in Wirtschaft

„Es war einmal ein Land mit einer starker Währung. Man gab dem Land eine schwächere Währung und es profitierte die Exportbranche, die dem Land zu wirtschaftlicher Stärke verhalf. Man erzählte den Leuten, dass man von der schwächeren Währung profitiert habe, und dass man nun ehrfürchtig die Rechnung dafür zu zahlen hat.“

So oder so ähnlich geht das Exportmärchen. Fakt ist: Die Gewinne der Exportkonzerne haben wir mit drastischen Reallohneinbußen bezahlt; schuld war der schwache Euro.

In der Tat ist es nicht gelogen, wenn uns Politdarsteller in höchster Schauspielkunst gebetsmühlenartig das Dogma vom Export vorsingen. Die deutsche Exportbranche hat vom Euro profitiert, weil er tendenziell schwächer war, als es die D-Mark gewesen wäre (= Spekulative Annahme!). An diesem einfachen volkswirtschaftlichen Mechanismus kann man nichts aussetzen und er entspricht der Wahrheit. Er entspricht, wie bei Märchen üblich, aber nur der halben Wahrheit, denn jedem Export geht auch ein Import voraus.

Deutschland hat kaum Rohstoffe und muss deshalb, um Waren im Wert von beispielsweise 100 Geldeinheiten zu exportieren, Rohstoffe und Vorleistungen im Wert von zirka 40 Geldeinheiten importieren. Diese Vorleistungsimporte wurden durch den schwachen Euro teurer. Unsere Unternehmen haben also im Verkauf (Export) mehr verdient, mussten aber für den Einkauf (Import) mehr bezahlen. Im Endeffekt bekamen wir hierdurch einen starken Export, aber auch höhere Kostenbelastungen in den Unternehmen. Während die Industrie hiervon noch einigermaßen profitiert hat, traf es ein Wirtschaftssubjekt ziemlich heftig: Den Verbraucher. Konsumenten und Verbraucher sind im Prinzip die größten (indirekten) Importeure. Die Exportwirtschaft hat zwar vom Euro profitiert, aber die Importwirtschaft hat unter ihm gelitten.

Jeder der sein Auto betankt oder andere Produkte aus Fremdwährungsbereichen kauft (Bananen, Kaffee etc…), musste seit dem Euro herbe Aufschläge bezahlen. Auch wurden heimische Produkte teurer, denn die ca. 40% Vorleistungsexporte stecken natürlich auch in Produkten, die für den heimischen Markt bestimmt sind. Volkswirte sprechen in so einer Situation von einer „importieren Inflation“. Dies ist der hauptsächliche Nachteil einer schwachen Währung.

Komischerweise wird sie uns tagtäglich als Erfolgsmodell verkauft. Die zusätzlichen Gewinne des Exports hinterlassen eine teure Rechnung, welche von den Verbrauchern bezahlt werden muss! Zu sehen ist dieser Exzess an den stetig sinkenden Reallöhnen in Deutschland. Andere Euro-Länder, bei denen die Entwicklung umgekehrt war, die also durch den Euro von einer schwächeren in eine härtere Währung kamen, war die Entwicklung nicht so. Dort sah man seit dem Euro keine Reallohnverluste. Unsere Politikdarsteller sprechen dann perfiderweise von fehlender Wettbewerbsfähigkeit.

Mir ist klar, dass meine Ausführung nicht höchster volkswirtschaftlicher Professionalität entspricht. Ich wollte es bewusst so schreiben, dass es jeder versteht.

Es geht mir nicht so sehr um Details sondern vielmehr um den skizzierten Mechanismus. Der Euro ist gut für die deutsche Exportwirtschaft, keine Frage! Aber er ist auch schlecht für ganz normale Verbraucher und Konsumenten. Diese zweite Seite der Medaille lassen die Europrediger in ihren Schauspielauftritten gerne weg. Vieles was wir heute exportieren wurde zu großen Teilen im Ausland gefertigt. Die Inflation, die wir uns hier ins Land holen trifft vor allem einkommensschwache und sozial benachteiligte Personen. Die großen Gewinne der Exportwirtschaft fließen nicht an die Arbeitnehmer sondern größtenteils an die weltweit verteilten Großaktionäre. Ich bin deshalb nicht gegen den Euro, aber ich mag es einfach nicht, wenn Politiker Märchen erzählen. Deutschland hat nicht vom Euro profitiert! Die einzigen, die profitiert haben sind die deutschen Exporteure, aber nicht die Menschen.

Nachweise und Links:
– ifo: Pathologischer Exportboom
– Eurostat: Lohnstückkosten in der EU
– ZDF: Vorteile und Nachteile eines schwachen Euro
– Focus: Exportbranche profitiert, aber Konsumgüter werden teurer
– Managermagazin: Das Problem der importierten Inflation

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Kommentar


  1. Man hat sich mit der Analyse zum
    „Exportmärchen“ viel Mühe gemacht,
    aber es gibt noch etwas, das das
    alles toppt: Target2 !

    Die ganzen deutschen Exporte werden
    quasi verschenkt, indem sie auf ein
    Target 2-Konto auflaufen und
    Deutschland für die Exporte ja nicht
    mehr bezahlt wird.

    Dieses ganze Zionisten-System kann
    man vergessen.

    Die USA haben sie schon komplett
    ruiniert und seit einigen Jahren
    nehmen sie sich Europa vor und
    machen hier dasselbe.

    Solange sich die Leute nicht wehren
    machen die immer weiter.