in Wirtschaft

Die Handelsnostalgiker trauern den kleinen Läden im Nahbereich nach, den sogenannten Tante-Emma-Läden. In Deutschland sind sie längst Geschichte, in Südeuropa haben sie eine erstaunlich gute Vitalität. Warum sind sie hier verschwunden und warum gibt es sie rund ums Mittelmeer noch?

Zunächst drängt sich der Verdacht auf, dass es an den Fußgängerzonen und an der Parkraumbewirtschaftung in Deutschland liegt. In vielen südeuropäischen Städten sind Fahrverbote und Parkhäuser undenkbar. Jeder kann mit seiner Vespa, seinem Dreirad, seinem Fahrrad und seinem Renault überall hinfahren. Selbst wenn es gesperrte Bereiche gibt, werden sie nicht beachtet. Parkuhren sind unbekannt, das Parken in der zweiten und dritten Reihe ist ein Kavaliersdelikt. Einbahnstraßenschilder haben informativen Charakter. Diese paradiesischen Zustände machen das Einkaufen im Nahbereich schnell und attraktiv. Der Vorteil einer Innenstadt ist, dass man viele Dinge auf konzentriertem Raum schnell erledigen kann. Außer in Deutschland.

Viele Kunden, die den kommunalen Parkraumterror und die sterilen Fußgängerzonen mit immer den gleichen Ladenketten leid sind, wechseln zum Internet. In Deutschland betrug der Umsatzanteil des Onlinehandels 11,2 % im Jahr 2012, in Italien vergleichsweise nur 1,8 %. Man sieht an diesen Zahlen wie die grünen Eliten und die gierigen Stadtkämmerer die Leute in Deutschland aus den Geschäften verjagen.

Aber das ist die halbe Wahrheit. Es gibt ja auch in Frankreich, Italien und Spanien Supermärkte auf der grünen Wiese oder am Stadtrand. Und ihre Angebote sind deutlich billiger, als in den kleinen Läden. Aber sie sind auch seltener, als in Deutschland. Man muss schon ein ganzes Stück weiter fahren, um einen Großmarkt zu erreichen. Wie Experten versichern, liegt es am Arbeitsrecht in den Südländern. Die Großmarktketten tun sich schwer, ihr Netz zu erweitern, da man nur wirklich narrensicher profitable Standorte halten kann. Der französische Handelskonzern Carrefour mit weltweit 360.000 Beschäftigten hat etwa ein Viertel seiner Mitarbeiter in Frankreich, und das noch teilweise als Franchisenehmer. Große Teile des Konzerns sind in den Nahen Osten, nach Südamerika, Osteuropa, Afrika und Asien ausgewichen, wo die rechtlichen Bedingungen für größere Betriebe übersichtlicher sind.

In Italien ist die Conad-Kette weit verbreitet. Die CONAD-Märkte in Italien gehören überwiegend ihren Eigentümern und es sind im Kern oft Familienbetriebe. Durchschnittlich beschäftigt ein Conad-Markt 12 Leute. Sie haben hohen Unterhaltungswert. Eines Morgens kam ich in Sizilien um 8 Uhr als erster Kunde in einen Markt. Hinter der Wurst,- Brot- und Fischtheke sangen die drei Verkäufer mit funkelnden Augen quasi als die drei Tenöre eine Arie aus Rigoletto und fuchtelten mit ihren langen Messern im Takt. Solche Einkaufsevents fehlen in Deutschland. In Deutschland muss man sich mit Politessen, Parkuhren und Verbotsschildern amüsieren.

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