in Wissenschaft

Eine chinesisch-amerikanische Forschergruppe stellte jetzt eine Studie vor, wonach Künstliche Intelligenz (KI) künftig in der Kinder-, Jugend- und sogar Erwachsenenmedizin eingesetzt werden könnte. Im Vergleich schnitt der Computer hier besser ab als junge Ärzte.

Diagnose vom Computer: künstliche Intelligenz macht’s möglich

Der chinesische Mediziner Kang Zhang von der Guangzhou Medical University stellte die Ergebnisse einer Studie mit mehreren Forschern im Fachjournal „Nature Medicine“ vor. Es war eine chinesisch-amerikanische Zusammenarbeit zur Ermittlung des Einsatzes von Systemen basierenden auf einer künstlichen Intelligenz in der Medizin. Spezifischer in der Diagnostik. Laut Angabe der Forscher konnte ein solches KI-System aufgrund von Daten aus elektronischen Gesundheitsakten und natürlicher Sprache sehr genau feststellen, wo einem jungen Patienten der Schuh drückt.

Im direkten Vergleich schnitt ein solches System gar besser in der Diagnosestellung ab, als junge Kinder- und Jugendärzte. Ist künstliche Intelligenz also der bessere Arzt? Wird unser Nachwuchs bald von Computern untersucht, diagnostiziert und behandelt? Nun, das sollte differenziert betrachtet werden. Immerhin ist es so, dass Systeme basierend auf künstlicher Intelligenz immense Mengen an Daten brauchen um überhaupt Ergebnisse ausspucken zu können.

KI-Systeme in der Medizin vorerst kein Ersatz für den Arzt

Ein Ersatz des Arztes war in der Studie auch nicht untersucht worden. Vielmehr ging es darum, wie solche KI-Systeme Ärzten helfen können. Zum Beispiel beim Bewältigen großer Datenmengen. Oder auch bei der „Unterstützung von Diagnosen von Patienten mit komplexen oder seltenen Erkrankungen.“ Denn bei diesen Krankheiten verfügten viele Mediziner über wenig Erfahrungswissen, heißt es dazu von den Forschern.

Für die Studie wurde die künstliche Intelligenz mit Daten von mehr als 1,3 Millionen Patienten im Alter von 0 bis 18 Jahren gefüttert. Der Schwerpunkt lag hier auf Vorschulkindern und die Daten stammten allesamt aus dem Women and Children’s Medical Center in Guangzhou. Die künstliche Intelligenz bekam dabei alle Daten bis auf die Diagnose des Arztes selbst zugeführt. Aufgrund der hohen Datenmenge konnte das System so sehr genaue Diagnosen stellen.

In einem weiteren Test wurde das System mit 20 Ärzten verglichen. Dabei zeigte sich, dass das System besser Abschnitt als junge Ärzte, jedoch zunehmend schlechtere Werte erzielte, je erfahrener der Arzt wurde. „Es mag sein, dass solche Systeme viel können – doch am Ende muss immer ein Arzt alle Befunde und Ergebnisse beurteilen und die Diagnose stellen“, merkt hierzu Hermann Josef Kahl vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Köln an. Die direkte Begegnung von Arzt und Patient sei nicht zu ersetzen.

Studie zeigt Machbarkeit, aber Ergebisse sind nicht auf Deutschland anwendbar

Wenngleich Kahl hier nicht falsch liegt und selbst die Forscher seine Meinung zu teilen scheinen, darf nicht vergessen werden, dass unsere Forschungen rund um neuronale Netzwerke und künstliche Intelligenz vor allem in der Medizin noch nicht sehr weit sind. Im Januar diesen Jahres wurde, beispielsweise, im „Nature Medicine“ ein KI-System vorgestellt, welches seltene Erbkrankheiten anhand von Porträtbildern von Patienten erkannte. Es half dabei die Zahl der möglichen genetischen Ursachen einzugrenzen. Schnellere Diagnosen waren das Ergebnis.

Jetzt beweist eine Studie bereits den diagnostischen Einsatz eines KI-Systems ohne den Arzt an seiner Seite, wenngleich hier durchaus noch Verbesserungsbedarf besteht, wie sich zeigte. Allerdings ist es nicht an den Haaren herbeigezogen darüber nachzudenken, was in Jahrzehnten an Forschung herauskommen könnte. KI-Systeme werden in vielen Bereichen bereits erfolgreich eingesetzt, teils auch ohne einen Menschen als Prüfinstanz.

Thomas Neumuth von der Universität Leipzig meint jedenfalls, dass die Studie zeige, wie viel „Potenzial von künstlicher Intelligenz zur Entscheidungsunterstützung des Arztes“ ausginge. Dem kann zugestimmt werden, denn das wurde belegt. Allerdings muss angemerkt werden, dass die Studie hauptsächlich mit Daten von Kindern und Jugendlichen arbeitete. Daher ist ein Rückschluss auf andere medizinische Bereiche rein spekulativ. Lorenz Grigull von der Medizinischen Hochschule Hannover merkt zudem an, dass die Ergebnisse nicht auf Deutschland anwendbar wären. Hierzulande wären viele Patientendaten nicht elektronisch gespeichert oder gar systematisiert.

Wir werden also in absehbarer Zukunft weiterhin einen (Kinder-)Arzt zu sehen bekommen, wann immer uns etwas fehlt (oder unserem Nachwuchs). Allerdings schläft die Forschung nicht und künstliche Intelligenz – so macht es den Anschein – hat das Potential auf lange Sicht hin wohl mehr zu werden als reines Hilfsmittel.

Autor: Thomas Schmied

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