Industrie 4.0

Der angestrebte Exportschlager Industrie 4.0, sollte er denn einer werden, ist noch sehr umstritten. Natürlich wird dieser Digitalisierungsschub in der industriellen Fertigung und Logistik vor allem von den Nutznießern und Sympatisanten gerne als neue deutsche Innovation verkauft. Die qualifiziertere Arbeitsplätze und somit mehr Wohlstand im Volke schaffen wird. So auch die Bundeskanzlerin kürzlich in einem Interview.  Zudem soll sie die weltweiten industrieellen Standards weiter angleichen, die produktiven und logistischen Prozesse auf eine neue, noch effizientere, Stufe heben.
Alles schön und gut, denn Deutschland ist ja bekannt für Innovationen. Hat ja auch bei der Entwicklung des globalen Qualitätsmanagements eine federführende Rolle gespielt.
Und ist gerade dabei, sein Erfolgsmodell Hartz IV mit Billiglohnsektor (zuerst einmal) europaweit zu installieren. Seine Austeritätspolitik zu exportieren.
Zugegeben, das ist vielleicht ein anderes Terrain. Aber wir als Im- und Export- Nation mußten aufgrund fehlender Resourcen im Lande ja schon immer auch auf den Export von geistigem Know How setzen.

Doch was ist eigentlich Industrie 1, 2, 3, 4.0 ?

Bei der ersten Industriellen Revolution Anfang des 18. Jahrhunderts, der Einführung der Dampf- und Wasserkraft als Mittel zur Massenproduktion, wurden viele neue Arbeitsplätze geschaffen.
Auch ca. 200 Jahre später, mit der Industrie 2.0, die der Einführung der Elektrizität als Antriebskraft zuzuordnen ist, boomte noch die Nachfrage nach Menschenmaterial an den elektrisch betriebenen Fließbändern der Industrie.
Die westliche Welt war in einem technischen Aufbruch und die Produktionsgüter für ein angenehmeres Leben erfreuten sich einer großen Nachfrage. Zudem wurde durch die Luft-, die Schiffahrt und den Güterverkehr auf der Schiene der globale Handel angestoßen.
Und nahezu alle wirtschaftlichen Produktionsbereiche wie die Schwerindustrie, die Stoff- und Bekleidungungsindustrie, die Food- Industrie, aber auch die damals entstehende chemische Industrie (u.a. der Medizin), bedienten sich der neuen effektiveren Produktionsmöglichkeiten des Zeitalters von Industrie 2.0.

Diese Phase zog sich bis in die Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Nachfrage nach Gütern zur Erleichterung des täglichen Lebens war enorm und es war keine Sättigung der Märkte von Haushaltsgeräten, von Geräten der Unterhaltungsindustrie, von Kraftfahrzeugen und vielem mehr, in Sicht.
Aber in den Siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts, als mit der weiteren Automatisierung der Produktionsabläufe durch IT und elektronische Steuerungen die Industrie(lle Revolution) 3.0 eingeleitet wurde, kristallisierte sich heraus, daß der arbeitende Menschen immer mehr zum Status Produktionsfaktor degradiert wurde. Die Konkurrenz von Computern, Robotern und stets effizienteren Arbeitsabläufen versetzte die Unternehmer in die Lage, immer mehr aus ihrem Unternehmen und den Arbeitnehmern heraus zu holen. Ihre Gewinnoptimierung in immer ausgereifterem Stil zu betreiben. Das brachte die Arbeitnehmer unter einen stetigen Lohn- und Leistungsdruck. Machte sie und die Gewerkschaften letzendlich erpressbar.
Was zu einem modernen Feudalismus 2.0 führte, wenn man es so ausdrücken möchte.
Die Globalisierung der Wirtschaft, die – wie zuvor das weltweite Qualitätsmanagement – nicht von ungefähr kam, entpuppte sich dann als ein weiterer Schritt zur Ausbeutung der Arbeitskraft der Menschen. Nun jedoch weltweit.
Und welcher Schelm würde da anderes denken, als daß es sich um zügellose Raffgier der Konzerne handelt?
Die seitdem ja auch unsere Lohnabhängigen mit denen aus den Entwicklungsländern ausspielen.
Ein Beleg dafür ist unter anderem die Agenda 2010, die mit all ihren Umwälzungen im Arbeits- und Sozialsektor ganz klar von der Industrie initiiert wurde. Zwar hat sie unser Land auch ein großes Stück in Richtung Schlanker Staat geführt, wo jeder nun mehr für sich selbst verantwortlich ist. Aber auch das geschah nur zum Nutzen der Wirtschaft. Und zu unserem Nachteil.
Da war es der Politik egal, daß sich der Wohlstandsbauch der Mittelschicht immer  mehr verschlankt. So lange ihnen nur genug Kapitalismus- hörige Ökonomen an der Seite stehen und die Statistiken in ihrem Sinne verbiegen.
Aber genug der Ausschweifung.

Industrie 3.0 mit all ihren komplexen Zusammenhängen und negativen Auswirkungen auf die Lohnabhängigen hat, (wie auch schon die beiden voran gegangenen Perioden) unser Erwerbsleben und die Gesellschaft nachhaltig verändert.
Und die Menschen haben sich, auch aufgrund der immer rascher fortschreitenden Veränderungen und Einschnitte in ihrem Leben – damit abgefunden. Vielleicht sogar leichter, gleichgültiger, als noch zu Beginn der industriellen Revolution um 1800.

So dass Industrie 4.0 auf überhaupt keinen Widerstand mehr stoßen wird.

Schließlich wird diese neue Innovation für mehr Ausbeutung, auch nur in Kreisen diskutiert, zu denen Otto Normal schon lange keinen intellektuellen Zugang mehr hat.
Im Grunde handelt es sich ja auch nur um eine weitere Optimierung von wirtschaftlichen, produktionstechnischen und logistischen Vorgängen mittels der EDV.
Und wenn die zum Wohle der Unternehmen immer mehr verfeinert werden, kann das dem Arbeitnehmer ja nur recht sein.
Die Kanzlerin hat schließlich gesagt, daß auch wir davon profitieren.