in Wirtschaft

Was würde Friedrich August von Hayek sagen, wenn er die aktuelle Niedrigzinspolitik und die massenhaften Staatsanleihenkäufe durch die EZB erleben würde? Leider kann er das nicht mehr, der Wirtschaftstheoretiker aus Österreich starb 1992 in Freiburg. Doch seine Theorien leben weiter. Wendet man seine wirtschaftliche Betrachtungsweise auf die gegenwärtige Euro-Politik an, würde er sich wahrscheinlich im Grab umdrehen. Ein österreichischer Blick auf die Krise der Nation(en).

Geldmonopol des Staates, Zentrale Planung des Zinses, staatliche Intervention. All diese Dinge waren für Hayek ein Garaus. Sein Gegenspieler Keynes hatte damit weniger Probleme. Er würde vermutlich, wenn er noch unter uns weilen würde, jedes Wochenende eine große Fete mit Staatsgästen und allen drum und dran im neuen Gebäude der europäischen Zentralbank schmeißen, wenn er vom Interventionismus des Präsidenten Mario Draghis erfahren würde. Doch dessen Geldpolitik ist höchst gefährlich, würde Hayek sagen. Er würde von der Staatsfete fern bleiben und versuchen den Ökonomen und der Politik vorzurechnen, warum und wann wir die Gelddruckerei noch teuer bezahlen werden.

Ein einflussreiches Werk der Hayekschen Lehre war die monetäre Überinvestitionstheorie. Im Grunde ist sie schnell erklärt. Konjunkturschwankungen kommen meist dadurch zustande, dass das staatliche Geldmonopol den Zins so stark senkt, mit der Begründung die Wirtschaft ankurbeln zu wollen, dass die Unternehmen Investitionen tätigen, die eigentlich nicht rentabel erscheinen. Hebt der Staat dann wieder die Zinsen oder die Nachfrage entwickelt sich nicht entsprechend, erlebt der Wirtschaftsraum eine tiefe Krise mit allen bekannten Nebenwirkungen. Arbeitslosigkeit, Radikalisierung in der Bevölkerung und schließlich die Inflation.

Seine Theorie wurde lange verpöhnt. Viel besser klangen da Keynes Worte: Mehr Staatliche Investitionen, billiges Geld, niedriger Zins und schließlich hohe Verschuldung – nur so könne eine Krise überwunden werden. Blickt man auf die Geschichte zurück, könnte man fast sagen zurecht. die große Depression 1929 hätte in Deutschland wohl schneller gelöst werden können, hätte man wie die USA keynesianische Modelle angewandt. Stattdessen setzte Reichskanzler Brünnig auf Sparen und trieb so nicht nur die Arbeitslosigkeit hoch, sondern ermöglichte auch den endgültigen Sieg der Nationalsozialisten über das erste demokratische Deutschland.

Doch in der gegenwärtigen, immernoch andauernden Krise sollten wir uns ernsthaft fragen, ob Keynes die Krisen, die er verspricht zu lösen, nicht selbst verursacht. Vieles aus Hayeks Werk „Preise und Produktion“ (1931) klingt wie eine Prophezeiung für das Jahr 2015. Die Zinsen sind auf historischem Tiefstand – nicht nur in Europa, auch in den USA, die Staaten hoch verschuldet und zu guter letzt kauft Draghi massiv Staatsanleihen. Hayeks Schlussfolgerung würde klar ausfallen: Die Krise wird so nicht überwunden, sondern die nächste Depression wird dadurch erst ermöglicht. Die Frage ist also berechtigt, zu was die europäische Wirtschaftspolitik noch führen soll. Die europäischen Völker leben nun seit fast 7 Jahren in einer – mehr oder weniger – andauernden Krise. Die einen trifft es härter, die anderen profitieren. Die kommenden Monate und Jahre werden es zeigen, mit oder ohne Hayek.

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Kommentar

18 Kommentare

    • Seltsame Logik. Der Artikel macht deutlich das Hayek bis heute nicht umgesetzt wurde, sondern nur die Politik von seinem Gegenspieler Keynes.

      Da die Österreichische Ökonomie von Hayek bis heute nicht befolgt wurde kann sie an der aktuellen Krise nicht Schuld sein.

      Geld ist ein Machtmittel und gehört damit in die Hände der kleinen Leute = dezentralisiert. Ein Monopol wird immer wieder missbraucht, zugunsten einer kleinen Elite und zu Lasten der Masse.

    • ja, das was tatsächlich global umgesetzt wird sind die lehren der monetaristen. das ist eine völlig andere richtung, aber beide werden von den keynesianern oder marxisten als „neoliberal“ bezeichnet. doch deren geldmengensteuerung ist in den augen von uns „austrians“ ein genauso katastrophaler fehler wie keynes‘ globalsteuerung.

    • @Robert Pfilzer:
      Sie haben es völlig korret zusammengefasst.

      Auch ich sehe den Autor gefangen in dieser liberalen Gedankenwelt.

      Wofür schöpft denn Draghis EZB derzeit Unmengen von Giralgedl? Um Staatsanleihen aufzukaufen. Was machen Staaten mit diesem Buchgeld, Kredite ausgeben? Nein, Schulden bezahlen, nebst Zins und Zinseszinis – und bei wem? Bei den privaten Geschäftsbanken! Was machen die? Neue verzinste Kredite an Staaten vergeben.

      Und so schließt sich der Kreis. Die Zentralbanken haben das Monopol auf die Geldschöpfung? Höchstens auf die Bargeldschöpfung, aber selbst hier fungieren die ZB nur als Werkzeug des privaten Finanzkapitals. So funktioniert diese Umverteilungsmaschine, das ist ihr Zweck.

      • Nachtrag:
        Mit dem EZB-Buchgeld kann man natürlich außerdem systemrelevanten notleidenden Banken unter die Arme greifen. In dem z.B. deren überbewertetes Anlagevermögen aufkauft.
        Die gleichen Banken die den Staat in der Schuldenpresse halten, ihn (und damit uns alle).
        Der Staat ist verschuldet und gibt an seine Gläubiger Kredit, ist doch irre, nicht wahr? Ein krankes System welches eigentlich tagtäglich Thema auf den Hauptseiten der Leitmedien sein sollte.

    • Das Problem ist doch das Bäume nicht in den
      Himmel wachsen koennen.Oder anders.
      Schulden wachsen durch den Zinseszinsefekt(Josephpfennig nach Dirk Mueller bei YT)
      exponential ,waerend die reale Wirtschaft nur linear
      wachsen kann.Dadurch löst sich die Finanzwirtschaft
      rein mathematisch gesehen nach etwa70 Jahren von
      der Realwirtschaft ab.
      In der Vergangenheit hat man dann Krieg gemacht
      um das Schuldgeldsystem auf Null zurückzusetzen.
      Mein Ansatz ist ein anderer.Wenn Menschen arbeiten,
      dann entsteht realer Wert und nicht wenn so gesagt
      Geld arbeitet.Geld kann nicht arbeiten.Das ist eine vor-
      setzliche Verzerrung der Realität der Zentralbaenksterer
      und Systemprofiteure“Des Kaisers neue Kleider“ sozusagen bis zum nächsten Krieg.

  1. ehre wem ehre gebührt: eigentlich sind das ursprünglich mises‘ gedanken, hayek war sein schüler. mises hat diese theorie schon in seiner „theorie des geldes und der umlaufsmittel“ erklärt. sollte für alle zentralbanker zur pflichtlektüre erklärt werden. aber ansosnten volle zustimmung zu diesem „neoliberalem geschwätz“! diese theorie würde die bürokraten den job kosten und die menschheit voranbringen.

  2. Diesen Gauck kann man nicht mehr hören und nicht mehr sehen, mit seinen immer gleichlautenden Geschwätz und seiner Verantwortung, Verantwortung, Verantortung……natürlich für die granten. und . bis in alle Ewigkeit für die ganze Welt. Nur micht für die eigene Bevölkerung, die soll sehen wo sie bleibt.
    Der hat gerade noch gefehlt in der Runde der Besserwisser und Anpasser.

  3. Hayek hat sicher weniger von Geldtheorie verstanden als Keynes, wenn ich auch nicht mit dessen Pflästerchenpolitik einverstanden bin, die jetzt ja eifrig praktiziert wird.

    Es braucht eine völlige Eliminierung aller leistungslosen, kapitalbasierten Einkommen, nur so kann das Geld in der Wirtschaft dem Menschen optimal dienen: Fairtrade und freie Marktwirtschaft statt Kapitalismus oder Planwirtschaft.

    • @Sarasate:

      „völlige Eliminierung aller leistungslosen, kapitalbasierten Einkommen“

      Meinen Sie das im Ernst? Sie wollen Leistungszwang? Das finden die Anhänger des Neoliberalismus auch ganz toll. Und auf diesem Weg sind die aktuellen HartzIV-Regelungen. Denken Sie mal drüber nach.

      • @ped43z

        Ich möchte nur die leistungslosen Einkommen streichen, die aus dem Geld oder der Bodenrente selbst enststehen, ansonsten bin ich sogar ein Anhänger des bedingungslosen Grundeinkommens.

        Also nichts von Arbeitszwang; Arbeit muss als Gut verknappt werden. Trotzdem finde ich, dass wer etwas leistet, auch etwas davon haben sollte.

        • @Sarasate:

          Dann teile ich Ihre Meinung voll umfänglich. Danke für die Präzisierung!

          Weil Sie das bedingungslose Grundeinkommen ansprechen. Das könnte streng genommen natürlich auch nur dann voll umfänglich seinen Zweck erfüllen, wenn es zuvor einen Umbau des Finanzsystems geben würde. Also der Gesellschaft (statt dem Privatkapital) vollumfänglich die Macht über das Geld zu geben, insbesondere dessen Schöpfung, zentral oder dezentral.

          • Guten Tag ped43z

            Auch da bin ich mit Ihnen einig. Die Gewinne aus der Geldschöpfung gehören der Öffentlichkeit (Vollgeld nach Irving Fisher). Nur frage ich mich, ob denn wirklich so viel Geld von den Geschäftsbanken geschöpft wird, wenn ja reales Geld im Überfluss vorhanden ist.

            Viel wichtiger erscheint mir, dass endlich neutrales Geld geschaffen wird, dass ohne die Peitsche Zins auskommt (z. B durch die Möglichkeit von Umlaufgebühren) , so dass eine stabile Wirtschaft ohne Wachstumszwang entstehen kann. Hier finde ich die Thesen des deutschen Geldtheortikers Helmut Creutz am überzeugendsten.

  4. “ ….die große Depression 1929 hätte in Deutschland wohl schneller gelöst werden können, hätte man wie die USA keynesianische Modelle angewandt.“

    Wo hat der Verfasser denn das her? 1929 hat die FED nichts gemacht. Deutschland hatte rund 1,8 Mrd. Dollar an der Wallstreet zur Zahlung der französischen Reparationen aufgenommen, was letztlich zusammen mit den deflatorischen Tendenzen der NSDAP den Schub verlieh. Die USA waren mitnichten aus dem Schneider.

    Präsident Herbert Hoover reagierte 1932 mit einem Rettungsfonds, der Reconstruction Finance Corporation (RFC). Zu diesem Zeitpunkt begann man in den USA bereits in die Waffenindustrie zu investieren, was letztlich mithilfe der amerikanischen
    Banken in den WKII führte.

  5. Seit wann hat denn die EZB das Monopol auf Buchgeld. Nur Münzen können sie emitieren.
    Die Geldschöpfung durch Kreditvergabe erfolgt doch weiterhin durch private Geschäftsbanken.
    Wir sind doch im Hamsterrad der Privaten Geschäftsbanken und zahlen Zins für BUCHGELD – also „Geld“, dass es nicht gibt.
    Und bei einer Mindestreserve von 1% ist das deckungsloses Falschgeld.
    Die Eigenkapital-Rendite ist dabei sehr löblich, denn bei einem EZB-Zins von 0,15% und einem Konsumenten-Kreditzins von zB 3,5% liegt eine Gewinnspanne beim 22-fachen.
    Für NICHTS. DAS SIND RENDITEN – liebe Zaungäste des Spielcasinos !
    Die EZB entlastet nur Geschäftsbanken, indem sie deren Schrottpapiere wie ABS auf den Steuerzahler überträgt.
    http://geldhahn-zu

    • @Hasso von Pisak:

      Richtig ist: Die EZB hat, ebenso wie die Geschäftsbanken, die Fähigkeit Buchgeld zu schöpfen! Das hat sie erst vor Kurzem getan, sie hat Staatsanleihen aufgekauft, das ist nichts Anderes als Staaten Kredite zu vergeben.
      UND die EZB hat – über die angeschlossenen Zentralbanken – das Monopol auf die Bargeldschöpfung (was zuvor Buchgeldschöpfung zur Bedingung macht).
      Natürlich findet Giralgeldschöpfung hauptsächlich über die Kreditvergabe der Privatbanken statt, da haben Sie völlig recht, ebenso mit Ihren Bemerkungen zur Mindestreserve und den Geschäftspraktiken.