in Wirtschaft

BMW steht vor gewaltigen Herausforderungen und muss weiter drastisch sparen. Doch die Krise herrscht nicht nur bei BMW, sondern der deutschen Autoindustrie als Gesamtes. Kommt bald ein Megabündnis zur Bewältigung der Krise zustande?

BMW kürzt Dividenden – die Aktie des Konzerns stagniert seit Jahren

Die Aktienmärkte sind oftmals ein guter Indikator für die Gesundheit von Märkten. Märkten wie der Autoindustrie in Deutschland. Anleger und Aktionäre von Autoherstellern merken die Probleme unserer Autohersteller schon lange. Im Fall BMW hat sich der Wert der Aktie in den letzten drei Jahren praktisch nicht verändert. Dass dieser Umstand nichts Gutes zu bedeuten hat, leuchtet selbst Börsenlaien ein.

Für BMW-Aktionäre insbesondere kommt es noch schlimmer. Im Rahmen der radikalen Sparmaßnahmen beim deutschen Autobauer werden die Dividenden für letztes Jahr wohl um 50 Cent je Stammaktie gekürzt. Das macht dann 3,50 Euro pro Stammaktie. Als Grund gab das Unternehmen rückläufige Gewinne an. Rückläufige Gewinne, unter anderem auch wegen globaler Schieflagen.

Handelskonflikt zwischen USA und China und drohende Strafzölle belasten das Automobilgeschäft

Die angehobenen Zölle zwischen den USA und China etwa. Diese treffen Autobauer im Allgemeinen erstmals in einem vollen Geschäftsjahr. Der Münchner Konzern rechnet mit zusätzlichen Belastungen durch die Zölle im „mittleren bis hohen dreistelligen Millionenbereich“. Drohende Strafzölle aus Washington verhängt gegen Autos aus Europa machen BMW zudem Sorgen.

Zudem kommt das undurchsichtige Theater des Brexit hinzu. Und BMW ist in England einer der größten Autoproduzenten. 15 Prozent aller in Großbritannien hergestellten Autos kommen aus BMW-Fabriken. Und nicht nur Fahrzeuge werden auf der britischen Insel gefertigt, sondern auch jährlich rund 375.000 Motoren. Sollte Großbritannien die EU tatsächlich verlassen (was nach wie vor den Anschein macht), so will der deutsche Autobauer „einen Teil der Produktion aus Großbritannien abziehen“. Doch auch das würde Geld kosten. Nicht gerade wenig Geld.

Hoffnungsmarkt China

Gerade wo wir noch von den Handelskonflikten zwischen China und der USA redeten: gerade China gilt für BMW als Hoffnungsmarkt. Das Münchner Unternehmen wird ab 2022 die Mehrheit am chinesischen Partner Brilliance übernehmen. Dafür werden rund 3,6 Milliarden Euro fällig. Zudem will BMW die Fertigungskapazität in China „von heute 400.000 auf 520.000 Autos pro Jahr“ aufstocken.

Das Wachstumspotential in China sei darüber hinaus enorm. 2018 konnte BMW seine Verkäufe in Fernost um 7,7 Prozent steigern. In den USA hingegen wird nur noch mit kleinen Zunahmen bei den Verkäufen gerechnet. Doch die echte Herausforderung ist weder China noch die USA, sondern Elektromobilität. Und die Umstellung, die dazu notwendig ist, ist der wahre Grund für die Krise – nicht nur bei BMW.

Megabündnis deutscher Autobauer?

Im vergangenen Jahr kostete BMW die Forschung und Entwicklung von Elektroantrieben satte sieben Milliarden Euro. Andere Hersteller mussten nicht allzu viel weniger investieren und aus diesen massiven Kostenbelastungen entstand nun eine ungewöhnliche Kooperation. BMW und Daimler wollen bei der Entwicklung selbstfahrender Autos zusammenarbeiten. „Statt individueller Insellösungen geht es uns um ein zuverlässiges Gesamtsystem“, erklärte Ola Källenius, Forschungsvorstand bei Daimler.

Es geht einerseits um das Teilen von Kosten in Milliardenhöhe, aber auch um das Bündeln der Forschungs- und Entwicklungskräfte. Denn Googles Tochterkonzern „Waymo“ schläft nicht, sondern ist laut Expertenmeinungen „bei der Technologie durch längere Erprobung ein bis zwei Jahre“ voraus. Experten munkeln schon über einen Zusammenschluss von Daimler, BMW und VW. Darüber ist allerdings bisweilen noch nichts Konkretes bekannt. In der Krise der deutschen Autoindustrie stecken die Autobauer jedoch allesamt. Und ein Megabündnis wäre denkbar, denn die gebündelte Kraft der Großkonzerne würde die Wettbewerbsfähigkeit auf lange Sicht hin sicherstellen.

Autor: Thomas Schmied

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Es wäre ein Fehler! Diese Unternehmen zusammen würden den Markt in eine Schlaftablette verwandeln, wie die Unternehmen es heute bereits sind. Gelder würden nur an die fetten Eigentümer gehen und der Steuerzahler bezahlt.
    Richtig wäre diese Konzerne abwickeln, die Vermögen der Eigentümer einziehen sowie der Konzerne und aus den gesunden Teilen einen neuen entstehend lassen ohne eine Eigentümerstruktur von Quandt und ähnlichen. Wenn diese ERBEN, die meistens wirtschaftliche Versager sind und nur durch das Geld überleben weg sind, wird es der Industrie besser gehen und die Konzerne können 100% der Gewinne in die Entwicklung stecken.

    • „ohne eine Eigentümerstruktur von Quandt und ähnlichen. Wenn diese ERBEN, die meistens wirtschaftliche Versager sind und nur durch das Geld überleben weg sind, wird es der Industrie besser gehen und die Konzerne können 100% der Gewinne in die Entwicklung stecken.“

      Wohl ein bißerl stark krank, so einen Kommentar aus der Tastatur zu lassen?
      Ohne Quandt gäbe es keinen BMW.
      Was die Erben machen ist deren Sache.
      Etwas erben und weiterführen, weiter zu vermehren kann schwieriger sein als es aufzubauen.
      Wer von uns hat Einblick? Deren Schattenseiten lassen sich aber erahnen.
      Neid?
      Von meiner Seite kein bischen. Solchen Leuten mein Glückwunsch.

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