in Wirtschaft

Der amerikanische Arbeitsmarkt litt zwar stärker unter den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise als jener in Europa, doch während sich die Situation auf dem alten Kontinent seit Jahren langsam aber beständig zuspitzt, scheinen die Vereinigten Staaten schrittweise wieder Terrain gutzumachen. Dennoch ist jenseits des Atlantiks längst nicht alles Gold was glänzt, wenn man es wagt genauer hinzusehen.

Glaubt man den Medienberichten, sind die Vereinigten Staaten wie der Phoenix aus der Asche dem Konjunktur-Jammertal entstiegen. Erwartungsgemäß übt sich die designierte Nachfolgerin Ben Bernankes auf dem Chefsessel der Fed, Janet Yellen, derzeit schon in optimistischen Reden zur wirtschaftlichen Lage der USA. Die offiziellen Zahlen geben ihr ja auch recht: Neben einem stabilen Wirtschaftswachstum weist der US-Arbeitsmarkt positive Tendenzen auf, so dass der allgemeine Optimismus in Übersee gerechtfertigt scheint.

Wie die Grafik links verdeutlicht, wurden im Zuge der Krise in den Vereinigten Staaten von 2008 bis 2010 deutlich mehr Jobs abgebaut als in der EU. Allerdings verzeichnen die USA seitdem wieder einen Anstieg der Beschäftigten, womit die Zahl der Menschen mit bezahlter Arbeit wieder das Niveau von 2006 erreichte. In Europa begann der Jobabbau dank der restriktiveren Arbeitsmarktgesetze erst ab dem Jahr 2009 mit deutlich schwächerer Abwärtstendenz. Diese jedoch fällt deutlich langanhaltender aus, so dass hier – trotz der kurzfristigen Erholung 2011 – weiterhin mit stagnierenden oder sinkenden Beschäftigungszahlen zu rechnen ist.

Allerdings muss man auch bedenken, dass die Bevölkerung der Vereinigten Staaten seit 2006 von 299 auf 317 Millionen Personen gewachsen ist. Dies zeigt sich in der Statistik zur Beschäftigungsquote, die das Verhältnis zwischen der Anzahl der Menschen im Erwerbsleben und der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter (20-65 Jahre) darstellt. Bedenkt man den Umstand, dass selbst die USA mit einer Fertilitätsrate von etwa 1,9 sehr wenig Nachwuchs haben und die Zahl der Erwachsenen dadurch beständig steigt, wird das Dilemma klar ersichtlich: Trotz der steigenden Beschäftigungszahlen schafft die US-Wirtschaft zu wenige Jobs, um damit die steigende Zahl an Menschen mit Arbeit zu versorgen. Nötig wären dazu monatlich mindestens um die 90.000 neuer Stellen pro Monat. Hinzu kommen (siehe Grafik rechts) die fehlenden 1,2 Millionen Jobs, die während der Krise vernichtet wurden.

In Europa, welches insbesondere in den südeuropäischen Krisenstaaten mit einer hohen strukturellen Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat, sieht die Lage partiell sehr kritisch aus. Lediglich Deutschland schert in Sachen Beschäftigung deutlich aus der Reihe und kann trotz Wirtschafts- und Finanzkrise eine durchgehende Zunahme der Beschäftigungsquote vorweisen. Insgesamt gesehen muss insbesondere die Eurozone hingegen einen sukzessiven Rückgang bei den Erwerbstätigen verkraften, der lediglich von den Stellenzuwächsen in der Bundesrepublik einigermaßen kompensiert wird.

Als Fazit bleibt nur die Feststellung, dass der europäische Arbeitsmarkt anfangs war glimpflicher davongekommen ist als jener in Übersee, dafür jedoch im Gegensatz zu diesem nicht wieder in Fahrt kommt. Man mag die amerikanische „hire and fire“ Mentalität hier in Europa gerne verdammen, allerdings scheint dieser Weg bei der Bekämpfung von Wirtschaftskrisen erfolgreicher zu sein.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Ein Aspekt, der im Zusammenhang mit dem Arbeitsmarkt meißtens nie beleuchtet wird ist die Frage, ob Konzerne und Bankiers überhaupt ein Interesse an höheren Beschäftigungsraten haben.

    Tatsächlich ist ihre Marktmacht je größer, je mehr Menschen arbeitslos sind.

    Ebenso sinkt der Preis für Arbeit mit der Anzahl der Arbeitslosen. Siemens wollte in Rumänien nicht mehr als 1 € Stundenlohn zahlen. Electrolux meines Wissens in Polen nicht mehr als 5 €.

    Auch die Abwanderungsandrohung als politisches Druckmittel um Steuererleichterungen korreliert mit der Höhe der Arbeitslosigkeit.

    Wenn die Macht der Konzerne/Bankiers größer als die der Politiker ist – was werden wir folglich in Zukunft beobachten? Mehr Beschäftigung oder etwa…?

    • Das Hauptproblem daran ist ja, dass die Menschen der Wirtschaft dienen sollen, und nicht die Wirtschaft den Menschen. Ganz zu schweigen von den Lakaien der Konzerne in der Politik…

  2. Mein Vorschlag:
    ziehen sie diesen Blog-Beitrag zurück. Jeder einzelne Ihrer Sätze zeigt, dass Sie sich auch nicht ansatzweise mit den statistischen Gegebenheiten in den USA befasst haben. Europas Zahlen mit denen der USA vergleichen zu wollen heißt Äpfel mit Birnen zu vergleichen!
    Wer halbwegs richtige Zahlenwerte und grafisch untermauerte Argumente lesen will schaue bei querschuesse.de nach. Dort finden sich dann auch unter dem Stichwort net-birth- Modell Hinweise darauf auf welche Art und Weise die USA ihre Arbeitsmarktdaten systematisch fälschen.
    Fitzcaraldo

    • Werter Fitzcaraldo,
      die statistischen Daten lassen sich trotz der partiell unterschiedlichen Berechnungsmethoden durchaus miteinander vergleichen. Sowohl Eurostat als auch das BLS verwenden ähnliche Parameter hinsichtlich der Beschäftigungszahlen.
      Dass die offiziellen Zahlen (sowohl in Europa, als auch in den USA) schöngerechnet werden, ist klar. Allerdings lassen sich die Beschäftigungsquoten nur bedingt manipulieren (indem man z.B. selbst jene Menschen hinzuzählt, die nur 2 Stunden pro Woche arbeiten).
      Dennoch ist es nicht zu bestreiten, dass in den Vereinigten Staaten immerhin neue Arbeitsplätze geschaffen werden, während die Eurozone summa summarum immer noch welche abbaut.

  3. die statistiken uus den usa sind genaus so manipuliert wie anderswo auch, so wird ausgeklammert dass es knapp 100 000 000 millionen personen dort gibt die den status des not in labour force genissen. das sind personen die es aufgegeben haben arbeit zu suchen und daher nicht mehr gezählt werden. dies ist eine beliebte methode, denn indem man einfach bestimmte gruppen nicht mehr zählt ist es ganz einfach diearbeitslosenquote niedrig zu halten. das gilt auch für deutschland.