in Wirtschaft

Von John Fraser

Johannesburg, 25. April (IPS) – Will Südafrika der Beschaffung von Arbeitsplätzen höchste Priorität einräumen, muss das Land nach Ansicht von Wirtschaftsexperten in Menschen und nicht in Maschinen investieren. In der hochautomatisierten Automobilindustrie sind Roboter derzeit auf dem Vormarsch.

Die südafrikanische Fahrzeugproduktion ist das Flaggschiff des staatlichen Programms zur Förderung nationaler Industrien. Etwa zwei Milliarden US-Dollar fließen dem Sektor an unterschiedlichen Subventionen zu. Doch die Branche ist kapitalintensiv, was bei einigen Experten die Frage aufgeworfen hat, ob die Regierung nicht einem Sektor hilft, der nicht genug für die Schaffung von Arbeitsplätzen tut.

Es gibt ganz andere Industriezweige wie etwa die Textilindustrie, die weit mehr zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beitragen, meint der Ökonom Mike Schussler, Geschäftsführer der Beratungsfirma economists.co.za.

Staatliche Hilfen gehen traditionell in das langjährige Fahrzeugentwicklungsvorhaben Motor Industry Development Programme, das in diesem Jahr modernisiert und in Automotive Production Development Programme (APDP) umgetauft worden ist.

Die Automobilbranche ist sehr kapitalintensiv, und das zwingt uns zur Zahlung hoher Subventionen, um Investitionen anzuziehen. Eine Industrie, die jedoch lieber Fertigungsroboter als Menschen einsetzt, ist ein Problem, meint Schussler.

Vor- und Nachteile abwägen

In der Automobilindustrie werden vor allem hochqualifizierte und ausgebildete Mitarbeiter nachgefragt. Andere Wirtschaftszweige hingegen benötigen weniger gut ausgebildete Kräfte. Wir können mit geringeren Zuwendungen zum Beispiel in ländlichen Gebieten Arbeitsplätze schaffen, etwa im Tourismus, die dort dringend benötigt werden, unterstreicht der Experte.

Duane Newman von der Beraterfirma Cova Advisory hält eine international angesehene, südafrikanische Automobilindustrie zwar für durchaus wichtig, die staatlichen Fördermittel jedoch bei weitem zu hoch. Die Regierung investiere zwei Milliarden US-Dollar in die Fahrzeugindustrie – das seien 20 Prozent der Subventionen, die Südafrika für die Entwicklung der gesamten lokalen Industrien aufwende.

Natürlich erwirtschaftet die Autoindustrie nicht 20 Prozent des südafrikanischen Bruttoinlandsproduktes (BIP), sondern nur sechs Prozent, sagte Newman. So könnte man argumentieren, dass der Industriezweig das Dreifache erhält, was ihm eigentlich zustehen sollte.

Johan van Zyl ist Geschäftsführer der südafrikanischen Niederlassung von Toyota und Vorsitzender des Nationalen Verbands der Automobilhersteller Südafrikas. Wie er betont, haben die Zuwendungen der südafrikanischen Regierung gerade seit dem Ende der Apartheid 1994 eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Sektors gespielt. Wir sind der Meinung, dass wir ohne die staatlichen Hilfen gar nicht wettbewerbsfähig geworden wären.

Die Automobilindustrie sei der größte produzierende Sektor Südafrikas. Sie beschaffe neue Technologien, frische Investitionen und Arbeitsplätze für Fachkräfte, berichtet van Zyl. Diese besonderen Eigenschaften machen sie somit zum perfekten Verbündeten der südafrikanischen Regierung, um die Wirtschaft auch jenseits der traditionellen Branchen zu entwickeln, in denen es zu keinem Wissenstransfer und keiner Wertschöpfung komme.

Schusslers Einwand, dass die Industrie nicht genügend Arbeitsplätze bereitstelle, lässt er nicht gelten. Beschäftigungsmöglichkeiten richten sich nach dem Auf und Ab der wirtschaftlichen Entwicklung, meint er. Darüber hinaus dürfe nicht vergessen werden, dass die Jobs in der Automobilindustrie trotz der Weltwirtschaftskrise stabil geblieben seien.

Jeff Osborne, Geschäftsführer der Vereinigung der südafrikanischen Fahrzeugeinzelhändler, der die Interessen der Autoverkäufer, Autoschlosser und anderer verbraucherbezogener Zweige der Automobilindustrie vertritt, ist gleicher Meinung. Wir konnten beobachten, dass die Automobilhersteller hohe Investitionen in Südafrika getätigt haben, sagt er. Und das kann durchaus als ein Zeichen des Vertrauens aufgefasst werden.

Osborne rechnet weiter vor, dass 14 Prozent der südafrikanischen Exporte Leistungen und Güter der Automobilindustrie beinhalten. Das ist ein höherer Anteil, als ihn unsere Goldexporte auf die Waagschale bringen können.

Auch die indirekten Arbeitsplätze berücksichtigen

Ebenso gilt es seiner Meinung nach die direkten und indirekten Arbeitsplätze des Sektors zu berücksichtigen. Danach beschäftigen die Automobilhersteller rund 25.000 Menschen, der Autokomponentensektor weitere 60.000 und der Fahrzeugeinzelhandel weitere 30.000 Personen. Wenn es um die Bewertung des Beschäftigungspotenzials der Branche geht, müssen wir den Maßstab breiter anlegen.

Osborne zufolge gilt es nun dafür zu sorgen, dass Südafrika einen Großteil seiner Autoersatzteile selber herstellt. Auch das schaffe Arbeitsplätze. Noch werden 60 Prozent der Ersatzteile importiert.

Auch Jonas Mosia vom Südafrikanischen Gewerkschaftsbund ist der Meinung, dass es wichtig ist, das gesamte Beschäftigungspotenzial der Branche zu betrachten und zu bewerten. Wir müssen ebenso über die Ledersitze oder die Elektronik reden, die etwa in Pkw eingebaut werden. Denn auch ihre Fertigung schafft Arbeitsplätze.

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