in Wirtschaft

Seit 1970 kommen jedes Jahr im Januar Tausende von Politikern und Wirtschaftsvertretern nach Davos und geben sich beim World Economic Forum ein Stelldichein. Dieses Jahr glänzt die Teilnehmerliste mit Namen wie Merkel, Monti, Medwedew, Cameron, Draghi und so weiter. Des Weiteren findet man auf der Liste acht nicht namentlich genannte EU-Kommissare. Warum verschweigen die ihre Namen?

Als optische Erhellung zwischen den finsteren Gestalten erscheint auch Charlize Theron am diesjährigen WEF. Sie bekommt den Preis «Crystal Award» für ihr humanitäres Engagement in Afrika. Insgesamt hat Klaus Schwab, Gründer und Organisator des World Economic Forums 2500 Gäste geladen. Davon sind allein 1600 Wirtschaftsvertreter.

Aus noch nicht bekannten Gründen haben mehrere der grössten Wirtschaftsmächte, darunter die USA und China,  nur die 2. Wahl ihrer Polit-Prominenz nach Davos geschickt. John McCain wird noch am ehesten erkannt werden. Südamerika wird von drei Staatsmännern repräsentiert. Dafür ist die politische Elite aus Afrika zahlreich anwesend. Der König von Jordanien, Jacob Zuma (Präsident Südafrika), Goodluck Jonathan (Präsident Nigeria) sowie die Staats- und Regierungschefs von Äthiopien, Zimbabwe und sechs weitere Präsidenten afrikanischer Länder. Zuletzt dürfen auch 40 Chefs von Zivilorganisationen, etwa von Amnesty International, Greenpeace, Transparency International, sowie zahlreiche Gewerkschaftsführer den roten Teppich benutzen. Zu guter Letzt kommt der schweizerische Bundesrat fast vollzählig an das Forum (6 von 7 Bundesräten). In den vergangenen Jahren begnügten sich die Eidgenossen mit zwei bis drei Landesvertretern. Dieses Jahr scheinen sie eine wichtige Mission zu haben.

Im Gegensatz zu den Bilderberger-Treffen dürfen in Davos die Medienvertreter ihre Arbeit verrichten und werden nur selten daran gehindert – solange sie keine kritischen Fragen stellen. Dafür sorgen über 3300 schweizerische Armeeangehörige, 1300 WEF-Sicherheitskräfte, hunderte von Polizisten aus allen Kantonen, 2 Kampfjets der Schweizer Luftwaffe und 18 Kilometer Stacheldrahtzaun halten übereifrige Reporter und Kritiker vom eigentlichen Geschehen ab.

Die Armee geht davon aus, dass der WEF-Einsatz mit Kosten von rund 28 Millionen Franken zu Buche schlägt und sich im „normalen“ Rahmen bewegt. Bezahlt wird der Sicherheitswahn vom Schweizer Volk, das sich nicht mal groß darüber beschwert.  Die Reichsten treffen sich zu einer Plauderrunde und die Ärmsten dürfen für ihre Sicherheit zahlen. Um dieser Absurdität die Krone aufzusetzen, hat der Flughafen Kloten (ZRH) am 22.1. viele Flughafenkameras ausgeschaltet. So können 120 Privatjets unbehelligt ihre Fracht abliefern. Der Airport rechnet mit über 1000 zusätzliche Flugbewegungen während den WEF-Tagen.

Das diesjährige WEF steht unter dem Motto «widerstandsfähige Dynamik». Es werden die Staatsverschuldungen und das Auseinanderdriften der Einkommensschere diskutiert. Gemäss einer WEF-Studie stellten diese zwei Punkte die grössten globalen Risiken dar. Dicht gefolgt von der Trinkwasserknappheit und dem Klimawandel. Eigentlich sollte es umgekehrt sein.

„Die nationale Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Risiken muss Priorität erhalten, damit kritische Systeme auch im Falle einer massiven Störung funktionsfähig bleiben“, sagte der geschäftsführende WEF-Direktor und Herausgeber der Studie, Lee Howell.

Ob bei dem zahmen Bilderberg-Treffen in Davos Nägel mit Köpfen gemacht werden bleibt, wie immer,  fraglich. Entscheidungen kommen selten an die Öffentlichkeit.  Viele der Teilnehmer betrachten das Symposium als „Anbandelungs-Plattform“ für geschäftliche Beziehungen. Da schiebt man weltpolitische und ökologische Probleme besser in den Hintergrund. Ausserdem möchte man sich nicht die Festlaune verderben und am letzten Tag beim traditionellen Skirennen viel Spass haben.

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