Viele Zeitgenossen knüpfen ihr Selbstwertgefühl an ihre Produktivität. Das führt dazu, dass Situationen, in denen sie nicht beschäftigt sind, als wertlos und falsch empfunden werden. Die Gefahr, die ein solcher Lebensentwurf mit sich bringt, ist ein Raubbau an unserer Gesundheit, sowohl an der körperlichen wie auch unserer mentalen Gesundheit.
In den USA durchgeführte Forschungen zeigen, dass viele Workaholics sich zunächst glücklich fühlen, wenn sie die ganze Zeit beschäftigt sind. Ihr Gehirn schüttet Dopamin aus und dies sorgt zunächst für ein Gefühl des Glücks und der Leichtigkeit. Dopamin verstärkt dadurch die Tätigkeiten, die wir gerade ausführen.
Das Problem dabei ist jedoch, dass sich das Dopamin nicht um die Tätigkeit kümmert, die wir gerade ausführen. Deshalb werden gute wie schlechte Tätigkeiten gleichermaßen mit einem guten Gefühl belohnt. Dieses fühlt sich gut an und verleitet uns dazu, die Tätigkeit, die der Dopamin-Ausschüttung vorangegangen ist, immer wieder auszuführen, um den Dopamin-Kick erneut zu erleben.
Aus echtem Interesse wird Sucht nach Dopamin
Die Sucht, erneut eine kräftige Ausschüttung von Dopamin zu erleben, führt bei vielen Workaholics dazu, dass sich die Motivation zur Arbeit nach und nach wandelt. Stand am Beginn noch echtes Interesse im Vordergrund, wird ab einem gewissen Punkt nur noch der Druck als Druck angestrebt, weil der Körper gelernt hat, dass in diesen Situationen das Dopamin nicht mehr lange auf sich warten lässt.
Der Schaden, der durch einen solchen Lebens- und Arbeitsstil langfristig angerichtet wird, ist erheblich. In Polen begleiteten Forscher über zehn Jahre hinweg die Arbeitsweise von 500 Fachkräften aus der Mittelschicht. Sie fanden heraus, dass die Studienteilnehmer, die eine schlechte Work-Life-Balance hatten, auch eine schlechtere geistige und körperliche Gesundheit aufwiesen.
Studien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigen diesen Befund. Berufstätige mit 55 und mehr Wochenstunden haben ein höheres Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Viel Stress, langes Sitzen, wenig bzw. schlechter Schlaf und weniger Zeit für gesunde Gewohnheiten sind ein Mix, der für ein schwaches Herz leicht zu einem perfekten Sturm werden kann.
In kleinen Schritten zu einem neuen Lebens- und Arbeitsstil
Wer es nicht bis zum Äußersten kommen lassen will, sollte sich mehr Zeit zum Ausruhen und für sich selbst nehmen. Ohne dieses Gegengewicht steigt ansonsten das Risiko für Angstzustände, Depressionen und sogar chronische Krankheiten wie Herzerkrankungen oder Demenz deutlich an.
Den ungesunden Kreislauf von jetzt auf gleich zu verlassen, dürfte für viele Betroffen schwierig, wenn nicht gar unmöglich sein. Die Lösung besteht deshalb darin, die Wende in kleinen, überschaubaren Schritten zu vollziehen. Wichtig ist dabei, dass der ungesunde Kreislauf immer öfter durchbrochen und verlassen wird. Diese Durchbrechungen sollten am besten körperlicher wie geistiger Natur sein.
Es hilft also nicht nur, immer wieder kleine Pausen einzulegen, sondern in diesen Pausen sollte auch das neue Lebensgefühl gestärkt werden. So wird die eigene Wertschätzung nicht mehr durch das „was tue ich“, sondern immer mehr durch das „wer bin ich“ ersetzt. Mit kleinen Schritten anzufangen, ein paar Dehnübungen oder einen kurzen Spaziergang zu machen, hilft bereits. Nicht zu unterschätzen ist auch die soziale Komponente. Wer mehr Zeit mit Gleichgesinnten verbringt, stärkt die gesunden Aktivitäten und unterbricht die schlechten Gewohnheiten.