Die Energiepolitik in Deutschland steht erneut unter Druck, obwohl nach den Turbulenzen des Jahres 2022 eigentlich mehr Planungssicherheit erwartet wurde. Offiziell wird betont, die Versorgung mit Erdgas sei aktuell gewährleistet. Gleichzeitig weisen Betreiber von Gasspeichern auf Entwicklungen hin, die über den kommenden Winter hinaus Risiken erkennen lassen.
Der Verband der Speicherunternehmen, organisiert in der Initiative Energien Speichern, hat in einer aktuellen Einschätzung darauf hingewiesen, dass insbesondere die Heizperiode 2026/27 problematisch werden könnte. Auslöser sind internationale Spannungen, die den globalen Handel mit Flüssigerdgas beeinflussen. Durch die Unterbrechung wichtiger Lieferketten und Produktionsausfälle bei großen Exporteuren sind relevante Mengen am Markt entfallen.
Relevante Mengen am Markt sollen entfallen – für Europa
Die Konsequenz zeigt sich unmittelbar im Wettbewerb um verfügbare Lieferungen. Europa konkurriert zunehmend mit asiatischen Abnehmern, die teilweise höhere Preise akzeptieren. In mehreren Fällen wurden bereits Transportrouten angepasst, weil Anbieter ihre Lieferungen in lukrativere Märkte umleiten. Diese Entwicklung verschärft den Druck auf die Beschaffung.
Zusätzlich verändert sich die Preisstruktur auf ungewöhnliche Weise. Üblicherweise wird Gas in wärmeren Monaten günstiger eingekauft, gespeichert und später mit Aufschlag verkauft. Aktuell ist diese Logik teilweise außer Kraft gesetzt, da zukünftige Lieferungen preislich unter den aktuellen Einkaufskosten liegen. Für Unternehmen entsteht dadurch ein Anreizproblem, da das Einspeichern wirtschaftlich unattraktiv wird.
Vor diesem Hintergrund wird die Forderung nach einer staatlich organisierten Reserve laut. Diskutiert wird ein Volumen von etwa 78 Terawattstunden, das kurzfristige Ausfälle im Import über mehrere Monate abfedern könnte. Solche Maßnahmen würden jedoch zusätzliche Kosten verursachen, die letztlich auf Verbraucher oder den Staatshaushalt zurückfallen könnten.
Das Bundeswirtschaftsministerium verweist auf Fortschritte beim Ausbau von Importkapazitäten, etwa durch neue LNG-Terminals und alternative Lieferbeziehungen. Gleichzeitig wird geprüft, ob ergänzende Instrumente zur Absicherung notwendig sind. Die bestehenden Regelungen zur Befüllung der Speicher stehen dabei ebenfalls zur Diskussion, da ihre aktuelle Laufzeit begrenzt ist.