in Wirtschaft

Im April 2013 rief der damals zuständige Minister Ramsauer eine 36-köpfige Reformkommission für Großbauprojekte ins Leben. Erklärtes Ziel war es, mehr Kostenehrlichkeit zu erreichen. Sein Nachfolger, Alexander Dobrindt, präsentierte im Juni den 108-seitigen Abschlussbericht seines Ministeriums. Sein Vorwort setzt den Ton.

Das Wort Ehrlichkeit findet sich auf den 108 Seiten nicht mehr. Dafür kommt das Wort „partnerschaftlich“ fünfundsiebzig Mal vor. Der Abschlussbericht dokumentiert eindrücklich in Form und Umfang eigentlich nicht mehr als den Reformunwillen der Regierenden.

Nach der Präsentation des Abschlussberichtes ging das politische Berlin in die Sommerferien. Ein scheinbar glückliches Ende für Minister Dobrindt – bis am 20.8.2015 die 34. Ausgabe der „Zeit“ erschien.

Auf einer ganzen Doppelseite der ‚ZEIT‘ (S. 22/23) machte Rainer Hascher, ein renommierter Architekt und langjähriger Baupartner der öffentlichen Hand, reinen Tisch beim Thema Großbauprojekte. Dabei blamierte er den Minister und ließ die Spitzenleute der deutschen Baubranche als Mitglieder der Reformkommission schlecht aussehen.

Herr Hascher war einfach ehrlich. Er sprach als erster Insider der Baubranche offen und direkt aus, was in Deutschland jeder vermutet: „Jedes Großprojekt beginnt mit einer Lüge.“ Die Bürger werden von öffentlichen Bauherren über Umfang und Kosten getäuscht. Um beauftragt zu werden, müssen Architekten, Fachplaner und Bauunternehmen  mithelfen  den gewählten Volksvertretern professionell gerechnete Budgets präsentieren zu können, die unrealistisch tief sind.  Wenn, wie beim Berliner Flughafen, ein Bau gestartet wurde der viel zu klein ist müssen die Beteiligten Bauleute mithelfen den Bauplan fliegend während der Arbeit aus zu weiten. Dann sieht es aus als würden Bauzeit und Baukosten explodieren.

Um solche  „Explosionen“  künftig zu verhindern, hatte der frühere Minister Ramsauer die Reformkommission Großbauprojekte im April 2013 eingesetzt. Er hatte ihr dabei explizit das Ziel „mehr Kostenehrlichkeit“ mit auf ihren zweijährigen Weg gegeben. Unter der Ägide des neuen Minister Dobrindt hat sich das Ziel der Reformkommission jedoch gewandelt.   Statt Ehrlichkeit im Handeln des Staates und seiner Repräsentanten zu sichern, geht es um bessere Kooperation der Baubeteiligten beim Lügen. Wenn schon Großprojekte durch Lügen geboren werden, sollen künftig durch mehr Partnerschaft die Kostenexplosionen kleiner werden.  Wenn alle Beteiligten mehr zusammenhalten, könne ja so weitergemacht werden wie bisher – so lautet die unterschwellige Botschaft.

Dabei gehen den öffentlichen Bauherren langsam aber sicher die Partner für Großprojekte aus.  So ging Anfang August mit Imtech (4000 Mitarbeiter in Deutschland) spektakulär einer der wichtigsten Auftragnehmer des öffentlichen Baus insolvent. Imtech wurde Opfer einer von Unehrlichkeit geprägten Firmenkultur.

In diesem Sinn ist das gesamte öffentliche Bauwesen reif für die Insolvenzeröffnung. Es braucht einen Neustart mit glaubwürdigen neuen Köpfen, denn wie sagt das Sprichwort so schön: „ Wer einmal lügt dem glaubt man nicht, auch wenn er mal die Wahrheit spricht.“

Beim Bauen hat die grassierende Unehrlichkeit den Ruf Deutschlands schon stark angekratzt. Die Welt versteht nicht warum wir unsere Bauprojekte nicht meistern können. Das Made in Germany steht im Zweifel. Nun hat diese Woche das „Made in Germany“ einen furchtbaren Schlag erlitten.  Volkswagen hat 11 Millionen Kunden belogen. Der für Verkehr zuständige Minister Dobrindt zeigt sich unwissend und erschüttert. Wie kann man nur so Lügen?

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15 Kommentare

    • Francis, die Idee ist gut uns sofort umsetzbar. Bei den Flüchtlingsunterkünften kann heute sowieso nicht auf Brandschutz geachtet werden. Das geht alles so schnell, das nicht einmal Brandmelder mehr montiert werden können. Sobald eine Unterkunft benannt ist kommen schon die ersten Leute an.

    • Noch eine bessere Idee:
      Schickt sie Alle nach Ramstein ! Dann sind sie bei denen, die uns das auch eingebrockt haben.
      Dort sind sie auch „beschützt“ und können dabei zusehen, wie die US-Bezahlten Terrorbanden und die AirForce ihr Familien bombardiert

  1. Glaube, dass ist auch noch ein paar andere hausgemachte Probleme.
    Der Zeitraum vom Planfeststellungsverfahren bis Baubeginn, ständig änderne Gesetze, Sub-Unternehmens-Kultur um Kosten zu drücken, fehlende Identifizierung mit dem Projekt, fehlende GU-Haftung, Tunnelblick bei den Baugewerken usw. !
    Die Fehlerkette geht über die Bauüberwachung, die Ihren Namen nicht gerecht wird, Fehler nicht erkennt und leider auch nicht über den eigenen Tellerrand hinweg sieht. Und endet bei einem Aufsichtsrat der NULL-Ahnung vom Bau hat, deswegen nichts selbst kontrollieren kann und dadaurch alles Glauben muss, was die „Versager“ der Bauüberwachung bzw. Baustellenkoordination erzählen. Eine gesetzliche GU-Haftung würde hier viel helfen.

    • Sonnenkönig,
      die Wurzel des Problems sind die Lügen des Bauherren. Der macht aus der Baustelle eine Mogelpartie. Mit GUs kann man in Deutschland sehr gut bauen. Warum machen den Shopping Center für 1/2 Mrd. Euro immer auf den Monat genau im Oktober auf?
      Beleg auf http://www.BauPolitik.de

  2. Desweiteren rennen viele kleine Unternehmen monatelang ihrem Geld hinterher, was die Arbeit und Motivation auch nicht gerade verbessert.
    Der Fisch stinkt vom Kopf her, und das ist hier auch der Fall. Der GU bekommt so ein Haufen Geld und erbringt dafür fast keine Leistung, ausser Preis drücken und Schuldzuweisungen für die „Kleinen“. Dort oben werden die teuersten Fehler gemacht. Der Generalunternehmer sollte für alle eingekauften Sub-Unternehmen vollständig und auch finanziell verantwortlich sein, damit man wieder zusammenarbeitet, statt dieses bescheuerte Schuldzuweisungstheater von oberster Stelle.

    • seh ich genau so. Am besten sind dann immer diese Statements der Großen – da wird das Wort „Fehler“ eigens neu definiert : es gibt dann plötzlich Fehler mit Karomuster, mit Streifen und welche mit HImbeergeschmack. Aber vor allem gibt es dann immer wie schon von ihnen beschrieben, DIE EIGENEN Fehler – die gar nicht so wichtig sind UND die Fehler von anderen, über die man dringend reden muss.

    • Sonnenkönig, die GUs sind genauso Opfer von Lug und Trug. Denen geht es wirtschaftlich ganz schlecht.
      Bei uns in der Schweiz hat man eine Lösung gefunden, die funktioniert. Der Bauherr haftet für alle Sozialabgaben, Steuern auf der Baustelle. Und der Subunternehmer kann sich direkt beim Bauherren das Geld holen, wenn vorne dran einer nicht zahlt. Der Effekt ist, dass Bauherren motiviert sind ehrlich zu budgetieren und sich lieber seriöse GUs suchen. Das Gegenteil von Deutschland.

  3. Vielleicht handelt es sich bei dem Flughafenbau in Berlin, der sich so lange zieht und immer weitere Kosten produziert, auch um ein weiteres verdecktes Großbauprojekt: Wird dort evtl. unter Tage ein neuer Regierungsbunker errichtet? Das würde zumindest die Lügen und die Intransparenz erklären :)

    • Checker, ohne Witz. Im August 2013 wurde mir in Berlin erklärt, dass BER primär Wirtschaftsförderung ist. Und eine Warmlaufübung für den Grossflughafen zwischen Berlin und Leipzig. Dafür bekamen Wowereit und Platzeck das Bundesverdienstkreuz verliehen.

  4. Da kenne ich noch ein Beispiel, was so gar nicht in den Medien vorkommt. Die Ost-West-Verbindung der A30 von den Niederlanden nach Berlin in Bad Oeynhausen. Die sind damit 1965 angefangen und immer noch nicht fertig :-D

    • Herr Heidecke, die einzige Möglichkeit die grossen Parteien zu Vernunft zu bringen, ist die glaubhafte Drohung bei der nächsten Wahl keine Zweitstimme ab zu geben. Darüber finanzieren sich die Parteien. Da bring 4 Euro pro Stimme pro Jahr + das gleiche noch über erlaubte Spenden. Es sind die Zweitstimmen die Leute wie Frau Hendricks vom Schulzimmer auf Ministersessel bringen. Die haben noch keine Wahl vor dem Volk gewonnen.