Die große Macht des Neins und was wir daraus lernen können

Es ist nun schon über zehn Jahre her, dass streikende Konsumenten einen großen internationalen Konzern in die Knie zwangen und zu einem Umdenken bewogen. Sie erinnern sich vielleicht noch: Der Shell-Konzern hatte eine Ölplattform in der Nordsee stillgelegt und wollte diese im Meer versenken, weil ihre Entsorgung an Land zu aufwendig und zu teuer sei.

Umweltschützer rebellierten gegen diesen Plan und forderten die Autofahrer auf, aus Protest nicht mehr bei Shell zu tanken. Nicht nur in Deutschland folgten viele diesem Aufruf und tankten in den nächsten Wochen nicht mehr bei Shell, sondern bei der gleich teuren und in der Regel nicht weit entfernten Konkurrenz.

Möglich wurde dieser Konsumentenstreik auch deshalb, weil das verkaufte Produkt relativ gut austauschbar war und der Streik für die Autofahrer weder zeitlich noch finanziell einen deutlichen Mehraufwand verursachte. Für den einzelnen Kunden bedeutete die Entscheidung nicht viel, für Shell waren die Auswirkungen dagegen verheerend.

Ein einzelner Verbraucher bewirkt nur wenig, die Masse hingegen viel

Allein sind die Verbraucher schwach, doch als Masse ein ernstzunehmender Faktor. Dieser Macht sind sich die Verbraucher allerdings viel zu wenig bewusst. Sie wissen nicht, welches scharfe Schwert sie tatsächlich in ihren Händen halten. Doch dass Shell damals nachgab und die Ölplattform am Ende doch an Land entsorgte, obwohl das zuvor als unmöglich bezeichnet worden war, beweist, wie stark die vielen kleinen Verbraucher sind, wenn sie sich zusammenschließen und ihre Aktionen bündeln.

Dass diese Macht auch heute noch gegeben ist und in der gleichen Weise wirkt, zeigt erneut der Shell-Konzern. Sein Vorstandsvorsitzender Ben van Beurden entschuldigte sich in dieser Woche dafür, dass Shell nach dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine in der letzten Woche noch eine Tankerladung mit russischem Erdöl gekauft hatte.

Die Gewinne, die Shell aus diesem Geschäft machen wird, sollen deshalb jetzt für humanitäre Zwecke gespendet werden. Anders als bei der Ölplattform hatte Shell den Druck und das Missfallen der Öffentlichkeit nur verbal gespürt und besorgt um sein Image umgehend reagiert.

Es wird Zeit für den Aufstand der Massen durch ein gemeinsames Nein

Solange diese Beispiele nur Einzelfälle sind und bleiben werden, können die Konzerne die Verbraucher nach Belieben manipulieren und dahin steuern, wo sie sie haben möchten. Sollten die Verbraucher hingegen endlich aufwachen und all die Aktivitäten nicht mehr mit Käufen unterstützen, die sie nicht wünschen, könnte sehr schnell wieder Bewegung in so mache festgefahren Situation kommen.

Das fängt beim Ausspähen von persönlichen Daten auf dem Handy an, macht an den Corona-Maßnahmen nicht Halt und endet ganz bestimmt nicht beim Bargeld, dessen Freiheit man uns mehr und mehr nehmen will.