in Europa

Der japanische Fahrzeughersteller Honda kündigte an, sein Werk im britischen Swindon 2021 zu schließen. Der Autobauer will seine Produktion für den europäischen Markt wieder in die Heimat verlegen. Das ist eine schlechte Nachricht für England, aber ein verständliches Resultat der Unklarheiten beim anstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU.

Brexit sei nicht der Grund für die Entscheidung von Honda

Der Brexit, beziehungswiese dessen momentan unklarer Ausgang, hätten mit dieser Entscheidung allerdings nichts zu tun. So zumindest lässt dies der britische Abgeordnete Justin Tomlinson nach Gesprächen mit dem Unternehmen auf Twitter verlauten. Stattdessen seien „globale Trends“ der Grund für den Wegfall von rund 3.500 Arbeitsplätzen im Jahr 2021. Honda schließt mit seiner Entscheidung das einzigste Werk in Europa.

Bisher produzierte das Werk im südenglischen Swindon rund 150.000 Fahrzeuge im Jahr. Dies entspricht ca. 10 Prozent der gesamten, britischen Fahrzeugproduktion. Seit 1989 besteht das Werk. Tomlinson führt die Entscheidung auch auf das erzielte Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Japan zurück. Darin enthalten ist auch das Entfallen von Zöllen in Höhe von 10 Prozent für Autoexporte aus Japan nach Europa.

Auch Nissan kündigte Änderungen bei Geschäftsstrategien für den europäischen Markt an

Honda ist aber nicht der einzige Autohersteller, der seine Produktion in Großbritannien überdenkt. Nissan hatte bereits Anfang Februar angekündigt, dass die nächste Generation des SUV-Modells X-Trail nicht in England, sondern in der japanischen Heimat hergestellt werde. Anders als bei Honda gab es dafür keinerlei „globale Trends“ als Begründung. Nissan wies kurzum darauf hin, dass es sich bei der Entscheidung um eine Strategische bezüglich der Brexit-Situation handele.

Es geht um unklare, zukünftige Handelsbeziehungen Englands. Gerade ein No-Deal-Brexit würde die Produktion, als auch den Export von Autos in und aus Großbritannien erschweren. Dass das Freihandelsabkommen mit in diese Entscheidungen einfließt ist unumstritten. Allerdings liegt es nahe, dass ein Konzern wie Nissan, der rund 30 Prozent aller in England produzierten Fahrzeuge stellt, unklare Wirtschaftslagen durch den Brexit nicht gerne sieht.

Dass gerade ein No-Deal-Brexit zu Problemen führen würde sieht auch Toyota so. Der größte japanische Autohersteller erklärte aber zeitgleich, dass es keine Pläne gäbe die Geschäftsstragien in Großbritannien zu verändern. Die ausländischen Autobauer haben vor allem Sorge über die künftigen Zölle. Denn mit einem britischen EU-Austritt ohne Abkommen, würden Autobauer aus England beim Export in andere EU-Staaten Zölle bezahlen müssen.

Auch Sony will, wie Honda, weg aus England

Für Großbritannien sind dies keine guten Neuigkeiten. Und auch auf Theresa May dürfte ein gewisser Druck weiter zunehmen. Ohne einem Verbleib in der EU-Zollunion könnten noch mehr ausländische Unternehmen dem Wirtschaftsstandort England den Rücken kehren. Der japanische Riesenkonzern Sony kündigte bereits an, dass der europäische Hauptsitz des Unternehmens wohl in die Niederlande verlegt werden würde.

Ganz allgemein senden diese Entwicklungen auch keine positiven Signale an die Gesamtwirtschaft in Großbritannien. Experten befürchten eine Kettenreaktion, bei der ausländische Unternehmen der Reihe nach entweder England verlassen oder aber ihre Produktionen deutlich drosseln. Und die heimische, britische Wirtschaft fürchtet auch um ihre Situation bei einem ungeordneten Brexit ohne Abkommen mit Brüssel. Neben Honda, Nissan und Sony, deutete auch Airbus bereits „schmerzhafte Entscheidungen“ an, sollte es zu einem No-Deal-Brexit im März diesen Jahres kommen.

Düstere Vorzeichen für den Wirtschaftsstandort Großbritannien

Die Wirtschaft in England, aber auch in Europa und anderen Teilen der Welt sieht den Entwicklungen bei den Brexit-Verhandlungen kritisch zu. Denn, dass es zu Folgen kommen wird ist unumstritten. Das Ausmaß bleibt zwar abzuwarten, doch erfolgreiche Konzerne sorgen lieber vor.

Natürlich wird gehofft, dass das britische Unterhaus in London doch noch irgendwie eine Einigung im Streit um das EU-Austrittsabkommen finden wird. Aber in der Geschäftswelt darf sich auch nichts vorgemacht werden und Hoffnung alleine ist keine tragfähige Unternehmensstrategie. Es zeichnen sich düstere Vorzeichen ab für den Wirtschaftsstandort Großbritannien. Und in einer globalen Wirtschaftslage wie heutzutage sind die Folgen für andere Wirtschaftsstandorte nur schwer abzuschätzen.

Autor: Thomas Schmied

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