Ist Teslas Bitcoin-Wandel nur eine Augenblickslaune seines Chefs?

Tesla-Gründer und CEO, Elon Musk, ist für seine Spontaneität ebenso bekannt wie gefürchtet. Nicht allzu gut zu sprechen auf den exzentrischen Milliardär, dürfte im Augenblick die Gemeinde der Bitcoin-Fans sein. Sie hatte zunächst gejubelt, als im Winter bekannt wurde, dass Tesla selbst Bitcoins erworben hat und nun auch bei der Bezahlung seiner Fahrzeuge die Kryptowährung akzeptieren wird.

In der Vorwoche vollzog das Unternehmen dann die Rolle rückwärts. Bezahlen muss man seinen Tesla nun wieder auf eine konventionelle Art und Weise, auch wenn das Unternehmen betont, dass es seine eigenen Bitcoins nicht veräußert habe. Trotz dieses Bekenntnisses zum Bitcoin, reagierte dessen Kurs verschnupft auf die Nachricht und gab deutlich nach.

Es dürfte Elon Musk und den bei Tesla für diese Fragen zuständigen Managern im Vorfeld bewusst gewesen sein, dass die Bitcoins des Unternehmens stark an Wert verlieren werden, sobald die eigene Entscheidung in der Öffentlichkeit bekannt wird. Man darf deshalb davon ausgehen, dass die von Tesla selbst gehaltenen Coins zuvor am Terminmarkt gegen Verluste abgesichert wurden.

Der finanzielle Schaden dürfte sich somit in Grenzen halten. Ob dies auch für den Imageschaden gelten wird, ist eine andere Frage. Dass es den Tesla-Verantwortlichen erst jetzt aufgefallen sein soll, dass die Erzeugung der Bitcoins, das sog. Bitcoin-Mining, sehr stromintensiv ist und vor allem in China geschieht, wo ein großer Teil des elektrischen Stroms in Kohlekraftwerken erzeugt wird, ist kaum anzunehmen.

Sind andere Geschäfte wichtiger?

Die Suche nach dem Motiv für die überraschende Kehrtwende hält deshalb an. Ein Grund könnte die für den Sommer anstehende Entscheidung der Biden-Administration sein, ob die Bewerbung des Elektroautoherstellers für die Teilnahme am Handel mit Gutschriften für die erneuerbaren Treibstoffe zugelassen wird.

Im Gegensatz zur Frage, ob ein Tesla mit Bitcoins oder in US-Dollar bezahlt wird, ist diese Frage von erheblicher Bedeutung, denn es wird um Milliarden gehen. Einem Reuters-Bericht zufolge könnte Tesla in Zukunft aus Biogas Strom erzeugen und hierfür bei der US-Regierung Gutschriften beanspruchen.

Diese könnten anschließend äußerst gewinnbringend an Erdölraffinerien verkauft werden, denn die Raffinerien müssen die sog. Credits unter dem „Renewable Fuel Standard“ erwerben, sollten sie ihren eigenen Treibstoffen keinen ausreichend hohen Anteil an Biokraftstoffen beimischen.