in Wirtschaft

Von Mabvuto Banda

Lilongwe, 9. November (IPS) – Die jüngsten Vorschläge des Rahmenabkommens zur Eindämmung des Tabakkonsums (FCTC) der Weltgesundheitsorganisation WHO, die auf eine Reduzierung der Anbauflächen abzielen, bedrohen nicht nur die Existenz von etwa zwei Millionen Malawiern, sondern die gesamte Wirtschaft des südostafrikanischen Landes.

Tabak verschafft dem Staat bisher die höchsten Deviseneinkünfte. Die Verkäufe machen mehr als 70 Prozent aller Exporte aus und erwirtschaften 15 Prozent des nationalen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Industriezweig beschäftigt schätzungsweise zwei Millionen der insgesamt 13 Millionen Malawier.

Die neuen Vorschläge werden auf der fünften Konferenz der WHO-FCTC-Vertragsstaaten vorgestellt, die vom 12. bis 17. November in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul stattfindet. Sollten sie angenommen werden, könnten Kredite an Tabakbauern wegfallen, Verträge zwischen Produzenten und Kunden ausgesetzt und die für den Sektor zuständigen Behörden aufgelöst werden.

In diesem Fall verlören viele Malawier ihre Einkommensquelle – mit weit reichenden Folgen für die fragile Wirtschaft, wie der Vorsitzende der staatlichen Tabakkontrollkommission, Bruce Munthali, warnt.

Die FCTC-Empfehlungen sehen vor, dass weniger Land als bisher zu bestimmten Jahreszeiten für den Tabakanbau genutzt werden darf. Malawis gerät damit in ein Dilemma, denn die neue Regierung von Präsidentin Joyce Banda fördert die Tabakproduktion aus wirtschaftlichen Gründen.

Munthali kritisiert, dass das Rahmenabkommen armen Ländern wie Malawi die Empfehlungen aufzwingt.

„In den meisten Mitgliedstaaten sind die Vorschläge noch nicht gründlich diskutiert worden. Es sollte einen Konsultationsprozess geben.“

Globaler Domino-Effekt

Der Domino-Effekt des Abkommens beträfe nicht nur Malawi, sondern Tabakproduzenten weltweit. „Wenn diese Maßnahmen vorangetrieben werden, hat dies verheerende Auswirkungen auf Millionen von Bauern und ihre Familien“, warnt Antonio Abrunhosa vom Internationalen Verband der Tabakpflanzer (ITGA).

Die Vereinigung beging im Oktober in Nigeria den ersten Welttag der Tabakpflanzer und nutzte die Gelegenheit, um ihre 30 Millionen Mitglieder aufzurütteln sowie Regierungen aufzufordern, die Vorschläge zu dem Abkommen nicht zu billigen.

Das von 2003 von der WHO beschlossene FCTC soll durch Verhandlungen mit den 192 Mitgliedsstaaten als erstes Abkommen zur öffentlichen Gesundheit weltweite Geltung erhalten. Darin wird außerdem das Basisinstrumentarium geschaffen, mit dem die einzelnen Länder umfassende Gesetze zur Kontrolle des Tabakkonsums einführen und den Anbau spätestens 2025 beenden können.

Obwohl Malawi bisher noch kein Vertragsstaat ist, hat das Rahmenwerk das Land bereits bluten lassen. In den vergangenen drei Jahren sanken die Einnahmen aus Tabakverkäufen von 416 Millionen US-Dollar in 2010 auf 292 Millionen Dollar im vergangenen Jahr und 177 Millionen Dollar 2012. Außerdem hat sich das Land noch nicht davon erholt, dass die internationalen Geber fast 40 Prozent ihrer Hilfe eingefroren haben.

„Der Tabakanbau hat meiner Familie über Generationen ein Auskommen gesichert. Auch wenn wir dadurch nicht reich geworden sind, haben wir doch Lesen und Schreiben gelernt und ordentliche Häuser gebaut“, sagte der Kleinbauer Samson Phiri.

Regierung hält an Tabakanbau fest

Die Banda-Regierung fasst die Vorschläge als große Bedrohung für die Wirtschaft des Landes auf.

„Wir werden dies nicht hinnehmen, da Tabak das wichtigste Anbauprodukt Malawis ist und auch bleiben wird“, so Handelsminister John Bande. Agrarminister Peter Mwanza fügt hinzu: „Verständlicherweise wird das FCTC weiterhin seinen Tribut fordern, was Produktion, Marketing und Konsum angeht. Bereits jetzt sind Tausende Menschen in unserem Land davon betroffen.“

Neben der Region will auch die Vereinigung der Tabakproduzenten in Malawi (TAMA) weiterhin gegen das Abkommen Front machen. (IPS/ck/2012)

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