in Wirtschaft

Bei der Konferenz „Geldpolitik Forum“ in Frankfurt am Main, zu der der Verband deutscher Finanzanalysten (DVFA) eingeladen hatte, ging es hoch her. Offenbar fanden sich überwiegend Kritiker und Gegner der Europäischen Zentralbank ein. Die Diskussion artete zeitweise derart aus, dass der Hausherr der Veranstaltung, der Wirtschaftsweise Volker Wieland, eingreifen musste. Das „Handelsblatt“ berichtete.

Die Diskussion innerhalb des DVFA zeigte, wie sehr die Geldpolitik der EZB polarisiert. Auf die Nachfolgerin von Mario Draghi, Christine Lagarde, wartet ein schweres Erbe. Kritiker gehen jedoch davon aus, dass Lagarde die Geldpolitik Draghis fortführen und verschärfen wird. Die Ökonomen waren sich bei ihrer Diskussion überwiegend einig darüber, dass die EZB mit ihrer ultralockeren Geldpolitik „Zombies“ erschaffen hat, „halbtote“ Unternehmen also, die bei höheren Zinsen nicht mehr überlebensfähig wären.

Der Ökonom Joseph Schumpeter sprach von der „schöpferischen Zerstörung“ des Kapitalismus. Die EZB beeinträchtige mit ihrer Politik den natürlichen Ausleseprozess innerhalb der Wirtschaft und des Finanzsektors und sei damit für die schwache Produktivität und die in Deutschland einhergehende Rezession verantwortlich: „Die EZB wird zu einem Hemmschuh der Entwicklung, ich glaube, das ist auch empirisch belegt“, warnte ebenfalls der Münchner Ökonom und Professor Bernd Rudolf.

Die Politik der EZB, die niedrige Inflation künstlich anzuheben, gefährde die Finanzstabilität. Zudem diene diese Geldpolitik offenbar nur den Interessen hochverschuldeter Euro-Staaten, waren sich die Ökonomen einig, die vor der Gefahr gefährlicher Blasenbildung im Finanz- und Immobilienmarkt und vor wirtschaftlichen Zusammenbrüchen warnen. Der Chefökonom der Commerzbank vertrat die Meinung, dass die EZB die Inflation ohnehin nicht beeinflussen könne, weil diese durch Effekte wie die Globalisierung niedrig gehalten werde. Es sei zudem eine Mär, dass niedrige Inflation schade, sagte Jörg Krämer.

Stefan Homburg, Professor aus Hannover, kritisierte den Europäischen Gerichtshof scharf, der die umstrittenen Anleihekäufe der EZB gebilligt hatte. Der Ökonom der TU Berlin, Markus Kerber, kritisierte das Versprechen von EZB-Chef Mario Draghi aus dem Jahr 2012, er werde tun, „was immer nötig sei, um den Euro zu retten“. Dies stelle eine klare Überschreitung der EZB-Kompetenzen dar, so Kerber. Kerber warf der EZB sogar „Allmachtsfantasien“ und einen Anspruch auf Souveränität vor, der mit dem einstigen Führungsanspruch Hitlers in der Formulierung des Staatstheoretikers Carl Schmitt vergleichbar sei.

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Kommentar

  1. „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt“[Jean-Claude Juncker 1999 in: Der Spiegel, 27. Dezember 1999]
    Noch Fragen?
    Nachklapp: Auch der Europäische Gerichtshof missachtet bewusst seine Zustänigkeit. Z.B. fällt er Urteile in Rechtsbereichen für die er ausdrücklich unzuständig ist, z.B. im Arbeitsrecht – und Wirtschaft und Politik berufen sich auf diese Nichturteile!
    Wer die Geschichte der EU und ihrer Vorgänger studiert und von und über Jean Monet gelesen hat, versteht, was abgeht und warum

  2. Entschuldigung,

    seit wann kann eine private Bank wie die EZB ein Mandat haben? Welches Mandat? Wer soll dies gegeben haben?

    Schon wer schreibt, die EZB hätte ein Mandat, dem fehlt der Hintergrung, die EZB ist eine private Organisation mit sehr fragwürdigem Inhalt…so wie auch diese EU.

    • Bitte beachten Sie, es geht nicht darum, ob die EZB als Institution der EU eine private Einrichtung, eine Filiale von Goldman Sachs, ein Werkzeug der globalen Finanzindustrie oder der FED ist oder nicht.
      Die Frage ist, was die EZB tatsächlich tut.
      Jede EU-Institution hat eine schriftlich fixierte Aufgaben- bzw. Zuständigkeitsbeschreibung. Anhand dieser Beschreibungen ist ersichtlich, ob eine dieser Einrichtngen ihren zugedachten Auftrag erfüllt oder nicht. In Sachen EZB berichten sogar die Mainstreammedien berichten darüber inlusive der Feststellung, dass die EZB ihre zugewiesenen Kompetenzen überschritten hat.

  3. Hier wurde eine Transferunion geschaffen und die Deutschen müssen alles zahlen. Der Euro war der erste Schritt um die Deutschen zu enteignen. Jetzt werden unsere Ersparnisse und unsere Alterssicherungen Stück für Stück verfeuert damit die EU-Südländer ihre Staatsschulden machen können. Die Deutschen werden seit Jahren gemolken, verarscht und jetzt durch die Zulassung der Masseneinwanderung auch als Volk vernichtet. EU-Europa ist am Ende.

    • In den „Protokollen der Weisen zu Zion“ steht, „wir werden die Faulheit
      des Alters abschaffen….“ Aber die sind ja bekanntlich eine Fälschung.

Webmentions

  • Ökonomen: EZB verstößt gegen ihr Mandat – Die Welt 7. November 2019

    […] Bei der Konferenz „Geldpolitik Forum“ in Frankfurt am Main, zu der der Verband deutscher Finanzanalysten (DVFA) eingeladen hatte, ging es hoch her. Offenbar fanden sich überwiegend Kritiker und Gegner der Europäischen Zentralbank ein. Die Diskussion artete zeitweise derart aus, dass der Hausherr der Veranstaltung, der Wirtschaftsweise Volker Wieland, eingreifen musste. Das „Handelsblatt“ berichtete. Die Diskussion […] Source link […]