E-Fahrzeug-Desaster: Stellantis!

Der Autokonzern Stellantis erlebt derzeit einen der tiefgreifendsten Einschnitte seiner noch jungen Unternehmensgeschichte. Was sich bislang hinter optimistischen Zukunftsprognosen verborgen hatte, tritt nun offen zutage: Die ambitionierte Elektrostrategie des Konzerns erweist sich als finanzielles und strategisches Fehlkalkül. Abschreibungen in zweistelliger Milliardenhöhe, eine gestrichene Dividende und ein dramatischer Kursverfall der Aktie markieren einen Wendepunkt, der kaum drastischer ausfallen könnte. Der Versuch, sich an die Spitze der Elektromobilität zu setzen, endet vorerst in einer ernüchternden Realität.

Späte Ehrlichkeit aus der Konzernspitze

Bemerkenswert ist vor allem die Offenheit, mit der Konzernchef Antonio Filosa das Scheitern zentraler Annahmen einräumt. Der Konzern habe Tempo und Akzeptanz der Elektromobilität überschätzt und dabei den tatsächlichen Bedarf vieler Kunden aus dem Blick verloren. Diese Einsicht kommt spät, wirkt aber umso schwerer. Denn sie legt offen, dass strategische Entscheidungen weniger von Marktbeobachtung als von politischen und gesellschaftlichen Erwartungen geprägt waren. Gleichzeitig distanziert sich Filosa deutlich von der operativen Linie seines Vorgängers Carlos Tavares, ohne jedoch die kollektive Verantwortung der Branche auszusparen.

Wenn Milliardenwerte praktisch wertlos werden

Wie drastisch die Lage ist, zeigt ein einzelner Vorgang besonders eindrücklich: Der Verkauf eines Anteils an einem nordamerikanischen Batteriewerk für einen symbolischen Betrag. Investitionen in Milliardenhöhe verlieren damit faktisch ihren Wert. Dieses Geschäft steht sinnbildlich für eine Strategie, die unter veränderten Marktbedingungen nicht mehr tragfähig ist und nun mit Verlusten abgewickelt wird.

Rückbesinnung auf Nachfrage statt Dogma

Parallel dazu korrigiert der Konzern sein Produktportfolio spürbar. Elektroprojekte werden gestrichen oder verschoben, während bewährte Antriebskonzepte wieder an Bedeutung gewinnen. Selbst Marken wie Opel, die sich früh auf einen radikalen Elektrofahrplan festgelegt hatten, nehmen Abstand von fixen Ausstiegsdaten. Statt technologischem Idealismus rückt nun wieder die Frage in den Vordergrund, was Kunden tatsächlich kaufen wollen.

Zwei Kontinente, zwei Realitäten

Auffällig ist zudem die geografische Neuausrichtung. Während in Europa Kapazitäten reduziert werden, fließen Milliardeninvestitionen in den US-Markt, begleitet von tausenden neuen Arbeitsplätzen. Der Konzern folgt damit klaren wirtschaftlichen Anreizen und politischen Rahmenbedingungen – ein Kontrast, der für den europäischen Industriestandort unangenehme Fragen aufwirft.

Ein Signal über den Einzelfall hinaus

Stellantis ist kein Sonderfall. Der Rückzug aus überzogenen Elektroplänen zeigt sich branchenweit. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass technologische Transformation ohne Marktakzeptanz und wirtschaftliche Vernunft nicht funktioniert. Der aktuelle Kurswechsel ist weniger ein Rückschritt als vielmehr der Versuch, wieder Bodenhaftung zu gewinnen.