in Wirtschaft

Am 14. Februar meldete die Koch, Neff & Volckmar GmbH – besser bekannt als KNV – Insolvenz an. Der größte, deutsche Zeischenhändler auf dem Buchmarkt macht damit womöglich die Bühne frei für Amazon. Das Verlagswesen sorgt sich jetzt um seine Vielfalt.

Deutscher Buchmarkt bisher weltweit beneidet

Der deutsche Buchmarkt war bisher weltweit beneidet. Das gut organisierte System von in den Buchladen gehen, ein Buch bestellen und meist am nächsten Tag abholen funktionierte einwandfrei. Das ist den Großhändlern zu verdanken, denn diese kaufen Bücher bei den Verlagen ein, verkaufen weiter an Buchhandlungen und beliefern diese jeden Tag. Mit der Insolvenzanmeldung von KNV jedoch, kommt das System mächtig ins Wanken.

Koch, Neff & Volckmar GmbH – kurz KNV – hat ihren Hauptsitz im baden-württembergischen Stuttgart. Mit mehr als 1.800 Angestellten ist die Gesellschaft mit beschränkter Haftung der größte Zwischenhändler Deutschlands auf dem Buchmarkt. 590.000 vorrätige Titel von mehr als 5000 Verlagen hat KNV aufzuweisen. Und war jahrelang ein wichtiges Bindeglied, das unser deutsches System auf dem Buchmarkt zusammenhielt. Ein System, das beneidet wurde.

Insolvenzmeldung erzeugte ein „Beben“ im Buchmarkt

Die Meldung kam mehr oder minder überraschend. 2014 wurde noch ein neues Logistikzentrum in Erfurt eröffnet. Das Ganze ging jedoch mit Komplikationen einher. Und Komplikationen kosten in der Geschäftswelt meist Geld. Im Fall von KNV wohl eine ganze Stange an Geld. Gerüchten aus brancheninternen Kreisen zufolge, soll sich das Unternehmen mit dem Kapitaleinsatz für das Logistikzentrum übernommen haben. Und nie wieder erholt.

Wie auch immer es genau ablief hinter verschlossenen Türen auf der Managementebene vom Buchgroßhändler aus Stuttgart, die Zahlungsunfähigkeit wurde am 14. Februar verkündet und versetzte den Buchmarkt in Aufregung. So manche Redakteure von Fachblättern nutzten – ganz der literarischen Stilistik folgend – Wörter wie „Beben“, um die Reaktionen auf dem Buchmarkt zu beschreiben. KNV gilt als „systemrelevant“ und eine Pleite des Konzerns könnte schwerwiegende Folgen haben.

Solidarität mit KNV aus der Branche

Eine Buchhändlerin in Essen namens Irmgard Krahe nutzt weniger brisante Worte. „Man war unsicher“, erklärt sie. Sie arbeitet beim Betreiben ihres Buchhandels mit KNV, aber auch dem Konkurrenten Libri, zusammen. Bereits wenige Tage nach der Insolvenzankündigung galten jedoch einige Titel bei KNV als „nicht mehr lieferbar“. Klare Sache, denn die Verlage bekamen für die Bücher ja auch kein Geld vom insolventen Großhändler.

Irmgard Krahe wollte in der Folge dessen gar nicht mehr bei KNV bestellen. Bringt ja auch nicht viel, wenn die Bücher nicht mehr lieferbar sind, die die Fachbuchhändlerin für ihre Kundschaft benötigt. Sie änderte ihre Meinung jedoch nach gründlicher Überlegung. Denn „wenn KNV pleiteginge, wäre das eine absolute Katastrophe für den Buchhandel.“ Die Buchbranche wäre sich darüber absolut einig, so Krahe. „Es gibt eine große Solidarität mit KNV.“

Verlagssterben und herber Schlag für die Verlagsvielfalt befürchtet

Buchhändler fürchten vor allem die Konkurrenz von Amazon. Das schnellere Bestellsystem über den Buchladen muss deshalb aufrechterhalten werden. Aber auch die Verlagsvielfalt wäre durch ein Aus für KNV gefährdet. Denn KNV ist auch sog. Verlagsauslieferer. Das bedeutet, dass viele Verlage sich auf KNV als einzigen Abnehmer verlassen hatten. Diese Verlage wären gezwungen neue Vertriebswege für ihre Bücher zu finden. Und zwar schnell und bestenfalls zu gleichen Konditionen. Nicht so leicht, da Großhändler meist bessere Konditionen bieten als kleinere Zwischenhändler. Hinzu kommt, dass keiner der Konkurrenten des Stuttgarter Unternehmens das bisherige Logistikvolumen ausgleichen könnte. Und so mancher Verlag wäre dann ebenfalls pleite, denn kleine Verlage sind auf jeden Buchverkauf angewiesen.

Kommt es also zum großen Verlagssterben? Die Angst ist da, denn nicht umsonst reagierte Libri mit vorgezogenen Zahlungen an kleinere Verlage. Der größte Konkurrent von KNV will „den Buchmarkt in seiner ganzen Vielfalt erhalten“, heißt es vonseiten des Libri-Vorstands. Kleinere Verlage können sich aber auch mit vorgezogenen Zahlungen nciht lange über Wasser halten, ohne finanzstarke Unternehmen im Rücken. Die Verlagsvielfalt dürfte also einen Schlag abbekommen in Deutschland. Ob Amazon profitieren kann, hängt nun vom Verlauf der Insolvenz bei KNV und Amazons generellem Interesse ab.

Autor: Thomas Schmied

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Wieder so ein Fehler aus dem Management.
    Man mag gar nicht an die Folgen denken.
    Es bewahrheit ist wieder, nicht jeder ist zum Unternehmer geboren, hat Führungs- und Analysequalitäten, die einem weitsichtigen Unternehmerkopf abverlangt werden.