in Wirtschaft

Der französische Kurort Vittel ist für seine Mineralwasserquelle von herausragender Qualität bekannt. Trotzdem leiden die Einwohner des Ortes zunehmend unter Wasserknappheit. Der Grundwasserspiegel sinkt jedes Jahr um 30 Zentimeter. Der Wasser- und Lebensmittelkonzern Nestlé besitzt dort seit Jahren die Wasserrechte und pumpt riesige Mengen Wasser für die Wassermarke „Vittel“ ab. Nestlé gehören sogar einige Wasserreservoirs sowie Grund in der Nähe der Kleinstadt Vittel.

Die Konsequenzen für den kleinen Ort sind fatal. In den Sommermonaten steht an heißen Tagen kaum noch Wasser zur Verfügung. Die Gemeinde muss dann Tankwagen mit Trinkwasser aus anderen Orten heranfahren. Das lokale Bergbauamt benannte zwei Gründe für den sinkenden Grundwasserspiegel. Zum einen sickere der Regen nur sehr langsam durch die Gesteinsschichten. Zweitens gebe es eine starke Konzentration von Wasserentnahmen, vor allem von Unternehmen wie Nestlé oder einer örtlichen Großkäserei. Nestlé füllt jeden Tag mehr als 2 Millionen Liter Vittel-Wasser in Plastikflaschen.

Um das Problem der Wasserknappheit zu entschärfen, soll eine 15 Kilometer lange Wasserpipeline gebaut werden. Die soll die betroffenen Gemeinden mit Wasser versorgen. Kosten für den Steuerzahler: 15 bis 30 Millionen Euro. Nestlé könnte dann weiter seine Unmengen Wasser abpumpten. Eine technische Studie dazu läuft noch, das Projekt wurde noch nicht genehmigt.

Die Idee zu dem Vorgehen kam von der örtlichen Wasserkommission, die aus Verbraucherbänden, Wasserschutzbehörden und Kommunen besteht und die Interessen des Staates vertritt. Das „offizielle“ Ziel der Wasserkommission ist der Schutz des Grundwassers. Allerdings gibt es Zweifel an deren Unabhängigkeit. Die Staatsanwaltschaft Nancy ist aktuell dabei, einen Termin für einen Prozess wegen unzulässiger Parteinahme zugunsten von Nestlé bekanntzugeben. Eine Politikerin aus Vittel und bis 2016 Leiterin der Wasserkommission wird wegen illegaler Interessenübernahme vor Gericht gestellt. Zudem arbeitete ihr Ehemann als Manager bei Nestlé.

Anlässlich der baldigen Prozesseröffnung veröffentlichten französische Medien Recherchen über das „Einflusssystem“ von Nestlé, das sich der Konzern in Vittel aufgebaut haben soll. Nestlé ist heute der größte Steuerzahler und Arbeitgeber vor Ort. Zudem hat der Konzern zwei Drittel der Agrarflächen in Vittel aufgekauft. Ein Sprecher von Nestlé wies die Vorwürfe eines Interessenkonflikts in Vittel ab. Alle Entscheidungen „würden von Mitgliedern der Wasserkommission und mit größtmöglicher Transparenz getroffen werden“.

Das Beispiel zeigt, wie groß die Macht der Lobbykonzerne ist, wenn sie einmal Wasserrechte und Landflächen im großen Stil angekauft haben. Einheimische in Schlüsselpositionen für ihre Interessen zu bestechen ist dann ein Leichtes. Es wird sich zeigen, ob das Gericht in Nancy etwas gegen den Wasserausverkauf in Vittel ausrichten kann. Wir berichteten darüber ausführlicher….

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Kommentar

  1. Der Kampf in der Zukunft gilt nicht dem Öl, dem Gas, dem Gold, dem Silber und Edelsteinen, es werden Kriege um das Trinkwasser auf dieser Erde geführt !

    • Bullshit… es gibt Anlagen die ohne weiteres Salzwasser zu Trinkwasser (durch Osmose) machen, dass ist nichtmal wirklich kompliziert..
      Wenn also des Wassers wegen Kriege geführt werden, denn nur weil ein Grund gesucht wird Krieg zu führen..
      Man kann durch Destillation sogar Schwarzwasser (Kanalisation/fäkal) zu Trinkwasser machen. Und ne Destillerie baust du dir für 50€ mit Artikeln aus den Baumarkt/Kaufhaus selbst.
      Wer diesen Wasserkrieg Misst glaubt der glaubt auch das CO2 die Menschheit tötet und ist ein unbedarfter System Trottel der nicht mitbekommen hat wie SIE ihm den Stacheldraht durchs Gehirn gezogen haben…

      • Dann entferne mal den Stacheldraht aus deinem Hirn.Vielleicht wird’s danach besser mit der deutschen Rechtschreibung,Heiliger Ansgar.