Enttäuschende Anti-TTIP-Proteste oder mediales Kleinrechnen

Am vergangenen Samstag fanden in Deutschland die Proteste gegen die Freihandelsabkommen TTIP, CETA und TISA statt, mehr als 300.000 Menschen beteiligten sich, doch die Medien sprachen nur von knapp Hundertausend und den nicht erreichten Erwartungen. Ein Märchen, dem auch die offiziellen Zahlen der Polizei widersprechen.

Das größte deutsche Politikmagazin „der Spiegel“ schrieb in seinem Leitartikel: „Hunderttausende wurden zu den Demonstrationen gegen TTIP und Ceta erwartet. Am Ende kamen teils deutlich weniger.“ Auch die Wochenzeitung „Zeit“ titelte: “ Der Protest ist bunt und laut – doch die Beteiligung an den Demonstrationen gegen die Handelsabkommen TTIP und Ceta bleibt hinter den Erwartungen zurück.“ Grundlagen für diese Behauptung gibt es allerdings kaum, denn die Proteste übertrafen alle Demonstrationen, seit den Protesten gegen den Irakkrieg 2003.

So berichtet die Berliner Polizei von 70.000 Teilnehmern, die Kölner von 42.000, in Hamburg zählte sie 30.000 (Veranstalter 60.000), in Frankfurt wurden 25.0000 gezählt, in Stuttgart 20.000, in München 23.000 und in Leipzig mehr as Zehntausend.

So demonstrierten nach offiziellen Angaben der Polizei mindest 230.000 Personen in Deutschland gegen die Freihandelsabkommen, die Veranstalter schätzten die Zahl noch höher, auf etwa 320.000. Doch medial fand nur die jeweils erste von der Polizei herausgegebene Zahl, vor offiziellem Demobeginn, Beachtung.

Die Folge deutliche niedrigere Teilnehmerzahlen und massenhafte Berichte über angeblich nicht erfüllte Erwartungen, ein Update, welches die Zahlen während der Demonstration betrachtete, blieb aus und die Berichte über schlechte Beteiligung blieben stehen.

Statt also in Zeiten der sekündlichen Updates aktuelle Meldungen zu bringen, werden die Proteste verklärt, die Zahlen kleingerechnet und die Protestierenden werden als rechtsoffen dargestellt. Ein Muster, welches auch schon von den vergangenen Großdemonstrationen gegen TTIP und CETA bekannt ist, so schrieb nach der Großdemonstration 2015 Alexander Neubacher im Spiegel:

„In der Allianz der TTIP-Gegner schreiten Gewerkschaften und Umweltverbände Seite an Seite mit Nationalisten vom rechten Rand. Ein paar ganz Braune sind auch dabei: Pegida-Chef Lutz Bachmann hat seine Anhänger in Dresden aufgerufen, sich an den Protesten zu beteiligen, die NPD ist dabei, der französische Front National, die bulgarischen Ultranationalisten.“

Eine Behauptung, die schon 2015 wenig mit der Realität zu tun hatte, wie die klaren Worte des Campact-Geschäftsführers deutlich machten: „Weder die Glatzen noch die Nationalisten im Nadelstreifen seien Willkommen“.

So mögen sich damals unter den Demonstrierenden Rechte befunden haben, doch Einfluss hatten sie nicht. Bei den Demonstrationen des vergangenen Wochenendes wurde dies noch deutlicher, denn die Veranstalter verteilten Plakate gegen Rassismus und Rechtspopulismus.

So bleibt auch nach den vergangenen Demonstrationen der Eindruck bestehen, dass die deutschen Medien die Proteste in ein schlechtes Licht rücken und Kleinrechnen wollen. Din Versuch, der Debatte mit den Demonstrierenden oder ein ehrliches Update sowie eine Entschuldigung für die Schrumpfung der Proteste zu verleihen, blieb aus.

Am Ende bleibt die Enttäuschung, dass die Medien die größten Proteste seit mehr als 10 Jahren kleinreden und die Hoffnung, dass die Proteste weiter wachsen, damit die Freihandelsabkommen gestoppt werden.