in Lateinamerika

Von Danilo Valladares

Guatemala-Stadt, 5. November (IPS) – Vom Satellitenfernsehen bis zum Ozeankanal – China baut seine Investitionen in Zentralamerika immer weiter aus. Aus dem Reich der Mitte stammen die innovativsten und größten Projekte in der Region. Investitionen und Exporte in die entgegengesetzte Richtung sind allerdings selten.

Beispiele für chinesisches Kapital sind facettenreich. Im Osten von Honduras baut die staatliche chinesische Firma ‚Sinohydro‘ das Wasserkraftwerk Patuca III mit einer installierten Leistung von 104 Megawatt. Das Projekt kostet 350 Millionen US-Dollar.

Das soll nicht das einzige Großprojekt bleiben. Der honduranische Präsident Porfirio Lobo traf sich im September mit Vertretern der Chinesischen Entwicklungsbank, um über Investitionen in Energie- und Telekommunikationsnetze zu verhandeln.

Wesentlich ambitionierter verhält sich China in Nicaragua. Im Oktober unterschrieb Präsident Daniel Ortega eine Absichtserklärung mit der neu gegründeten ‚HK Nicaragua Canal Development Investment Co.‘ mit Sitz in Hongkong, der der Telekommunikations-Magnat Wang Jing vorsitzt. Ziel ist der Bau eines Kanals zwischen dem Karibischen Meer und dem Pazifischen Ozean, um Transportwege zu verkürzen. Dieser Kanal ist ein lange von der Regierung Nicaraguas gehegter Traum. Das Projekt soll 30 Milliarden US-Dollar kosten. Die Bauphase wird mit zehn Jahren veranschlagt.

Neben dem Kanal, der für Frachtschiffe befahrbar sein soll, hat sich Wang Jing, Präsident der Telekommunikationsfirma ‚Xinwei‘, bereit erklärt, zusätzlich in Frachtzüge zu investieren sowie im nicaraguanischen Monkey Point am Karibischen Meer einen Hafen zu bauen und den existierenden in Corinto am Pazifischen Meer zu sanieren.

Die Regierung verhandelt darüber hinaus mit der ‚China Great Wall Industry Corporation‘ die Übernahme von ‚Nicasat-1‘, einem Satelliten der dritten Generation mit einem Wert von 300 Millionen US-Dollar. Ab 2016 sollen damit moderne Kommunikationsdienste – Internet und digitales Fernsehen – für Nicaragua und die Region möglich sein.

Auch in den übrigen zentralamerikanischen Ländern investiert China in Telekommunikationssysteme, aber auch in Solarenergie und die Ölförderung. Involviert sind Unternehmen wie ‚Huawei‘, ‚die Gruppe ‚Suzhou Guoxin‘ und die ‚China National Petroleum Corporation‘.

Irregularitäten bei Arbeits- und Umweltschutz

Doch neben dem positiven wirtschaftlichen Effekt, den diese Investitionen haben, müssten auch die Konditionen geprüft werden, unter denen sie stattfänden, fordert Jesús Garza von der Vereinigung für Nichtregierungsorganisationen in Honduras, die sich unter anderem für eine nachhaltige industrielle Entwicklung starkmacht.

„Werden die Arbeitsrechte respektiert und die Umweltschutzrichtlinien eingehalten?“

In Honduras beispielsweise hat die Vereinigung ‚Patuca‘ Unregelmäßigkeiten beim Bau des Wasserkraftwerks Patuca III festgestellt, die die Umwelt negativ beeinträchtigen.

Während das chinesische Kapital in Zentralamerika floriert, ist das Gegenteil nicht der Fall. Die zentralamerikanischen Länder stellen in erster Linie landwirtschaftliche Produkte her. „Für China ist es nicht rentabel, Bohnen und Früchte aus Zentralamerika zu importieren. Es ist zu aufwändig und kostspielig“, sagt Garza.

Fünfmal so viele Einfuhren wie Ausfuhren

Zwar haben die Länder der Region ihre Ausfuhren nach China in der letzten Zeit erhöht. Doch die Bilanz ist noch immer negativ. Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua verkauften 2004 Produkte im Wert von 196 Millionen Dollar in die ferne Volksrepublik. Zwischen Januar und Mai 2012 summierten sich die Ausfuhren nach Zahlen des Sekretariats der Ökonomischen Integration Zentralamerikas (Sieca) auf knapp 220 Millionen Dollar. Im gleichen Zeitraum belief sich das chinesische Kapital in den fünf Ländern auf 1,435 Milliarden Dollar.

Costa Rica ist das einzige Land, das diplomatische Beziehungen zu China unterhält. Außerdem haben die beiden Länder 2010 ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Doch das bedeutet keinen größeren Handel zwischen den Ländern. Auch Costa Rica hat hauptsächlich Agrarprodukte im Angebot. „Wir verhandeln mit China unter anderem über Kaffee und Zucker“, sagt Gilbert Ramírez, Mitarbeiter einer landwirtschaftlichen Genossenschaft. Doch bis jetzt gebe es keine konkreten Projekte. (IPS/jt/2012)

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