Die aktuellen Entwicklungen im Markt für Flüssigerdgas zeigen, wie stark globale Ereignisse die Energieversorgung in Europa beeinflussen können. Im Mittelpunkt steht eine bedeutende Produktionsanlage im katarischen Ras Laffan, die rund 20 % der weltweiten LNG-Mengen bereitstellt. Nach schweren Schäden infolge militärischer Angriffe kam es unmittelbar zu spürbaren Marktreaktionen. Die Preise für Erdgas stiegen zeitweise um bis zu 35 % und näherten sich der Marke von 70 Euro je Megawattstunde. Damit lag das Preisniveau deutlich über dem Stand vor Beginn der jüngsten Eskalation.
Auslöser der Situation ist eine Kettenreaktion militärischer Ereignisse im Nahen Osten. Nach einem Angriff auf das Gasfeld South Pars folgte eine Gegenreaktion, die sich gegen zentrale Energieinfrastruktur in Katar richtete. Die Verflechtung dieser Regionen ist besonders kritisch, da South Pars gemeinsam mit dem North-Dome-Feld zu den größten Gasvorkommen weltweit gehört. Eingriffe in diese Strukturen wirken sich unmittelbar auf das globale Angebot aus.
Schwierige Lage!
Für Europa entsteht daraus eine schwierige Ausgangslage, da die Speicherstände ohnehin niedrig sind. Aktuell liegt der Füllstand der europäischen Gasspeicher bei etwa 29 %, während Deutschland nur rund 21 % erreicht. Das entspricht dem niedrigsten Wert für diesen Zeitpunkt seit 2018. Gleichzeitig steigt der Bedarf zur Vorbereitung auf die kommende Heizperiode erheblich. Schätzungen zufolge müssen etwa 67 Milliarden Kubikmeter Gas beschafft werden, was rund 700 LNG-Lieferungen entspricht. Die Kosten für diese Beschaffung haben sich deutlich erhöht und liegen inzwischen bei etwa 34,5 Milliarden Euro.
Ein zusätzlicher Faktor ist der globale Wettbewerb um LNG-Lieferungen. Da Flüssigerdgas flexibel transportiert werden kann, entscheiden häufig Preisunterschiede über die Lieferziele. In der aktuellen Situation zahlt der asiatische Markt höhere Preise, wodurch ursprünglich für Europa bestimmte Lieferungen umgeleitet werden. Dieses Verhalten verschärft die Versorgungslage zusätzlich.
Auch langfristige Lieferverträge geraten unter Druck. Deutschland hatte Vereinbarungen getroffen, nach denen ab 2026 jährlich bis zu zwei Millionen Tonnen LNG aus Katar geliefert werden sollten. Durch die Schäden an der Produktionsinfrastruktur ist jedoch unklar, ob diese Mengen wie geplant zur Verfügung stehen werden. Experten halten sogar mehrmonatige oder längerfristige Ausfälle für möglich.