Ausländische Direktinvestitionen in und aus Entwicklungsländern in Rekordhöhe

Von Carey L. Biron

Washington, 10. Dezember (IPS) – Ausländische Direktinvestitionen (FDIs) in die Entwicklungsländer und aus den Ländern des Südens in arme andere Staaten haben Rekordhöhen erreicht oder sind auf dem besten Wege dazu. Dies geht aus einer neuen Untersuchung des Weltbankarms ‚Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur‘ (MIGA) hervor.

„Ungeachtet der Verlangsamung der globalen Wirtschaft sind die FDIs aus Entwicklungsländern 2012 um elf Prozent auf ein Rekordhoch von 237 Milliarden US-Dollar gestiegen“, betont die MIGA, deren Aufgabe es ist, den Zufluss von FDIs in die Schwellenländer zu fördern.

In diesem Jahr sind dem MIGA-Bericht zufolge 36 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen in die Entwicklungsländer geflossen. 14 Prozent der FDI-Gelder stammten aus diesen Staaten.

Die Mehrheit der FDIs kommt aus Ländern mittlerer Einkommen. Allein Brasilien, China, Russland und Indien hatten im zurückliegenden Jahr einen Anteil an diesen Investitionen von 64 Prozent. Vor allem chinesische Staatsunternehmen brachen mit ihren FDIs 2012 alle Rekorde.

In fast allen Teilen der Welt mit Ausnahme von Lateinamerika waren die Investitionstrends im letzten Jahr infolge politischer Instabilität und der Wirtschaftskrise schwächer ausgeprägt. Die FDIs in die Entwicklungsländer beliefen sich auf 600 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Anteil an den FDIs von sieben Prozent.

Die MIGA-Analysten erwarten für das kommende Jahr Investitionen in die Entwicklungsländer, die die Rekorde vor Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008 überbieten, die die ‚traditionellen‘ Investitionsquellen – die westlichen Länder – trockengelegt hat.

Doppelseitiges Schwert

Während die MIGA die ausländischen Direktinvestitionen in den Entwicklungsländern als wichtige Wachstumsmotoren anpreist, warnen Aktivisten vor den Problemen, die mit ihnen einhergehen – vor allem wenn sie in Agrarland und die Landwirtschaft fließen.

Das ‚Oakland Institute‘ geht in einem neuen Bericht davon aus, dass der private Finanzsektor in den letzten Jahren bis zu 25 Milliarden Dollar in Agrarland und Landwirtschaft in Entwicklungsländer investiert hat – ein Betrag, der sich in naher Zukunft verdoppeln wenn nicht verdreifachen dürfte.

„Diese Art von Investitionen sind für die Gemeinden und die Landwirtschaft Fehlinvestitionen“, meinte Anuradha Mittal vom Oakland Institute unlängst im Gespräch mit IPS.

Agrarfonds werden häufig als positive soziale Investitionen zur Bekämpfung von Hunger und Klimawandel portraitiert. Doch ihren Gegnern zufolge wirken sie sich vor allem negativ auf die Ernährungssicherheit, die lokalen Lebensverhältnisse und die Umwelt aus.

Multis in die Verantwortung nehmen

Das kontrovers diskutierte Thema wurde auch auf dem UN-Wirtschafts- und Menschenrechtsforum in Genf in der ersten Dezemberwoche behandelt. Die Veranstaltung war die erste ihrer Art, um über die Umsetzung von Menschenrechtsnormen für transnationale Unternehmen zu sprechen, die die Vereinten Nationen im letzten Jahr erlassen hatten.

Durch diese Richtlinien sollen international tätige Konzerne zur Einhaltung von Menschenrechten und für menschenwürdige Arbeitsbedingungen gezwungen und Kinderarbeit, Frondienst und andere Formen der Ausbeutung unterbunden werden.

John G. Ruggie, ein ehemaliger Sondervertreter für Wirtschaft und Menschenrechte und Hauptautor des UN-Leitfadens, betonte auf der Veranstaltung, dass die Rechte multinationaler Konzerne, im Ausland zu operieren, in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet wurden. Doch der Schutz der Menschen habe in diesem veränderten Kontext nicht Schritt halten können. Der neue Leitfaden soll für Ausgleich sorgen.

Viele Experten sind gespannt, wie die USA, Sitz der meisten transnationalen Konzerne, die UN-Richtlinien anwenden werden. Washington hat Bestimmungen erlassen, die die Unternehmen dazu nötigen, ihre Zahlungen an ausländische Regierungen offenzulegen und darüber hinaus Einblick in ihre Bergbauaktivitäten zu geben.