Zentralbank-Kryptowährungen: die ersten Experimente

Erst kürzlich wurde bekannt, dass Facebook zusammen mit anderen Unternehmen ein neues Kryptogeld herausgeben möchte. „Libra“ und dementsprechend 2 Milliarden Konten der Nutzer für das neue Geld dürften eine enorme Konkurrenz für die etablierten Zentralbanken darstellen. Die beginnen, sich zu wehren. Derzeit überlegen einige, erste Experimente für eigene Kryptogelder zu etablieren.

Uruguay und Schweden als Vorreiter

In Uruguay etwa möchte die Zentralbank möglichweise den „E-Peso“ herausgeben. Noch ist nicht über eine endgültige Lösung entschieden. In Schweden ist die „Riksbank“ offenbar der Auffassung, mit der „e-Krona“ eine gute Alternative bereitstellen zu können.

Die dahinterliegende Überlegung ist nicht nur technischer Natur, also die Frage, ob das „Geld“ sich einfacher handeln lässt. Die Zentralbanken wollen die Hoheit über die Produktion des Geldes bewahren.

In Uruguay wurde das entsprechende Experiment bereits durchgeführt. Teilnehmer haben sich auf einer Plattform im Internet registriert. Die Plattform emittierte „digitales Zentralbankgeld“. 7 Millionen e-Pesos sind als sogenannter „Token“ herausgegeben worden, der direkt im Zahlungsverkehr eingesetzt werden kann. Dies geschieht über eine App, die etwa auf Smartphones installiert ist. Die Verwender, Unternehmen und Private, konnten maximal 200.000 e-Pesos (ungefähr 7.000 Dollar) bzw. 30.000 e-Pesos (etwa 1.000 Dollar) halten, speichern und tauschen. 2018 wurden die e-Pesos wiederum eingezogen. Das Experiment gilt als „erfolgreich“.

In Schweden soll die Riksbank gleichfalls „digitales Zentralbankgeld“ emittieren. Dies ist „kontenbasiert“ bzw. „wertbasiert“. Das erste System setzt Konten bei der Zentralbank voraus, bei denen die Zahlung dann effektiv über die Konten tatsächlich „abgewickelt“ wird. In einem wertbasierten System werden die Geld“stücke“, also Token, gleich direkt getauscht. Beispielsweise kann dies bei e-Token auch über Smartphones geschehen. Dann kommt es auf das Vertrauen der Beteiligten an bzw. das Überprüfungssystem hinsichtlich der Echtheit des Geldes.

Bei einem „kontenbasierten“ System gibt es einen wesentlichen Vorteil: Die Geldschöpfung durch Kreditvergabe der Geschäftsbanken wäre eingeschränkt. Nicht-Banken würden das Geld von der Zentralbank erhalten und damit zunächst keine weiteren Kredite (durch die Geld entsteht) vergeben. Geschäftsbanken, die im Normalfall die Zahlungsabwicklung übernehmen, vergeben über das Zentralbankgeld in der Regel wiederum Kredite, die sofort die Geldmenge vergrößern.

Insofern könnte es künftig sogar gelingen, die Geldmenge besser zu kontrollieren. Dies würde die Inflationsgefahren mindern. Wichtig wird es jetzt sein, dass das Zentralbankgeld bei kontenbasierten Systemen auch „verzinst“ wird. Dies würde negative Zinsen für kurzfristige Anlagen wie aktuell ermöglichen, womit sich die Geldmenge beeinflussen lässt. Negative Zinsen führen regelmäßig zu einer größeren Kreditvergabe und damit einer größeren Geldmenge.

Die Experimente zeigen zumindest, dass die Zentralbanken nun erst machen. Es wird Kryptogeld von staatlichen Behörden geben. Alles, was Sie wissen müssen – lesen Sie hier.