in Wirtschaft

Von Jasmin Ramsey

Washington, 19. November (IPS) – Auf die Weltwirtschaft kämen immense Verluste zu, sollten die USA Maßnahmen ergreifen, die die Auseinandersetzung mit dem Iran über das umstrittene Atomprogramm eskalieren lassen würden, warnt die ‚Federation of American Scientists‘ (FAS).

Laut ihrem am 16. November in Washington veröffentlichten Bericht ‚Sanctions, Military Strikes, and Other Potential Actions against Iran‘, der auf Beratungen mit neun überparteilichen Experten für Wirtschaft und Nationale Sicherheit basiert, würden ein Vorgehen der USA, das eine Eskalation des Konflikts hervorriefe, die globale Wirtschaft in den ersten drei Monaten zwischen 64 Milliarden und 1,7 Billionen US-Dollar kosten.

Das am wenigsten wahrscheinliche Deeskalations-Szenario würde bedeuten, dass die USA einseitig ihre Bereitschaft zu Zugeständnissen zeigten, um die Pattsituation zu beenden. Dies könnte der internationalen Wirtschaft Einnahmen von 60 Milliarden Dollar bescheren.

„Die Ergebnisse der Studie legen allerdings nahe, dass jedwede Aktion der USA potenzielle Kosten verursacht. Im Allgemeinen kann man sagen, dass die möglichen Kosten umso höher ausfallen, je schärfer die Maßnahmen sind“, sagte Mark Janssons, Co-Autor des Berichts und FAS-Direktor für Sonderprojekte. „Auch unter Experten besteht große Unsicherheit darüber, was am obersten Ende der Eskalationsleiter passieren könnte.“

Kosten könnten Billionenhöhe erreichen

Die sechs plausiblen Szenarien für US-geführte Aktionen gegen den Iran beinhalten eine Isolierung des Landes und eine Blockade, mit der Washington alle Exporte von raffiniertem Erdöl- und gas sowie von Energieausrüstungen und – dienstleistungen drosseln würde. Die weltweite Blockade des iranischen Energiesektors würde Kosten in Höhe von schätzungsweise 325 Milliarden Dollar nach sich ziehen. Vorstellbar wären auch größere Bombardements, die darauf abzielen, die Rückschlagsfähigkeit des Irans einzuschränken. Die globalen Kosten betrügen 1,082 Billionen Dollar.

In dem FAS-Report wird keine bestimmte Strategieempfehlung unterstützt. Die Initiative ‚United Against a Nuclear Iran‘ (UANI) und die neokonservative ‚Foundation for Defense of Democracies‘ (FDD) plädieren hingegen offen für radikale Maßnahmen gegen Teheran.
„Das Weiße Haus muss den Wirtschaftskrieg intensivieren, um die Islamische Republik in ihren Grundfesten zu erschüttern“, schrieb im Juni der FDD-Exekutivdirektor Mark Dubowitz.

„Die Tatsache, dass der härteste Kern der neokonservativen ‚Strategen‘ die Kosten für einen eskalierenden Konflikt mit dem Iran nicht durchdacht hat, ist ein Beweis für die mangelnden intellektuellen Fähigkeiten der Gruppe“, meinte der auf den Mittleren Osten spezialisierte Wirtschaftswissenschaftler Paul Sullivan von der Georgetown-Universität.

Nach Ansicht von Sullivan würden die USA die Folgen vor allem durch einen höheren Ölpreis und steigende Kosten für Militär und nationale Sicherheit zu spüren bekommen.

„Wenn es zu einem Angriff auf den Iran und den erwarteten Gegenschlägen käme, könnte der Ölpreis pro Barrel leicht auf 250 Dollar und darüber hinaus steigen“, meinte der Experte. „Das könnte die USA wieder in die Rezession treiben.“

Während der jahrzehntelange Streit über das iranische Atomprogramm für wachsende Spannungen sorgt, untersuchen immer mehr Analysten das Ausmaß der möglichen Kosten, die der bislang ‚kalte‘ Konflikt zwischen den USA und dem Iran im Falle einer Verschärfung mit sich bringen könnte.

Nach dem im September veröffentlichten ‚Iran Project Report‘ würden die durch die iranischen Vergeltungsschläge entstehenden Kosten in den USA „über einen langen Zeitraum“ zu spüren sein und könnten einen regionalen Krieg auslösen. „Zu den beträchtlichen finanziellen Kosten eines Militärangriffs auf den Iran kämen kurzfristige Kosten, die mit den iranischen Gegenschlägen zusammenhingen“, so die Befürchtung, die von einer Vielzahl hochrangiger, überparteilicher Sicherheitsexperten geteilt wird.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Maßnahmen zur Verschärfung der Auseinandersetzung höhere Kosten verursachen werden, deren finanzielles Ausmaß durch FAS dokumentiert wurde.

„Die Dynamik von Eskalation, Aktion und Gegenaktion könnte ernsthafte, unbeabsichtigte Folgen haben, die all diese Kosten erheblich steigern und möglicherweise zu einem totalen regionalen Krieg führen würden“, heißt es.

Rapider Anstieg des Ölpreises befürchtet

Am 19. Oktober gaben Teilnehmer eines Treffens im ‚Center for the National Interest‘ (CNI), auf dem die Folgen eines möglichen Kriegs gegen den Iran beraten wurden, ähnliche Einschätzungen ab. J. Robinson West, der unter republikanischen Staatspräsidenten hohe Ämter im Weißen Haus, im Energieministerium und im Pentagon bekleidet hatte, hält Produktionsverluste von acht Millionen Barrel Öl täglich für möglich. Diese wären nicht rasch wieder auszugleichen, warnte er.

„Wir glauben, dass der Ölpreis über 200 Dollar pro Barrel steigen könnte.“

Die ‚New York Times‘ berichtete am 20. Oktober, dass die USA und der Iran sich „im Prinzip zum ersten Mal“ auf direkte Verhandlungen verständigt hätten. Teheran und Washington hätten jedoch bereits 2009 „begrenzte bilaterale Gespräche“ abgehalten, als „die iranische Führung den Amtsantritt der Obama-Regierung als Chance sah, um einige iranische Forderungen hinsichtlich des Rechts auf Uran-Anreicherung anzusprechen“, sagte Farideh Farhi von der Universität von Hawaii.

Präsident Obama dementierte am 14. November den Bericht der ‚New York Times‘, stellte aber nicht die Möglichkeit vertraulicher Gespräche in Frage. Er betonte vielmehr, dass sich die USA ernsthaft für eine Lösung des Konflikts einsetzen würden, wenn die Iraner ihre Ehrlichkeit unter Beweis stellten. Nach Ansicht von Farhi hat sich die Lage aber verändert. Die iranische Führung habe inzwischen große Zweifel daran, dass Obama tatsächlich eine Lösung der Atomfrage suche.

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