in Wirtschaft

Es ist kein neues Phänomen und das passende Buch dazu ebenfalls nicht. Jean ZieglersDer Hass auf den Westen“ ist trotz alledem ein Standardwerk, um die Menschen des Globalen Südens zu verstehen und unseren Eurozentrismus, also die Fokussierung des Weltbilds auf Europa, zu hinterfragen. Denn nur wenn wir verstehen, was die Menschen des Globalen Südens ertragen mussten, können wir Europas Schuld begreifen.

Europa hat in seiner Geschichte viel Mist gebaut. 300 Jahre Kolonialgeschichte gingen von diesem Kontinent aus, in der Menschen versklavt, massakriert, ermordet und gefoltert wurden. Alles im Namen von vermeidlich überlegenen Kulturen, Religionen und Rassen. Für viele Europäerinnen sind die begangene Gräueltaten nicht mehr fassbar, doch den Menschen des Globalen Südens, den Opfern des Kolonialismus, stecken die Nachwirkungen tief in den Knochen.

Jean Ziegler geht in seinem Buch mehreren Schlüsselfragen nach: Woher kommt der Hass auf den Westen und welche Art von Hass gibt es sowie der Frage der Schuld Westeuropas und des kapitalistischen Wirtschaftssystems am Elend der Welt. Zusammengefasst unterscheidet er beim Hass in zwei Kategorien: Der irrationale und blinde Hass, der in Gewalt und Wut umschlägt. Und der andere Hass, der Kühl und berechenbar ist, ein Ergebnis von 300 Jahre Kolonialismus. Er zeigt auf, wie gesellschaftliche Gedächtnisse funktionieren und erklärt, warum viele Staaten und Völker erst 50 bis 80 Jahre nach ihrer Unabhängigkeit das Selbstbewusstsein fanden, gegen ihre ehemaligen Kolonisierer vorzugehen und Wiedergutmachung zu fordern. Er hebt erfolgreiche Beispiele hervor, wie die Präsidentschaft Evo Morales in Bolivien: Ein Indigener Präsident, der sein Land aus den Klauen des kapitalistischen Wirtschaftssystems führt.

Der Globale Süden beherbergt bei weitem die meisten Länder und Menschen der Welt. Trotzdem ist er wirtschaftlich nach wie vor nur ein Anhängsel des Westens. Dieser hat aus seiner Geschichte nichts gelernt, so Ziegler. Nach wie vor plündern europäische und nordamerikanische Konzerne die Ressourcen Asiens und Afrikas. Nach wie vor versuchen die Europäische Union und die Vereinigten Staaten von Amerika dem Rest der Welt alles vorzugeben: Wie geherrscht, gegessen, gelebt, gewirtschaftet und philosophiert werden soll. Es sind die postkolonialistischen Strukturen und die westliche Doppelmoral, die Ziegler zurecht angreift. Jean Ziegler hilft mit seinem Buch zu verstehen, dass Europäerinnen und Europäer viel zu häufig mit westlicher Arroganz agieren. Eine Eigenschaft, die wir schleunigst ablegen sollten.

Darum sollten viel mehr Menschen sein Buch lesen. Er zeigt knallhart auf, wie sich Europa seiner weltweiten geschichtlichen Verantwortung entzieht und der Kapitalismus den Globalen Süden, aber auch die ärmeren Menschen des Globalen Nordens, zerstört. Bei booklooker antiquarisch bereits ab drei Euro erhältlich.

Jean Ziegler ist Soziologe und saß von 1967 bis zu seiner Abwahl 1983 und erneut von 1987 bis 1999 im Schweizer Nationalrat. Von 2000 bis 2008 war er UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.

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Kommentar

12 Kommentare

    • Nein, der Artikel ist sehr tendenziell in diesem Punkt: „Der Westen“ ist nicht nur Europa. Das behauptet Zieglers Buch auch nicht. Amerika hat uns von Anbeginn übertroffen. Offenbar passt dies nicht ins Weltbild der Linken, zumal man zur Ära des Christoph Kolumbus noch nicht den bösen „Kapitalismus“ gab. Damals gab es aber zwei Theorien darüber, ob als Indianer wilde Tiere (man darf sie töten) oder als Menschen (die muss man bekehren) zu behandeln seien. Diesbezüglich entstand sofort eine Spaltung zwischen Spanien und Amerika: Spanien war für das Bekehren, für die Kolonien war das Töten einfach bequemer. Als Nachschub holte man dann die „Neger“. – Also mal wieder nix mit dem „Kapitalismus“ als universelle Ausrede aller Linken.

  1. na ja, Ziegler kritisiert den Westen bestimmt zu recht, allerdings ist er als ewig gestriger Marxist auf dem linken Auge Blind und schiebt die Schuld dem Kapitalismus, den es seit 100 Jahren weltweit nicht mehr Gibt, Plutokratie, Faschismus und politische Korruption im Westen sind die Ursachen. Zieglers Glaubensgennossen in Südamerika sind leider auf dem besten Weg durch die oekonomische Pleite ihrer sozialistischen „Errungeschaften“ die Bevölkerung wieder in die Arme der Amerikanischen Gauner z treiben.

    • Die USA führen gegen Venezuela und Equador wegen ihrer missliebigen Sozialistischen Führer, die die USA sogar schon offiziell angeklagt haben, einen massiven Finanzkrieg mittels ihrer sogg. „Finanziellen Massenvernichtungswaffen“ (nichts weiter als uferloses Spekulantentum, das einen Staat schnell in den Ruin treiben kann).
      Die sozialistischen Errungenschaften gab es schon, nur haben die USA sie ihnen wieder durch Spekulation gestohlen. Denk mal an den seit einem Jahr absurd niedrigen Ölpreis – richtet sich natürlich auch gegen Russland. Venezuela ist aber z.B. auch ein Land, das vom Erdölexport völlig abhängig ist.

      • so einfach ist es nicht, Venezuela hat jahrelang hohe Einnahmen aus dem Oelexport gehabt, zur Zeit als der Preis noch 100$ und mehr war, auf die haben die Spekulanten keinen Einfluss gehabt, Hunderte von Milliarden sind im Sozi Umverteilungsumpf versickert. Spekulanten können nur Staaten angreifen, die sich international hoch verschulden, bis 2013 haben sie aber nur cca 44% BIP Schulden gehabt, es ist also Unsinn es den Spekulanten in die Schuhe schieben, auch wenn es die Amis gern versucht hätten.

        • Gibt weit mehr Möglichkeiten ein Land zu ruinieren und in die Staatspleite zu treiben Stichwort gelenkte Rating-Agenturen, die mit lächerlichen Argumenten ein Land nach unten „beurteilen“, während der Witz des Jahrhunderts – die USA als Tripple +A – Land munter weitergeht.
          Venezuela war schon vor der sozialistischen Regierung trotz seines Rohstoffreichtums ein bettelarmes Land. weil es vom US-Ausland ausgeblutet wurde.

          Wenn das Öl nicht in Dollar abgerechnet würde, wäre Venezuela eines der reichsten Länder der Welt. Die Armut hat also ihre Ursache eindeutig in dem Privat-Kapitalistischen System. Wer spekuliert denn den Ölpreis in unsägliclhe Tiefen?

          • Unsinn, Ratingagenturen können nur ein Land ruinieren wenn es neue Schulden machen möchte, als Havez President wurde, hat Venezuela nur 35% BIP Schulden und war genau wie heue reich an Bodenschätzen, zu der Zeit haben sie keine nennenswerte Verschuldung nötig gehabt. Wenn der Oelpreis 140 $ wurde, haben sich die Sozis in Venezuela wegen Spekulanten nicht beschwert.

  2. Die KommunistInnen und Kommunisten sollten mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Blutbäder aufarbeiten.
    Wer selber so viel Dreck am Stecken hat, ist als Moralerzieher sicher ungeeignet.

    Geht doch mal rüber zu den Ukrainern und entschuldigt Euch für den Holodomar? Der hat nicht weniger als 7 Millionen Menschenleben gefordert.

    Die Rote Armee unter der Führung von Leo Trotzki hat 9 Millionen Menschen ermordet.
    Viele Massengräber, die den Kindern als deutsch in der Schule gezeigt werden, sind russische sowjetische Massengräber.

    In China hat die Kulturrevolution 70 Millionen Menschen gekostet.

    Wer einer so kranken Ideologie anhängt, sollte sich besser verstecken.

    • Das Scheitern des Kommunismus im Osten hat dieselben Gründe, wie das Scheitern unseres glorreichen Schweinesystems: Korruption durch uferlosen Lobbyismus.

      Der sogg. „Kommunismus“ war im Osten nichts weiter als ein Staatskapitalismus, in dem sich die reiche Elite gleich an die Spitze des Staates gesetzt hatte oder diese so massiv kontrollierte, das es auf dasselbe herauskam.
      Ich war nie Kommunist – habe bisher immer bürgerlich gewählt – aber es ist einfach zu oberflächlich und deshalb falsch, was du schreibst.

      Der Westen hat mit seinen unzähligen Kolonialkriegen, mindestens ebenso viele Tote erzeugt. Im Grunde ist unser aller Kernproblem: Korruption im ganz großen Stil an der Spitze.

  3. Unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Strukturen würde ich sagen, es liegt an unserer Mentalität ! Gerade in unserer Gesellschaft ist es deutlich zu erkennen, du hast was also bist du was. Ich bin stärker also bin ich …., du bist schwächer also bist du nicht……! Profit mit Arroganz und Überheblichkeit !!!

    • Glaub nicht dass das eine Mentalität ist, weder unsere noch die von anderen Völkern.
      Zu Konsumenten werden Völker gemacht, genauso wie zu Klassenkämpfern. Auch Armut ist als abschreckendes Beispiel gewollt. Man arbeitet mit vielen Psychologie-Programmen, die alle auf natürliche menschliche Verhaltensmuster abzielen – aber eine Mentalität ist etwas anderes – es ist ein Volkscharakter, der sich über seine Geschichte entwickelt und definiert.