle unfreiwillig zu einem prominenten Beispiel geworden, denn der einzige Flugzeugträger über den das Land verfügt, fiel in der Vergangenheit vor allem durch seine schlechte Maschinenanlage und lange Werftliegezeiten auf. Hinzu kam, dass der Träger nicht nur mit der obligatorischen Trägerkampfgruppe gesichtet wurde, sondern regelmäßig auch Schlepper die Admiral Kusnezow begleiten. Zusammen mit der schwarz qualmenden Maschine ergab sich so oft nicht das gewünschte Bild maritimer Macht, sondern eher das einer technischen Hilflosigkeit.

Vor kurzem hat Frankreich den Bau eines neuen Trägers bekanntgegeben, aber auch die Türkei hat ihren Hut in den Ring geworfen. Sie arbeitet schon seit Jahren an ihren Plänen für einen eigenen Flugzeugträger. Diese sind in der Zwischenzeit konkretisiert worden. War früher davon ausgegangen worden, dass der türkische Träger mit einer Länge von 260 Meter in etwa so groß werden würde wie die französische Charles de Gaulle, wird nun für ein 300 Meter langes Schiff geplant.

Es würde damit wesentlich größer als die Charles de Gaulle und die britischen Träger der Queen-Elisabeth-Klasse mit 280 Meter Länge und näher an die amerikanischen Superträger heranreichen. Das ist ambitioniert, auch deshalb weil längst noch nicht klar ist, ob die Türkei auch über die nötige Katapulttechnik zum Start der Flugzeuge verfügen wird. Sollte diese Technik nicht im Ausland erworben werden können, müssten die Träger mit einer Startrampe ausgestattet werden, was eine Überarbeitung der Pläne zur Folge hätte.

Letzteres wiegt schwer, denn der Stapellauf – nicht der Baubeginn – soll bereits in den Jahren 2027 oder 2028 erfolgen, was angesichts eines so großen Schiffskörpers in jedem Fall herausfordernd ist.