Bargeldverbot: Das Spiel der EZB

Die EZB hat nach einem Bericht im „Handelsblatt“ Italien für die jüngste Bargeldobergrenze „gerügt“. Die Europäische Zentralbank sieht sich zum einen hintergangen, da sie vorher informiert werden muss. Zum anderen meint die EZB, dass das Bargeld nicht so stark reguliert werden dürfe. Gute Nachrichten für Kritiker der zunehmenden Bargeldeinschränkung?

Was steckt dahinter?

Autor der Beschwerde der EZB ist das Direktoriumsmitglied Yves Mersch. Der hat sich bei der „italienischen Regierung“, wie es heißt, „lautstark“ per Brief beschwert, als die ihre Bargeldobergrenze von 3.000 auf 2.000 und dann lediglich 1.000 Euro abgesenkt hat. Die EZB müsse angehört werden.

Bargeld allerdings habe ohnehin den Vorteil, dass es ohne Infrastruktur funktionieren würde. Das heißt: Bargeld benötigt keinen Strom – als Beispiel. Diese Aussage ist allerdings falsch und lässt tief blicken. Es entstehen mehrere Fragen:

1.) Wie kommt der Brief zum „Handelsblatt“ und von dort an die Öffentlichkeit?

2.) Warum behauptet die EZB plötzlich bspw., Bargeld benötige keine Infrastruktur?

Dass der Brief an eine Redaktion gelangt, ist mit hoher Sicherheit eine Indiskretion, da der Brief ansonsten verschiedenen Redaktionen zur Verfügung gestellt worden wäre. Allerdings ist diese Indiskretion nicht notwendig zufällig zustande gekommen. Die italienische Regierung könnte sich auf diese Weise selbst anschwärzen. Warum sollte sie das tun? Die EZB könnte allerdings auch sorgsam das Image aufbauen, die Zentralbank kämpfe um das Bargeld. Das wiederum würde zumindest plausibler sein, gilt die EZB doch als Treiber des Bargeldverbotes.

Die zweite Aussage, Bargeld benötige keine Infrastruktur, ist ohnehin falsch. Dass die EZB dies als Scheinargument anführt, ist erstaunlich. Bargeld lässt sich ohne Energie weder in Automaten halten noch bei Banken sammeln oder auszahlen. Bargeld ließe sich noch nicht einmal ohne die auf EU-Wunsch hin automatisierten Kassensysteme nutzen – jedenfalls nicht für legale Geschäfte. Die Aussage legt nahe – meinen Kritiker -, dass die EZB die Öffentlichkeit hinsichtlich ihrer Bargeld-Fürsprache hinters Licht führen möchte. Denn das Bargeld“verbot“ läuft bereits an, wie Sie hier lesen.