Ukraine auf der Suche nach billigem Gas

„Dies ist ein historischer Tag. Wir freuen uns, dass Moldau direkt mit dem europäischen Gasmarkt verbunden ist. Dies wird seine Energiesicherheit erhöhen und seine Abhängigkeit von dem gegenwärtigen einzigen Lieferanten verringern“, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger [hoffentlich nicht auf Englisch]. Da wußte er noch nicht, dass die Rumänen mit Sack und Pack stiften gehen würden……– Quelle: http://www.dw.de/eu-gaspipeline-f%C3%BCr-moldau/a-17049157

Die Abenteuer des ukrainischen Gases auf dem Balkan

STIMME RUSSLANDS Die ukrainische Presse hat der Öffentlichkeit über den jüngsten Erfolg Kiews im Kampf um die Unabhängigkeit vom russischen Gas Bericht erstattet. Nachdem die Versuche, Revers-Lieferungen über Polen zu bekommen, wegen übermäßiger Preise gescheitert waren, bekundete die ukrainische Regierung die Absicht, sich der Trans-Adria-Pipeline (TAP) anzuschließen – in der Hoffnung, billiges Gas vom Balkan zu bekommen. Dieser Traum wird sich nicht verwirklichen lassen.

von Valentin Myndresescu

Im Rahmen einer Sitzung des Europarates am 25. Oktober hat der ukrainische Minister für Energetik und Kohleindustrie, Eduard Stawizki, eine Vereinbarung unterzeichnet, die es erlaubt, Gas am im Bau befindlichen Terminal zur Aufnahme von kroatischem Flüssiggas zu kaufen und es über das Gasleitungssystem von Kroatien und Ungarn in die Ukraine zu liefern. Die vorgesehene Kapazität dieser Route liegt bei fünf bis sechs Milliarden Kubikmeter pro Jahr.

Das Projekt TAP ist eine Initiative von EU-Energiekommissar Günther Oettinger, der durch die Bewilligung von Geldern für sinnlose Pipelines bekannt geworden war, unter anderem die moldawische Leitung Iasi-Ungheni. Wir bringen kurz die Geschichte dieser Frage ins Gedächtnis zurück: die europäischen Gelder wurden bewilligt und das Band feierlich zerschnitten, und am Tag nach der festlichen Verlegung des ersten Leitungssegments verschwanden die rumänischen Arbeiter einfach zusammen mit den Rohren und der Technik. Die Kontrollorgane suchen jetzt nach den gezahlten Geldern, den Arbeitern und dem Gewissen der rumänischen Auftragnehmer, bisher aber erfolglos.

Es ist wenig wahrscheinlich, dass TAP der Ukraine irgendwie behilflich sein kann. Erstens nimmt der „Korridor“ bestenfalls 2017 seine Arbeit auf. Zweitens: obwohl ein Entwurf für das Terminal auf der kroatischen Insel Krk existiert, gibt es keine Verträge für Gaslieferungen über den Seeweg und wird es erst einmal auch nicht geben. Schuld daran ist der Preisunterschied für Gas in Asien und Europa, der 25 bis 50 Prozent ausmacht, und das bei wachsenden asiatischen Volkswirtschaften. Auch das Problem der Wiederanschaltung der japanischen Atommeiler wird offensichtlich mittelfristig nicht gelöst werden. Die heutige Marktkonjunktur zwingt alle Gasproduzenten, die sich einen Absatzmarkt aussuchen können, zum Gasexport nach Asien und nicht nach Europa, wo die Zahl der Terminals und der Projekte für Terminals um ein Mehrfaches die optimistischsten Prognosen zum Vorhandensein von verfügbarem Gas übersteigen [Es sei denn, man würde die riesigen griechischen Gaslager anzapfen].

Würde es auf dem Markt wirklich bedeutende Mengen an nicht durch Verträge gebundenem Gas geben, könnte die Ukraine durchaus versuchen, den Bau eines eigenen Terminals in Odessa fertigzustellen, aber die ukrainische Regierung hat keine Möglichkeit, dafür Geld und Gas ausfindig zu machen.

Die Unterzeichnung des Vertrages über den Kauf von Gas über die Trans-Adria-Pipeline gibt die Möglichkeit, den Wählern noch ein paar Jahre länger die nahende Trennung von Gazprom zu versprechen, aber mehr auch nicht. Wenn sich auch dieses Projekt als unrealisierbar erweisen sollte, wird sich Kiew das nächste Märchen zur inneren Verwendung ausdenken.